2. Seligenstädter Ökumenische Synode
Dass sie gemeinsam auf dem Weg sind, zeigten Christinnen und Christen aus Seligenstadt am Samstag, 26. März 2011, bei der Ökumenischen Synode im Maximilian-Kolbe-Haus Froschhausen. Bereits zum zweiten Mal versammelten sich rund 30 Mitglieder von Kirchenvorständen, Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten aus sechs Gemeinden. Hatte im vergangenen Jahr das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund gestanden, so diskutierten die Mitglieder der kirchenleitenden Gremien diesmal über „ehrenamtliches Engagement“ in ihren Kirchen. Teilgenommen haben Vertreterinnen und Vertreter aus den vier Katholischen Pfarrgemeinden Seligenstadts, der Evangelischen Freikirche des Nazareners sowie der Evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen.
Bereits im Eröffnungsvortrag hatte Kaplan Daniel Borkovec (Basilika-Pfarrei Seligenstadt) deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung ehrenamtliche Mitarbeit für die Kirchen hat: Langfristig könne Glauben nur vermittelt werden, wenn auch Ehrenamtliche zu Gebet, Segen oder anderen Formen des Kontaktes mit Gott anleiten. In drei unterschiedlichen Arbeitsgruppen ging es anschließend darum, was Ehrenamtliche zur Mitarbeit in einer Kirchengemeinde motiviert und welche Unterstützung sie sich wünschen. Neben Anerkennung, guten Beziehungen und qualifizierten Rückmeldungen wurden vor allem eine genaue Aufgabenbeschreibung und Fortbildungen gewünscht.
Besonders Mitglieder der Evangelischen Freikirche des Nazareners betonten, dass Mitarbeit mehr als nur gegenseitiges Vertrauen zwischen Ehren- und Hauptamtlichen benötige: Wichtig sei die Bevollmächtigung zum selbstständigen Wirken. Pastor Ingo Hunaeus verwies dabei auf die Wiederentdeckung des Heiligen Geistes in der Tradition der Pfingstkirchen, der sich in unterschiedlichen Begabungen ausdrücke. Umstritten blieb auf der Synode, ob die heute erreichte gesellschaftliche Vielfalt zuerst als Abbruch von einst christlich geprägten Traditionen oder nicht vielmehr als Ermöglichung neuer Ausdrucksformen des Glaubens gesehen werden kann.
Dass die Seligenstädter Christinnen und Christen nicht nur durch überzeugendes Leben, sondern auch mit einer gemeinsamen Stimme weiterhin die Gesellschaft mitgestalten wollen, wurde kurz vor der gemeinsamen Schlussandacht deutlich: Alle sechs vertretenen Gemeinden unterzeichneten einen offenen Protestbrief an den Seligenstädter Magistrat gegen eine Kabarettveranstaltung am Karsamstag. Der Abend sei dem Höhepunkt der christlichen Besinnung in der Karwoche, der Vorbereitung auf die Osternacht und Feier der Auferstehung „sicher nicht angemessen“, heißt es in dem Brief. Nach dem Ausverkauf der Kabarett-Karten befürchten die Kirchengemeinden einen „noch viel weitergehenden Ausverkauf“. Sie fordern die Stadt auf, die Bedeutung des christlichen Festkalenders nicht durch derartige Veranstaltungen auszuhöhlen.
Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass die noch jungen Ökumenischen Synoden der christlichen Kirchengemeinden in Seligenstadt fortgesetzt werden sollen. Dabei wurden sowohl gemeinsame Veranstaltungen zwischen den jährlichen Tagungen gewünscht, als auch eine Vertiefung durch die Beteiligung von Interessierten außerhalb der Leitungsgremien. (mf)

















