Sudanesischer Bischof Taban besuchte
St. Lioba-Schule

Gast hinterließ tiefen Eindruck –
Friedensarbeit statt Krieg

Im Rückblick wird der Besuch des mittlerweile 71-jährigen ehemaligen Bischofs der Diözese Torit im südlichen Sudan, Paride Taban, ganz sicher zu den Höhepunkten dieses Jahres an der St. Lioba-Schule gehören, auch wenn sein Besuch nur wenige Stunden dauerte. Bischof Paride Taban war Gast an der Privatschule im Rahmen seines Deutschlandsbesuches als „Gast im Monat der Weltmission 2007“, der ihn zunächst zum missio-Jubiläum nach Aachen führte, anschließend ins Erzbistum Berlin und ins Bistum Hildesheim und schließlich ins Bistum Mainz, wo er außer dem Besuch in Bad Nauheim auch Termine in Südhessen, der Nachbarstadt Friedberg und Gießen wahrnahm.

Dass dieser Besuch nachhaltigen Eindruck an der St. Lioba-Schule hinterließ, auch wenn nicht alle Gelegenheit hatten, ihn und seine Ausführungen, die von seiner Begleiterin Schwester Anette von den Missionsschwestern von der Heiligen Familie bei Bedarf unverzüglich ins Deutsche übersetzt wurden, zu hören und diesen Verkünder der Frohen Botschaft von Christus auf dem schwarzen Kontinent zu erleben, hat im Wesentlichen drei Gründe. Er kommt aus dem Sudan, einem Land, in dem 22 Jahre der Bürgerkrieg tobte und unzählige Opfer forderte sowie immense Schäden hinterließ, nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch in der Psyche der Überlebenden. So wurde aus dem Mann, der 1982 erfuhr, dass er Bischof von Torit werden soll, ein Mann mit einem paradoxen Lebenslauf, denn erst im Jahr 2005 kommt ein Friedensschluss zwischen dem Norden und dem Süden seines Heimatlandes zustande, aber der Friede lässt auf sich warten und noch heute geht im Westen des Landes, in Darfur, das Gemetzel weiter. Übrigens nicht aus religiösen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen, denn dort gibt es interessante Ölvorkommen, wie Paride Taban zu berichten weiß.

Zum Leben des Mannes, der 2005 den Papst bat, sein Bischofsamt abgeben zu können, um an der Basis Aufbauarbeit zu leisten, gehörten also auch Bombenhagel in seinen Gemeinden, Attentatsversuche und Gefängnis. Ein Lebenslauf also, aus dem man im Mittelalter unschwer Stoff genug gefunden hätte, um eine Heiligenlegende zu schreiben.

Neben seiner Vita ist es die Persönlichkeit Paride Tabans, der von Schulleiter Dr. Tobias Angert herzlich und in allen Ehren begrüßt und auch dem Lehrerkollegium vorgestellt wurde, die beeindruckt. Unvergesslich wird es sicherlich den Mädchen und Jungen der Jahrgänge 5 und 6 bleiben, als der trotz allem von Optimismus geprägte und agile afrikanische Gast in der gemeinsam mit dem katholischen Schulpfarrer Thomas Korfmann gefeierten Messe zu ihnen predigte. Dazu hatte er eine auf das kindliche Verständnis abgestimmte wahre Geschichte aus dem Sudan erzählt, die von einer Frau handelte, die im festen Glauben an Gott Nahrung für ihre hungernden Kinder suchte und mit Glück und List einen Löwen um die gerade geschlagene Beute brachte. Eindrucksvolles Beispiel, dass sich Gottvertrauen lohnt!


Ganz andere Themen beherrschten dann Vortrag und Gespräch mit den Oberstufenschülern, die sich im Musiksaal versammelt hatten. Hier stellte der Bischof, dessen „Residenz“ immer noch ein kleines Zelt ist, seinen Lebenstraum vor, der das Ergebnis seines Lebens im Bürgerkrieg ist und schon konkrete Gestalt angenommen hat: „Mein Traum war es seit Jahren, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der Menschen verschiedener Völker und Religionen leben“.

Sein Friedensdorf „Holy Trinity“, das in Kuron inmitten seiner ehemaligen Diözese im Südsudan entstand und zunächst aus wenigen Lehmhütten gebildet wurde, wächst trotz aller Schwierigkeiten. Eine Schwierigkeit besteht u. a. darin, Geld für dieses Projekt zu bekommen. Nicht zuletzt für die dort lebenden Menschen, die mit ihrer Arbeit ein deutliches Zeichen gegen Krieg und Gewalt setzen, ist Bischof Paride Taban in unser Land und auch an die St. Lioba-Schule gekommen. Ein Landwirtschafts- und ein Bildungsprogramm sind im Friedensdorf Kuron mit Erfolg angelaufen, dringend nötig erscheint vor allem auch ein Gesundheitsprogramm, denn nach Einbruch der Dunkelheit lauert die Malaria auf Opfer, fehlende Hygiene führt zu schlimmem Wurmbefall und auch Aids bedroht die Menschen.

Kein Zweifel, die Botschaft dieses ungewöhnlichen Mannes, zu dessen Wesen auch ein gesunder Humor gehört, der ihn sehr menschlich erscheinen lässt und sympathisch macht, ist an der in der Trägerschaft des Bistum Mainz stehenden Schule bestens angekommen: „Die Mission der Kirche ist es, von, mit und in den Menschen zu sein. Und wenn du mit den Menschen zusammen bist, gibst du ihnen Hoffnung, du gibst ihnen auch ein Zeichen des Überlebens. Die Kirche muss sich einsetzen, und das tut die Kirche auch“. So werden noch vor Weihnachten zwei Container aus dem Bistum nach Kuron verschifft, zu denen auch die St. Lioba-Schule einen materiellen Beitrag in Form von Nähmaschinen und Turngeräten geleistet hat.

Infos über das Friedensdorf gibt es unter: 
    http://www.kuronvillage.net/

Spenden sind willkommen an:
    "Missio", Internationales Kath. Missionswerk,
   Kontonummer 122 122,
   BLZ 37060193 Pax Bank eG,
   Verwendungszweck: Bischof Taban Paride, Sudan.

 

 

beim Gottesdienst

beim Gottesdienst

 

in der Sakristei

in der Sakristei

 

im Lehrerzimmer

im Lehrerzimmer