Das „Kleinod Fauerbach" wurde 50 Jahre alt
Karl Kardinal Lehmann kam zum Jubiläum der Sankt-Michaelskirche
Hohen Besuch erhielt die Gemeinde Sankt Michael in Fauerbach. Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, war in das „Kleinod Fauerbach", wie er es liebevoll nannte, gekommen, um mit der Gemeinde das 50-jährige Jubiläum der Sankt-Michaelskirche zu feiern.
Der Kardinal stellte das Thema Heimat in den Mittelpunkt des Gottesdienstes, denn Heimatvertriebene waren es, die in die Ortschaften Fauerbach, Wiesental, Hoch-Weisel, Maibach, Münster, Bodenrod und Langenhain-Ziegenberg, das viele Jahre ebenfalls zur Gemeinde gehörte, zogen und so in den 50er Jahren die Gründung des späteren Pfarr-Rektorats erforderlich machten. Diese Menschen, so der Kardinal, hätten in Fauerbach und den anderen Ortschaften eine neue Heimat gefunden. „Heimat gibt uns Halt und bewahrt uns davor, wie Vagabunden umherzuziehen, die nirgendwo zuhause sind", so der Bischof. Wer die Heimat wie die Vertriebenen einmal verloren habe, der wisse, dass sie nicht selbstverständlich und immer gefährdet sei, dass die Menschen also „Wanderer bleiben", weil sich das Leben - auch in der Gemeinde - ständig ändere. „Deshalb ist es wichtig, sich in Gott geborgen zu wissen. Auch wenn wir alles verlieren, gibt es einen, der uns hält und nicht fallen lässt", machte Lehmann die Bedeutung des Glaubens als eigentliche Heimat des Christen deutlich. Immer hätten die Vertriebenen dort, wo sie sich nach der Flucht wiederfanden, eine Kirche gebaut als eine Form von Heimat.
„Von dem wenigen, was sie besaßen, haben sie hier vieles eingebracht, um den Bau dieser Kirche zu ermöglichen", lobte Lehmannn den Einsatz der ersten Gemeindemitglieder der kleinen Gemeinde. Dies erkläre auch die Einfachheit des Baus. Viele hätten selbst im großen Umfang mit Hand angelegt, damit der Kirchbau trotz vieler Hindernisse und Probleme möglich wurde. Lehmann: „Sie wollten einen Raum reservieren, der Gott allein gehört", in dem er Menschen zusammenführe. In seinen Dank bezog er neben den ehrenamtlich Aktiven und den aktuellen Seelsorgern der Gemeinde auch die verstorbenen Pfarrer Franz Rettig und Werner Ruhl ein und Diakon Franz Zecha mit seiner Frau Angela, die zu den Ehrengästen des Tages gehörten.
Die kleine Fauerbacher Kirche war während des Festgottesdienstes randvoll und einige weitere Gläubige konnten in einem eigens aufgebauten und beheizten Zelt zwischen Kirche und Gemeindehaus die Messfeier per Videoübertragung mitverfolgen. Ein Projektchor mit 23 Mitgliedern, zu denen auch einige aus der Gemeinde Sankt Gottfried gehörten, hatte sich eigens für den Festtag gegründet und sorgte unter der Leitung von Birgit Stanzl-Fett für den musikalischen Rahmen mit modernen geistlichen Liedern. Neben dem Kardinal standen Pfarrer Eberhard Heinz, Gefängnisseelsorger Pater Georg Menke op, Pfarrer i.R. Günter Hasenbein, der Dekan des Dekanats Wetterau-West Hans-Joachim Wahl und Diakon Markus Hildebrand, der in wenigen Wochen die Butzbacher Gemeinden verlassen wird, mit am Altar. Die Gemeindereferentinnen Barbara Böhm und Brigitte Mackrodt feierten den Tag ebenso mit wie zahlreiche Vertreter der benachbarten Kirchengemeinden und der Kommunalpolitik.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war dann auch das benachbarte Gemeindehaus beim anschließenden Empfang, zu dem der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martin Dietrich die Gäste begrüßte. „Wir sind eine kleine lebendige Gemeinde" beschrieb er das Pfarr-Rektorat zu Beginn, zu dem heute rund 600 Gläubige gehören. Bürgermeister Michael Merle freute sich über den Besuch des Kardinals und betonte, dass die Stadt auf die Arbeit der Kirchen als tragende Säulen des Zusammenlebens auch gerade in den Stadtteilen angewiesen sei. Stadtverordnetenvorsteher Norbert Kartmann ermunterte die Gemeinde, weiterhin für die Kirche zu werben. Exarchos Alexius Chehadeh überbrachte die Grüße der orthodoxen Petrus-und-Paulus-Gemeinde und hoffte, dass auch seine Gemeinde in 50 Jahren ein ähnliches Jubiläum feiern könne, da sie den Bau einer eigenen Kirche plant. Auch seine Gemeindemitglieder hätten in Butzbach eine zweite Heimat gefunden.
Nicht immer einfach sei das Zusammenleben zwischen den Vertriebenen und den früheren Bewohnern der Ortschaften in den ersten Jahren gewesen, erinnerte sich der Fauerbacher Ortsvorsteher Ewald Reitz und wünschte, dass das heutige gute Zusammenleben und -arbeiten auch weiterhin besteht. Ähnlich beschrieb der Kirchenvorstandsvorsitzende der Fauerbacher evangelischen Gemeinde Klaus Werner das Zusammenleben der evangelischen und katholischen Christen: „Vor 50 Jahren war man sich fremd, aber heute ist dies eine befreundete Kirche."
Für die Schwesterpfarrei Sankt Gottfried gratulierte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dietmar Gillmann und für den Diakonieförderverein Ilse Schmidt.
Nach dem Empfang nutzten Gemeindemitglieder und Gäste den anschließenden Imbiss zu Gesprächen und sahen sich eine Fotoausstellung an, die einen Rückblick auf die Geschichte des Pfarr-Rektorats und der Kirche bot.
























































