Lebensmittel verschenken statt vernichten
„Die HalteStelle besteht nun seit über 3 Jahren und ist eine feste Größe im Dekanat Seligenstadt. Die Zahl unserer „Kunden“ steigt in den letzten Monaten beständig. Die Menge der gespendeten Lebensmittel ist jedoch gleich geblieben und tendenziell eher rückläufig. Unser Raumangebot ist voll ausgeschöpft. Die Helfer haben alle Hände voll zu tun.“ Mit diesen Worten eröffnete Diakon Thomas Unkelbach die erste Vorstandssitzung dieses Jahres und zog für das Jahr 2005 folgende Bilanz:
55 Bürger in Seligenstadt und Umkreis setzten sich aktiv für bedürftige Menschen ein. 2 Aufgaben haben sie sich auf ihre Fahne geschrieben: -Einwandfreie Lebensmittel, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden, an Menschen in einer schwierigen finanziellen Lage zu verteilen. - Diesen Menschen einen Ort zu geben, an dem sie bei Kaffee und Kuchen verweilen, gucken, plaudern können und in Konfliktsituationen Rat und Unterstützung finden
An 50 Mittwochnachmittagen des Jahres 2005 in der Zeit von 15.30 – 17.00 Uhr waren ehrenamtliche Helfer für Menschen, die sich in einer Notlage befinden, da.
Durchschnittlich 37 Kunden pro Nachmittag liefen die HalteStelle an. Jedoch waren die letzten Termine mit bis zu 53 Kunden sehr gut besucht. So wurde der Platz knapp. Aus diesem Grund sind die Räumlichkeiten im Gemeindezentrum von St. Marien, Steinweg 25 vergrößert worden.
Die Zahl der verteilten gefüllten Einkaufstüten hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 3700 Lebensmitteltüten wurden ausgegeben. Natürlich wurde die Menge der Ware auf den individuellen Bedarf des Kunden und seiner Familie angepasst. Jeder Besucher hatte die Möglichkeit sich für den symbolischen Preis von €1,- eine mitgebrachte Tüte nach eigener Wahl füllen zu lassen. Das Angebot bestand aus: Backwaren, diversen Gemüse- und Obstsorten, Salaten, zuweilen auch Milch- und Käseprodukten, Butter, Margarine, Eiern, Tee, Kaffee, selbst gemachter Marmelade, Säften oder Tütensuppen und -saucen. An Festtagen befanden sich sogar Süßigkeiten und Knabbereien im Sortiment. Regelmäßig waren gefrorene Komplettmenüs, Fleisch und Wurstwaren erhältlich.
Mit den noch verwertbaren, überproduzierten Waren wurde die HalteStelle regelmäßig von 11 Sponsoren - Lebensmittelgeschäften, Metzgereien, Bäckereien, einer Konditorei und einem Obstgeschäft – beliefert
Auch Privatpersonen trugen zum Gelingen bei, mit speziell für die HalteStelle eingekauften Sachspenden und finanziellen Zuwendungen .
Ausgefallenen Spenden sorgten immer wieder für Überraschung. So gab die Polizeidienststelle Seligenstadt überzählige Lunchpakete ab, nach dem Großeinsatz anlässlich des Treffens der Ministerpräsidenten von Hessen und Bayern. Ein Novum für die HalteStelle war, dass eine Gartenbesitzerin den gesamten Ertrag ihrer Apfelbäume zur Verfügung stellte. 2 Mitarbeiterinnen fuhren die Ernte ein. Auch die Krchengemeinden beider Konfessionen halfen mit dem Erlös einer Kollekte und der Obst –und Gemüsedekoration anlässlich des Erntedankgottesdienstes (ev. .Kirchengemeinde Hainstadt), mit den selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen der Kommunionskinder (St.Marien). Die Sternsinger aus Froschhausen und Hainstadt teilten ihren süßen Lohn mit den Kunden der HalteStelle. Weitere Höhepunkte im Sortiment waren die Spenden einer Brauerei (Malzbier) und mehrere Lieferungen von Topfblumen einer Gärtnerei.
22 Lebensmittelfahrer übernahmen den Dienst, die Lebensmittel jeden Dienstagabend nach Ladenschluss aus den Geschäften in das Gemeindezentrum St. Marien zu transportieren und zusortieren, außerdem pflegten sie den Kontakt zu den Geschäftsleitern und warben neue Sponsoren an. Ca.1200 km wurden im Lauf des Jahres zurückgelegt, um insgesamt 160 PKW Ladungen mit Lebensmitteln heranzuschaffen. Außer Zeit und Tragkraft stellten die Fahrer ihr Auto und den notwendigen Treibstoff zur Verfügung.
4 Gruppen mit jeweils 8 Helfern arbeiteten im Wechsel mittwochs im Gemeindezentrum. Ihre Aufgaben waren der Warenaufbau, die Lebensmittelverteilung, der Kaffeeausschank (4000 Tassen), das Geschirrspülen, die Müllentsorgung, Gespräche mit den Besuchern zu führen und bei Bedarf diesen mit Rat und Information zur Seite zu stehen. Sei es um ein Formular auszufüllen, einen Antrag zu schreiben oder zu klären, welche Behörde oder Organisation zwecks Unterstützung angesprochen werden könnte.
Insgesamt 2200 Stunden stellten die Ehrenamtlichen dieses Jahr in den Dienst der guten Sache.
Neuerdings wurde jede Woche von einer HalteStellen-begeisterten Besucherin ein Lesetisch zusammengestellt, hier konnten sich die Kunden beraten lassen und sich unter den gespendeten Büchern eines auswählen und mitnehmen.
Aufmerksam geworden durch die Berichterstattung der örtlichen Presse drehte im Frühjahr 2005 Sat1 eine Reportage über die HalteStelle, in der Kunden, Sponsoren und Mitarbeiter zu Wort kamen. Der Film wurde im Rahmen eines lokalen Nachrichtenjournals im Abendprogramm gesendet.
Für die HalteStelle: Hans Jung, Andrea Dombrink