Bilder Erik Peterson

Der Brief an die Römer

  

Ausgewählte Schriften Bd. 6, 1997
2. Auflage (Broschur) 2012

herausgegeben von
Barbara Nichtweiß

unter Mitarbeit von Ferdinand Hahn

  
Zum Inhalt

Begegnungen mit dem Römerbrief des Apostels Paulus gehören seit jeher zu den Marksteinen der Kirchengeschichte wie der individuellen christlichen Lebensgeschichte. "Als ich am dritten Tag meines ersten Semesters im Mai 1925 neugierig in Erik Petersons Vorlesung über den Römerbrief geriet, wurde damit über den Weg meines Studiums und in gewisser Weise auch meines Lebens entschieden." Durch dieses Denkmal, das Ernst Käsemann im einleitenden Satz des eigenen Römerbriefkommentars seinem Lehrer gesetzt hat, wie auch durch ähnliche Erinnerungen der Petersonschüler Otto Kuss und Heinrich Schlier, war die Bedeutung der Römerbriefvorlesungen des damals an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Bonn lehrenden Peterson seit langem zu erahnen. Doch erst jetzt kann man sich mit der Edition dieser Vorlesungen auch persönlich ein umfassendes Bild von ihrer sachlichen und sprachlichen Kraft machen.

Inmitten der aufgewühlten theologischen Landschaft der zwanziger Jahre durchbricht Peterson mit seinen Römerbriefvorlesungen die traditionellen Fronten einer konfessionalistischen, moralistischen und idealistischen Römerbriefexegese. Er greift neue Einsichten und Herausforderungen der zeitgenössischen Forschung und theologischen Diskussion auf, ohne sich ihnen dabei unkritisch zu verschreiben: "Wir haben allen Anlass, in der Gegenwart aus der Problematik unserer eigenen konkreten Situation heraus die theologischen Fragen zu stellen."

Diese Fragen treffen ins Zentrum des christlichen Glaubens: Der ursprüngliche Inhalt des Evangeliums gehört ebenso dazu wie das Problem seiner endzeitlichen Beziehung zu Geschichte und politischer Welt, eine phänomenologische Annäherung an das religiöse Leben des Heidentums ebenso wie eine dialektische Würdigung der Berufung des jüdischen Volkes, das Ringen um die neue, sakramentale Wirklichkeit des christlichen Lebens ebenso wie die nüchterne Analyse der unter einem eschatologischen Vorbehalt stehenden Verfassung von Mensch und Welt, die Frage nach dem Stellenwert der Kirche ebenso wie die Aufmerksamkeit für öffentliche Lebenszeugnis der Christen mit ihren unterschiedlichen charismatischen Gaben oder amtlichen Aufgaben.

Auch nach achtzig Jahren halten die Vorlesungen Petersons viele Anregungen und Herausforderungen bereit: sowohl für die theologische Fachwelt von Exegese, Dogmatik, Liturgie- und Rechtswissenschaft, wie auch für breitere geistig und spirituell interessierte Leser, die auf der Suche nach dem Zentrum des Glaubens sind, ohne dabei auf differenzierte und sachlich fundierte Kenntnisse der Wissenschaft verzichten zu wollen.

 

Zitiert

"Wenn Gott den Menschen ihre Privatsünden vergeben wollte oder wenn er ihnen in dieser Situation mitteilen wollte, dass er ihnen – trotz ihrer Sünden – freundlich gesinnt sei, wahrhaftig, es hätte nicht dieses Aufwandes bedurft, der Hölle und Himmel in Bewegung gesetzt hat, infolgedessen der Sohn Gottes den Himmel verlassen und am Kreuze sterben musste, um nach seiner Auferstehung dann den Thron an Gottes Seite einzunehmen! Es hätte nicht der Aussonderung des Apostels Paulus für die Überbringung der frohen Botschaft von der Thronbesteigung Christi an die Heiden bedurft. Da hätte kein alter Äon zu Ende gehen und kein neuer Äon mit der Thronbesteigung Christi beginnen brauchen, wenn doch alles ewig gleich bleibt und unveränderlich die menschliche Natur im Spiel der Erbsünde sich vollendet. Die ganze Konzeption Luthers von dem, was er Evangelium heißt, lässt den kosmisch-eschatologischen Kern desselben völlig zurücktreten hinter der Regelung jener privaten Beziehungen der Seele zu Gott, die auf ihre Konsequenz betrachtet das Evangelium von der Thronbesteigung Christi ebenso überflüssig machen müssten wie einen für diese frohe Botschaft an die Heiden ausgesonderten Apostel."

"Das ist das Ungeheuerliche, dass Christus noch in den alten Äon eingeht, noch von dem alten Äon sich beschmutzen lässt, noch für diese Menschen stirbt, die es wahrhaftig nicht verdient haben, für diese Strohhalme, hinter denen keine Kraft und keine Substanz steckt, die geboren werden und sterben und ihr Leben mit Nichtigkeiten zubringen! Das ist die Torheit des Kreuzes, über die Paulus sich immer wieder hat wundern müssen, das ist der Punkt, wo Gott selber einmal schwach geworden ist, um freilich durch seine Schwäche nun alles zu besiegen. Das ist die Agape Gottes, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen und auf Grund deren wir dann eine Hoffnung haben, die uns nicht zuschanden werden lässt. Eine Hoffnung, die wir in aller apokalyptischen Drangsal, durch alle apokalyptische Geduld und Bewährung hindurch festhalten, weil sie auf eine Agape Gottes zurückgeht, die selber apokalyptisch über alles hinausgeht, was wir von Gottes Güte oder Liebe uns je vorstellen können."

Erik Peterson, Der Brief an die Römer

 

"Was Peterson in seiner Vorlesung über den Römerbrief hinsichtlich des Verhältnisses von Eschatologie und Geschichte, der Gegenüberstellung von Juden und Christen sowie im Blick auf die Theologie der Rechtfertigung zu sagen hat, kann den heute zu führenden Dialog in reichem Maß anregen und fördern."
Eduard Lohse

Bibliographie von Rezensionen zu diesem Band

 

Bd. 6 Erik Peterson, Der Brief an die Römer
XXXIV + 382 Seiten

1. Auflage 1997

2. Auflage 2012 

ISBN 978-3-429-03515-0
€ 29,90 (D)
www.echter.de

www.buchhandel.de

 

 

Peterson Brief an die Römer

 

Bd. 6
Der Brief an die Römer

 


 

PetersonRömerbriefChinesisch

2010 in chinesischer Übersetzung erschienen

Reihe: Hermes. Classici et commentarii

ISBN 978-7-5617-7586-8

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