Auf den Spuren der frühen Christen
Herbstfahrt nach Rom 2010
Auf den Spuren der frühen Christen in Rom
In den Herbstferien ruhten sich nicht alle aus. Zwanzig Schüler der Klassen 10-12 pilgerten mit Frau Röhrig und Herrn Gölzhäuser zur ewigen Stadt am Tiber. Da uns jedoch der Fußmarsch zu lang erschien, zogen wir das Angebot der Lufthansa vor. Herr Gölzhäuser hatte etwas Bauchgrimmen wegen der Unterkunft, war er doch beim Versuch, seine Gattin mit der tollen Lage des Hotels zu beeindrucken - immerhin wohnten wir nur zwei Gehminuten von der wunderschönen Piazza Navona entfernt - im Internet auf eine Hotelbewertung gestoßen, die mit der Überschrift "Avoid! Avoid! Avoid!" versehen war. Die Heiterkeit der Gattin konnte er in diesem Moment nicht unmittelbar teilen. Das von Möchen geführte Hotel bot aber dann doch einige Vorzüge. Für die Leiter war es recht angenehm, dass kein Hotelgast ohne Ausnahmegenehmigung nach 23.00 Uhr ins Haus zurückkehren konnte. Außerdem sorgte der freundliche Pater, dem das Hotel unterstand, mitunter im türkisgrünen Nachthemd selbst für Ruhe. Wir wollen aber nicht den Eindruck erwecken, dass unsere Schüler dies nötig gehabt hätten. Natürlich waren sie von Kopf bis Fuß auf Ferien eingestellt, aber keiner war nur zum Feiern oder Herumsitzen nach Rom gekommen (mit Betonung auf dem Wort "nur"). Wie gut, dass ein Kellerraum auch nach 23.00 Uhr noch genutzt werden konnte, was ein größerer Teil der fröhlichen Schülergruppe ausgiebig nutzte. Das nach der irrigen Meinung der Leiter schon ausreichend schülerfreundliche Programm wurde noch weiter verschlankt. Doch Highlights wie Kolosseum, Vatikan, Pantheon und spanische Treppe ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Da wir laut Programm auf den Spuren der frühen Christen wandeln wollten, standen auch noch ausgefallenere Ziele an, z.B. die Katakomben von St. Agnese oder die uralte Kirche St. Sabina, von deren Vorplatz man einen so wunderschönen Blick auf Rom hat. Geistliche Impulse wurden von Frau Röhrig, der Gruppe und dem Zeitpunkt angepasst, oft in eher homöopathischer Form verabreicht. So trafen wir uns ein paar Mal in der Hauskapelle des Hotels oder hörten Dialoge von Petrus und Paulus. Die Fußwege durften einen Kilometer meist nicht überschreiten, sonst war ein Sitzstreik zu befürchten, in die Form von wie zufällig wirkenden Sitzpausen gekleidet. Von derlei Unternehmungen erschöpft, suchten wir des Abends gemeinsam verschiedene Restaurants auf und ließen uns mit Pizza und Pasta verwöhnen. Da die Schüler sich am Mittag selbst versorgen mussten, war der Kohldampf abends umso größer, außer natürlich bei denjenigen, die die in Rom eher unauffälligen Restaurants einer allseits bekannten Burger-Kette ausfindig gemacht hatten und sich dort Produkte internationalen Charakters besorgten.Geschätzte Höchstleistung: 20 Burger in der Woche. Wer noch Kapazitäten frei hatte, schlug sich nach dem Abendessen bei Giolitti den Magen mit exotischen Eissorten voll.
Bei dem Versuch, auf der Via Appia zu Fuß den Spuren des Petrus zu folgen, der sich damals dem Martyrium entziehen wollte, erlitten wir ein Martyrium anderer Art: Die enge, von Mauern gesäumte Straße war anscheinend gerade samstags bei den römischen Autofahrern besonders beliebt und deshalb erfüllt von Lärm und Abgasen. Nachdem wir - eine echte Herausforderung für die Motivationskraft der Leitung - bereits zwei Bushaltestellen passiert hatten, warteten wir an der dritten annähernd eine Stunde auf den rettenden Bus. Aber es gab auch besinnliche Momente. Einen davon durften wir erleben, als Rebecca in der Kirche St. Giorgio in Velabro das "Ave Maria" von Schubert anstimmte. Auch die Touristen aus Neuseeland, die zufällig des Wegs kamen, waren begeistert. Weniger intim, aber für manche recht beeindruckend war der pompöse Gottesdienst der französischen Gemeinde, den wir am Sonntag in der Kirche St. Luigi dei Francesi erlebten. Handfestere Bedürfnisse kamen zum Zuge, als die Mädchen und Frau Röhrig zum Shoppen gingen und eine Gruppe von Jungs sich zum Hard-Rock-Cafe durchkämpfte. Nur der eiserne Herr Gölzhäuser, von seinen eigenen Erklärungen noch nicht ermüdet, suchte auch an dem Vormittag, an dem Rekreation vorgesehen war, noch einmal ein Museum auf.
Als wir uns am letzten Abend zu einer Abschiedszeremonie am Trevi-Brunnen versammelten, warfen die meisten, wie der Brauch es so will, ihre Münze über die linke Schulter. Damit zeigt man, dass man noch einmal nach Rom kommen möchte. Arrivederci, Roma oder - wie Cicero gesagt hätte: Vale Roma!
Thomas Gölzhäuser und Regina Röhrig









