Matthias von Buchegg (Bucheck) (OSB) (um 1280–1328)

1321–1328 57. Erzbischof von Mainz

 

Geboren um 1280 im Gebiet der heutigen Schweiz als jüngster Sohn des Landgrafen Heinrich von Kleinburgund, Schultheiß zu Bern, und der Adelheid von Straßburg; seine Brüder waren Graf Hugo II. († 1347) und Berthold von Bucheck, der Bischof von Speyer und Straßburg wurde. Matthias war Benediktiner, 1304 Kustos des elsässischen Klosters Murbach; erhielt 1312/13 die Propstei des zu Murbach gehörenden Klosters Luzern; auf Vermittlung seines Bruders Hugo schlug der in Avignon weilende König von Neapel, Robert der Weise (1309–43), Matthias 1319 Papst Johannes XXII. für den vakanten Stuhl in Konstanz vor. Doch noch bevor diesbezüglich eine Entscheidung gefallen war, richtete sich das Interesse der Familie von Matthias auf das durch den Tod Erzbischof Peters von Aspelt freigewordene Mainz, dessen Besetzung infolge der gespaltenen Reichsherrschaft hohe politische Bedeutung zukam.

Im Juni 1321 verpflichtete sich Matthias, im Falle seiner Erhebung zum Mainzer Erzbischof den Habsburger König Friedrich III. den Schönen von Österreich gegen dessen Konkurrenten Ludwig IV. von Bayern zu unterstützen. Während das Mainzer Domkapitel den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg zum Erzbischof postulierte und beim Papst um dessen Bestätigung nachsuchte, verlieh Johannes XXII. das Erzbistum am 4. September 1321 an Matthias. Die freundschaftlichen Beziehungen seines Bruders Hugo zu dem vom Papst zum Reichsvikar für Italien ernannten König Robert dem Weisen dürften die Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben. Ohne Widerstände konnte Matthias am 13. Dezember 1321 Erzbistum und Erzstift in Besitz nehmen. An die Ernennung zum Erzbischof und die Erlaubnis zur Konsekration knüpfte die päpstliche Kurie nicht nur die Verpflichtung zur Zahlung der seit Papst Alexander IV. obligaten Servitien, sondern erstmals auch die von Sedisvakanzgeldern in Höhe von 30.000 fl. sowie der Schulden aus der Amtszeit Peters von Aspelt. Von dieser enormen Summe beglich Matthias nur einen Teil. Mehrfach musste er um Stundung und Nachlass ersuchen; Konsekration am 3. Juli 1323; Palliumsverleihung am 5. September 1323.

Reichspolitisch hielt sich Matthias zurück. Nach dem Sieg Ludwigs des Bayern über Friedrich den Schönen bei Mühldorf erkannte er 1322 Ludwig als König an. Dessen Absetzung durch den Papst schloss er sich nur zögernd an und ließ sich erst 1328 für die vom Papst geforderte Neuwahl gewinnen, die er jedoch nicht mehr erlebte. Einigen erzstiftischen landes- und territorialpolitischen Erfolgen standen Verluste in Ober- und Niederhessen entgegen, die Matthias nach der militärischen Niederlage 1328 bei Wetzlar hinnehmen musste. Eine Diözesansynode in Mainz erließ 1327 eine Reihe von kirchlichen Reformbestimmungen.

Nach dem Urteil der Zeitgenossen war Matthias ein Bischof von untadeliger Lebensführung und trotz seiner ständigen Verschuldung und Geldnot persönlich sehr anspruchslos; er war der letzte Ordensmann auf dem Mainzer Erzstuhl.

Gestorben am 9. September 1328 in Miltenberg/Main in Anwesenheit seiner Brüder Hugo und Berthold; Grab: Mainzer Dom.

Friedhelm Jürgensmeier

 

Text aus: Gatz, Erwin (Hrsg), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. Teil: 1198 bis 1448, unter Mitw. von Clemens Brodkorb, Berlin: Duncker und Humblot 2001, S. 407–408. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.