Alle Jubeljahre

Wir feiern Jubiläum. In diesem Jahr wird unsere Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal bei Altenstadt 50 Jahre alt. Das ist Grund zum Danken und zur Freude, eben zum „Jubilieren". Wir haben das ausgiebig am 1. Mai in einem festlichen Gottesdienst getan. Das Kloster ist allerdings sehr viel älter als 50 Jahre. Bereits 1268 wurde es als Zisterzienserinnenabtei ge-gründet, im 30-jährigen Krieg zerstört und anschließend barock wieder aufgebaut, 1803 durch die Säkularisation aufgehoben und als Hofgut weitergeführt. Dass dann 1962 nach 160 Jahren noch einmal ein neuer Anfang kommen würde, hätte wohl niemand vermutet.

So ergeht es Klöstern und Kirchen, solch wechselvolle Geschichte gibt es auch in unserem Leben. „Das Holz hat Hoffnung; abgehauen, schlägt es wieder aus", lautet ein Wort in der Bibel, das ein Bild aus der Natur aufnimmt (Ijob 14,4). Freilich, mancher Verfall ist und bleibt endgültig. So sehen wir den neuen Anfang im alten Kloster Engelthal als unverhofftes und unverdientes Geschenk an. Und das feiern wir.

Wir feiern es aber nicht allein, sondern zusammen mit den Menschen, denen wir verbunden sind und viel zu verdanken haben. Wir halten Rückschau auf das, was geworden ist, und Vo-rausschau auf das, was noch kommen mag. Das ist bei einem Kloster-Jubiläum nicht anders als bei einem runden Geburtstag, einem Dienst- oder Ehejubiläum. Dass es etwas zu feiern gibt, ist im letzten nicht unser eigenes Verdienst. Der Anlass macht uns vielmehr bewusst, wie viel sich ohne unser Zutun gefügt hat, wovor wir auch bewahrt worden sind.

Der Brauch, ein Jubiläum zu feiern, geht bereits auf das Alte Testament zurück. Dort ist jedes 50. Jahr ein sog. „Jubeljahr" - ursprünglich heißt es „Jobeljahr" nach dem Widderhorn („jo-bel"), das man zum Auftakt blies. Es war ein herausgehobenes, ein heiliges Jahr, ein Jahr zum Aufatmen. Die Äcker wurden nicht bebaut, die Sklaven befreit, alle Schulden nachgelassen. Der Mensch sollte wieder eine Ahnung bekommen, dass Gott ihn befreit hat, dass sein Dasein einen Wert hat vor aller Leistung und dass seine Würde unantastbar ist. Ist das nicht Grund zum Feiern?

Ich wünsche uns allen diese Zeiten des Aufatmens, der Freude und des Dankens. Es gibt sie auch inmitten unseres Alltags. Der Sonntag ist solch ein Tag des Innehaltens, besonders auch der Muttertag am kommenden Sonntag, der uns sagt: Unser Leben ist nicht nur Mühe, es ist Geschenk. Feiern wir das Leben - nicht nur alle Jubeljahre!

 

 

 

 

Kreisanzeiger

 Autorin  

Äbtissin Elisabeth Kralemann

Äbtissin Elisabeth Kralemann

Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal, Altenstadt