Kirschblüte am Ockstädter Kirschenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn jetzt im Frühjahr die Kirschblüten wieder ihre volle Pracht entfalten und der Ockstädter Kirschenberg  weiß wie Schnee sich präsentiert, sollten wir uns in diesem Jahr daran erinnern, dass auch in Japan die Kirschblüte ebenso wie bei uns von großer Bedeutung ist, dort überall als ein Symbol der unermesslichen Schönheit der Natur gilt und deshalb mit romantischen Festen an vielen Orten gefeiert wird.

Diesmal wird es aber dort kaum jemanden geben, dem wirklich zum Feiern zu Mute ist; denn die Natur hat hier leider in nie dagewesener Weise ihre hässliche Seite gezeigt und die Menschen in  Leid und Existenznot gestürzt – ein furchtbares Kreuz zwischen all‘ den Kirschbäumen. Ein Bild, das mir kürzlich im Internet begegnete, von einem Fotografen* aus der Nachbarschaft, der das Bild vor zwei Jahren auf dem Ockstädter Kirschenberg aufgenommen hatte, erinnerte mich an diese Situation. Der Stamm dieses in voller Blüte stehenden Kirschbaumes wirkt nicht nur wie ein Gabelkreuz  mit hochgezogenen Armen, sondern scheint zusätzlich noch wie eine ABC-Schutzmaske mit Bullaugen auszusehen, die der Gekreuzigte über seinen Kopf gezogen hat. Gerade in diesem Jahr lässt uns der Karfreitag in diesem Aufeinandertreffen von Schönheit und Horror seine ganze Widersprüchlichkeit spüren.
Doch im Titelbild darunter begegnet uns, wie damals den Aposteln, eine noch vom Leid gezeichnete aber schon ganz im Glanz der Auferstehung stehende Gestalt Christi, wie wir sie vom Herz-Jesu-Altar in der St. Jakobuskirche kennen. Seine offenen Arme scheinen das dreifach wiederholte Grußwort: „Friede sei mit euch“ auszudrücken, das der Auferstandene am Osterabend an seine Jünger richtete.
Dass auch die Menschen in Japan nach all‘ dem Leid, das sie erfahren mussten, wieder Frieden finden – Hoffnung auf ein erfülltes Leben, sollte in diesem Jahr bei unseren Ostergrüßen und -wünschen immer mitschwingen. Ostern ist ein Frühlingsfest – nach der kalten Winterzeit blühen wieder die Bäume und lassen uns heute schon den himmlischen Frühling vor Augen haben, der alle Wunden heilt und nur noch Narben zurücklässt. Wer Schlimmes erfahren hat, der kann die Schönheit der Schöpfung und Neuschöpfung vielleicht viel tiefer als Zuwendung Gottes erfahren als andere.

Ihr

Pfarrer Bernd Weckwerth

 

Peter Jakobs hat mir die Benutzung seines Photos erlaubt mit dem Verweis auf seine weiteren Photos unter: www.flickr.com/photos/peter_jakobs