Aus der Geschichte der Katholischen Kirchengemeinde
von Pfarrer Josef Gremm, Froschhausen
1731 erhielt Froschhausen sein erstes Gotteshaus. Diese kleine Kirche stand auf dem Platz des heutigen Rathauses. Sie war der Heiligen Margaretha geweiht. Die Einwohnerzahl war gering.
1754 hatte Froschhausen 242 Einwohner, 142 Erwachsene und „100 unmündige Seelen“.
Froschhausen gehörte zur Pfarrei Seligenstadt (Benediktinerabtei). Die Filialisten waren aber verpflichtet, den Gottesdienst in der Pfarrkirche in Seligenstadt zu besuchen. Doch hatte schon 1795 Pater Josef Knapp aus dem Kloster Seligenstadt mit Erlaubnis des Pfarrers Stamm „Zum Trost dortiger Gemeinde den Wintergottesdienst“ in Froschhausen übernommen. Taufen fanden aber nur ausnahmsweise in der Filiale statt.
Bis 1834 wurden auch die Toten auf den Friedhof in Seligenstadt gebracht, denn nur Pfarrorte durften damals einen Friedhof haben, darum der Name Kirchhof.
1820 hatte die Gemeinde ein „kleines, ganz zersprungenes Kirchenglöcklein“ umgießen lassen und Pfarrer Leimbach von Seligenstadt erhielt die Vollmacht, dieselbe zu benedicieren.
Auf wiederholte Bitten der Froschhäuser um einen eigenen Sonntagsgottesdienst, entschied das Bischöfliche Ordinariat in Mainz am 26. Juli 1839:
Die Gemeinde Froschhausen erhält in ihrer Ortskirche an den Sonn- und Festtagen Vormittagsgottesdienst, abwechselnd mit Amt und Predigt und mit Amt und christlicher Lehre.
Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz hat diese Vereinbarung am 24. April 1839 genehmigt.
Es war eine große Erleichterung für Froschhausen, dass sie jetzt an Sonn- und Feiertagen im Ort selbst Gottesdienst hatten und nicht bei jedem Wetter nach Seligenstadt mussten.
In der Woche wurde an jedem Mittwoch und Samstag in Froschhausen Gottesdienst gehalten. Die Nachmittagsandacht hielt der Schullehrer.
Prozessionen in Froschhausen waren am Margarethentag und am Sonntag nach Fronleichnam.
Die alte Kirche war schon um 1850 zu klein und entsprach „nur höchst notdürftig ihrem Zwecke. Sie hatte keine Sakristei. Hostien, Messgewänder und andere zum Gottesdienst notwendigen Utensilien wurden beim Lehrer aufbewahrt.
1854 suchte man sich zunächst durch den Bau einer Sakristei zu helfen. Ritter Hermann von Deines aus Frankfurt stiftete dazu 150 Gulden, während die Froschhäuser Bürger Sand, Holz und Steine herbei fahren wollten.
Indessen wurde das Bedürfnis einer neuen Kirche immer dringender. Wiederholt zog man diese Angelegenheit in ernste Beratung, aber jedes mal sah sich die Gemeinde zu schwach, um die Mittel zu deren Bau herbeizuschaffen.
Endlich im Jahre 1866 erlebte die Gemeinde zum ersten mal seit Menschengedenken die große Freude, nicht nur ihre Schulden gedeckt zu haben, sondern auch 1000 Gulden als bares Gemeindevermögen zurücklegen zu können.
Mit der Kenntnisnahme dieser erfreulichen Tatsache wuchs jetzt in den Herzen aller die Hoffnung, endlich an dem Zeitpunkt angekommen zu sein, wo sie in den Besitz einer neuen Kirche gelangen konnten, umso mehr als der jetzige Zustand der alten Kirche der allerkläglichste wurde. „Großherzogliches Kreisamt denke sich eine kleine Kapelle, die höchst schwach erbaut, im Innern von Schmutz ganz geschwärzt ist und kaum ein Drittel der Gemeinde zu fassen vermag, so dass während des Gottesdienstes die die Kirche besuchende Anzahl der Gläubigen dicht nebeneinander steht und in der gedrückten Lage wegen der Ausdünstung ein für die Gesundheit höchst nachteilige Luft einatmen muss. Der größte Teil der Gemeinde sieht sich daher genötigt, jeden Sonntag die Kirche zu Seligenstadt zu besuchen, aber wie es bei schlechtem Wetter gar nicht anders sein kann, den Besuch des Gottesdienstes unterlassen zu müssen.“
Es war ein harter Kampf, der von den Froschhäusern mit äußerster Zähigkeit
geführt wurde. Das Großherzogliche Kreisamt suchte mit aller Kraft den Bau der Landstraße Klein-Krotzenburg — Froschhausen durchzusetzen. Da suchten und fanden die Froschhäuser Schützenhilfe beim Bischöflichen Ordinariat in Mainz.
Froschhausen, den 13. Juli 1867 — Betr.: Neubau einer Kirche.
Am 13. Juli (Margarethentag) versammelt sich der gesamte Gemeinderat und beschloss, den
hiesigen Kirchenvorstand (Sitz in Seligenstadt) zu beauftragen, durch den Präsidenten, Herrn Pfarrer
Arzberger, dem Hochwürdigen Bischöflichen Ordinariat folgendes kund zu tun:
„Die Gemeinde Froschhausen ist entschlossen, eine neue Kirche zu erbauen.“
Der Hilferuf an das Bischöfliche Ordinariat war von Erfolg gekrönt. Schon drei Monate später erging vom Kreisamt eine Anfrage an den Gemeinderat wegen des Bauplatzes für die neue Kirche.
Am 15. Oktober 1869 war die Grundsteinlegung. Der Text der eingemauerten Urkunde (leider ist der Grundstein von außen nicht sichtbar) lautet:
Möge Gott der Dreieinige, Allgütige und Größte
seinen Segen dazu geben! Amen.
Im Jahre des Heils Eintausend achthundert und neun und sechzig,
unter dem Pontificate PlUS‘ IX.,
der mitten durch die Stürme und ringsum anbrausenden Wogen der Zeit
wachsam steuert St. Petri Schiff und fünfzig Jahre Priester
in unseren Tagen vom ganzen Erdenkreise zum großen ökumenischen Concil
nach der ewigen Stadt seine Bischöfe rief,
unter Wilhelm Emanuel, Freiherrn v. Ketteler, der St. Bonifacius Diözese
nun 20 Jahre ruhmreich leitet und verwaltet,
unter der glorreichen und glücklichen Regierung Ludwigs III.
Großherzogs von Hessen und bei Rhein, unseres gnädigsten Fürsten,
unter Johann Bapt. Eckrich, Dekan des ehrwürdigen Kapitels von Seligenstadt,
unter Julius Freiherrn v. Starck, Kreisrath von Offenbach,
unter Leonhard Arzberger, dem eifrigen Hirten der Pfarrei Seligenstadt,
dem zur Seite stehen Alexander Menzel, Beneficiatsverwalter,
Johann Baptist Weckerle, Doktor der Philosophie
und Georg Kalkhof, beide Kapläne, wird nach dem von Joseph Wessicken,
dem kundigen Dombaumeister zu Mainz, entworfenen Plane,
durch Friedrich Wendling Maurermeister zu Offenbach,
auf Kosten dieser Gemeinde Froschhausen,
diese dem heiligsten und süßesten Herzen Jesu gewidmete und zu Ehren
der hl. Margaretha geweihte Kirche gebaut, deren Grundstein
Christoph Moufang der hl. Gottesgelehrtheit Doktor
und Regens des Bischöfl. Seminars zu Mainz, am 18. Oktober im Beisein des
Johannes Daus, Bürgermeister und des Johannes Gärtner,
Lehrer zu Froschhausen vor zahlreich versammeltem Klerus und Volk,
gelegt und feierlich eingeweiht hat!
0 Christus, Erlöser! Auserlesener Eckstein!
Füge ein, wir bitten Dich, Dir und der Kirche Deiner Heiligen
als lebendige und auserwählte Steine uns, die wir heute
unserer neu zu erbauenden Kirche einfügen
diesen geweihten Stein.
Amen.
Die Weiheurkunde der Kirche:
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Der deutsche Text der Urkunde:
Im Jahre des Herrn 1871 am 30. Juli.
Ich, Wilhelm Emanuel, Bischof des Heiligen Stuhles von Mainz, habe diese Kirche geweiht zu Ehren der Heiligen Margareta, Jungfrau und Märtyrin und den Hochaltar auf den Namen und zum Gedächtnis der Heiligen Margareta.
Eingeschlossen in ihn sind die Reliquien der Heiligen Märtyrer Sebastian, Viktor und der Jungfrau und Märtyrin Modesta und im Seitenaltar zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria die Reliquien der Heiligen Märtyrer Innozens, Viktor und Benignus.
Den einzelnen Christgläubigen ist heute, am Tage der Weihe, ein Ablass von 1 Jahr und am Jahresgedächtnis der Weihe ein Ablass von 40 Tagen gewährt.
~Wilhelm Emanuel, Bischof von Mainz
Vom Neubau der Kirche 1871
zur Gründung der Pfarrei Froschhausen 1914
Ende 1871 kamen die Glocken auf den Turm. Von der alten Kirche die 1859 angeschaffte Glocke von 120 kg. Die 1820 gesprungene und neugegossene Glocke blieb auf dem Rathausturm.
Zwei neue Glocken wurden in Windecken bei Philipp Bach und Söhne gegossen. Die größere 645 kg wurde Maria und Joseph, die kleinere 310 kg der Hl. Margaretha geweiht.
Die Baupflicht der bürgerlichen Gemeinde erstreckte sich nur auf den eigentlichen Kirchbau, den Turm und die Glocken. Oben auf dem Turm war baulich alles vorgesehen für den Einbau einer Uhr, die aber erst 96 Jahre später, im Jahre 1967 kam.
Die Pfarrei Froschhausen
1914 wird am 21. April Froschhausen aus der Pfarrei Seligenstadt gelöst und
selbständige Pfarrei. Damit beginnt die Geschichte der Pfarrei Froschhausen.
Der erste Pfarrer ist Heinrich Hötzel (1914—1953).
In der Begrüßungsrede für den neuen Pfarrer spricht Rektor Steinemann den Wunsch aus, es möge dem Pfarrer beschieden sein, in Frieden und Eintracht hier zu wirken. Doch schon 3 Monate später, am 1. August 1914 bricht der 1. Weltkrieg aus.
Im Jahr 1917 gingen die 1871 angeschafften großen Glocken verloren. Ihr Metall wurde für Kriegszwecke gebraucht und musste abgeliefert werden. So geschah es auch mit 29 Orgelpfeifen.
Nach Kriegsende wurden neue Investitionen notwendig. Im Januar 1920 war die erste Sammlung für neue Glocken. Im Mai 1922 konnten diese bestellt werden. Im Dezember wurden sie geliefert. Diesmal waren es Stahlglocken. Sie wurden daher im 2. Weltkrieg nicht eingezogen und sind noch immer unser heutiges Geläute.
Pfarrer Hötzel und der Kirchenvorstand spürten die kommende Inflation. So kamen im Juli 1922 noch neue Kirchenfenster, im September wurden diese vergittert. Schließlich wurden im 1. Halbjahr 1923 noch in der Kirche und im Pfarrhaus die Leitungen für elektrisches Licht verlegt.
Da der Gesundheitszustand Pfarrer Hötzels nicht der beste war, wurde ihm seit 1924 ein Kaplan zur Seite gegeben. Diese Kapläne waren für die Pfarrgemeinde ein großer Segen, insbesondere im Hinblick auf die Gemeindepastoral und die Liturgie-Reform. Sie brachten von der Ausbildung her den neuesten Stand im Hinblick auf Gottesdienstgestaltung und Seelsorge mit und ließen dies mit behutsamer Befürwortung des Pfarrers in das Gemeindeleben einfließen. So hatte das Schott-Messbuch (die deutsche Übersetzung der liturgischen Texte) schon früh seinen Platz in den Gottesdiensten, ebenso hatte der Gregorianische Choral einen hohen Stellenwert.
Die Froschhäuser Kapläne:
1924-25 Kaplan Edmund Kuhn aus Klein-Welzheim
1925-26 Kaplan Heinrich Kraft aus Lampertheim
1926-27 Kaplan Paul Köllner aus Mainz. Er wirkt später als Prof. Dr. Köllner lange Jahre als Domkapellmeister am Mainzer Dom
1928-29 Kaplan Johann Hang aus Mainz
1929-30 Kaplan Carlheinz Hattemer aus Darmstadt
1931 Kaplan Franz Knauer
von 1931 bis 1939 ist kein Kaplan in Froschhausen
1939-42 Kaplan Jakob Blankenberger aus Mainz
1942-45 Kaplan Adolf Kaiser aus Lämmerspiel
1945-50 Kaplan Heinrich Buchner aus Wiesbaden-Dotzheim
1950-53 Kaplan Josef Gremm aus Darmstadt ab 1. Mai 53 Pfarrer.
Ein Meilenstein in der Geschichte der Pfarrei war der 21. Oktober 1928. An diesem Tag wurde die Station der Schwestern der Göttlichen Vorsehung von Mainz eröffnet. Ihr Domizil war das Haus und Grundstück des Fabrikanten Heck, der nach Berlin zog und sein Anwesen der Gemeinde und Kirche für 28.000,- Mark überließ. Drei Schwerpunkte hatte die segensreiche Tätigkeit der Schwestern: Kindergartenarbeit, häusliche Krankenpflege und schließlich die besonders auf den Frauen und Mädchen ausgerichtete Bildungsarbeit in Näh- und Strickschule. Dreiundfünfzig Jahre dienten die Schwestern der Pfarrgemeinde, bis die Station im Jahr 1981 aus Mangel an Nachwuchs und Überalterung der Schwestern aufgelöst werden musste.
Ein weiteres großes Werk Pfarrer Hötzels und seiner Kapläne Buchner und Gremm war der Umbau der Pfarrkirche in den Jahren 1947/48-56. Von Anfang an war es Pfarrer Hötzel unerträglich, dass durch die sechs Pfeiler mit 90 cm im Querschnitt kaum die Hälfte der Kirchenbesucher zum Altar sehen konnten. So wurden unter Leitung von Architekt K. Schmitt aus Sprendlingen die sechs Pfeiler abgebrochen und durch drei Rundbogen aus Stahlbeton ersetzt. 1950 kam dazu eine Gasheizung. 1951 wurde die Sakristei um den Chor der Kirche gebaut. Eine neue Rapitzdecke wurde 1952 eingezogen und eine neue Kanzel gebaut. 1953 erhielt der Turm ein elektrisches Geläute. Mit der Neueindeckung des Kirchenturmes gehen diese Arbeiten 1956 zu Ende. In der Zeit der intensivsten Umbauarbeiten finden die Gottesdienste für 19 Monate im „Deutschen Haus“ der Gastwirtsfamilie Lommel statt.
In der Zeit des Kirchenumbaus fiel ein Kaplanwechsel. Im Februar 1950 löste Kaplan Gremm den Kaplan Heinrich Buchner ab. In ihm fand Pfarrer Hötzel den Priester und Seelsorger, dem er seine Gemeinde getrost anvertrauen konnte. Er bat den Bischof im Frühjahr 1953 um seine Versetzung in den Ruhestand, aber nur unter der Bedingung, dass Kaplan Josef Gremm sein Nachfolger wurde. Dies ward Wirklichkeit durch Dekret des Bischofs Dr. A. Stohr zum 1. Mai 1953. Pfarrer Hötzel lebte auch im Ruhestand in Froschhausen im Pfarrhaus, mit seiner Haushälterin Fräulein Susanne Sattler, in Froschhausen nur „Pfarr-Sannchen“ genannt.
Josef Gremm
Pfarrer in Froschhausen
Von 1953 bis 1975
Er entstammte, 1910 in Worms geboren, einem tiefgläubigen Elternhaus, in dem es den Eltern höchste Verpflichtung war, den Glauben und das Leben aus dem Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Fünf Kinder waren aus der Ehe hervorgegangen. Der Bruder Martin und er selbst wurden Priester, zwei Schwestern traten in den Ordensstand und die dritte Schwester schließlich führte nacheinander den geistlichen Brüdern den Haushalt.
Pfarrer Josef Gremm fand den Weg zum Priestertum als Spätberufener. Nach seiner Ausbildung zum Elektromechaniker, zum Handwerker also, ging er nochmals zur Schule, holte das Abitur nach und begann in Mainz mit dem Studium der Theologie. In den ersten Kriegstagen des Jahres 1939, am 3. September, empfing er in der Krypta des Mainzer Domes durch Bischof Dr. Albert Stohr die Priesterweihe.
Nach Abschluss der Studien folgte im Frühjahr 1940 der erste Einsatz als Kaplan in Worms-Horchheim. Und von da führte der Weg geradewegs in Gefängnis der Geheimen Staatspolizei im damaligen Nazi-Deutschland. Ein junger Priester, voller Begeisterung für Christus und seine Kirche, der Aufgabe verschworen, junge Menschen zu Christus hinzuführen, musste fast zwangsläufig mit dem menschenverachtenden Nazi-Staat und seinem totalen Herrschaftsanspruch in Konflikt geraten. Nur glückliche Umstände verhinderten, dass der Weg aus dem Gefängnis nicht weiter ins Konzentrationslager und zu Schlimmerem führte.
Die Gefängnismonate brachten prägende Eindrücke und Erkenntnisse. Der Zellengenosse war ein evangelischer Pfarrer. Aus langen Gesprächen wuchs die Erkenntnis, dass das Gemeinsame zwischen beiden Kirchen größer ist als das Trennende. Wenn in späteren Jahren Pfarrer Gremm stets ein gutes Verhältnis zur evangelischen Kirche unterhielt, wenn er selbstverständlich den evangelischen Flüchtlingen die Pfarrkirche als Gottesdienstraum zur Verfügung stellte, wenn er so Ökumene von der ersten Stunde an praktizierte, liegt die Wurzel zu dieser Haltung mit in diesen Darmstädter Gefängnisgesprächen. Nach seiner Entlassung und weiterer Kaplanstätigkeit in Viernheim, kam die Einberufung als Sanitär zu Wehrmacht, der Einsatz in Nord-Afrika, Kriegsgefangenschaft in Texas und Oklahoma, wo er als Lagerpfarrer für die Kriegsgefangenen wirkte. Im Aprile 1946 kehrte er zurück.
Es folgten weitere Kaplansjahre in Lorch, Viernheim und Offenbach-Bürgel. Sie waren geprägt von der Arbeit am Wiederaufbau der Jugendarbeit. Einer der Schwerpunkte war das kirchliche Laienspiel. Es gab hervorragende Aufführungen in Viernheim und Offenbach-Bürgel, gespielt wurden Mysterienspiele von Calderon bis Hugo von Hofmanntals „Welttheater“.
Im Februar 1950 kam Josef Gremm als Kaplan nach Froschhausen, drei Jahre später wurde er hier Pfarrer und Nachfolger des Geistl. Rates Heinrich Hötzel. Es war durchaus unüblich, aber typisch für Pfarrer Josef Gremm, dass er zusammen mit dem alten Pfarrer und dessen Haushälterin bis zu deren Tod zusammen im Pfarrhaus lebte. Es kennzeichnete seine Offenheit, seine christliche Brüderlichkeit, aber auch seine Demut und Bescheidenheit.
Aufgaben, die auf ihn warteten, gab es in Fülle:
Der Abschluss des Kirchenumbaues und dessen Finanzierung. Erst 1956 war der Schlusspunkt erreicht.
Durch die nach Froschhausen gekommenen Flüchtlinge stieg die Einwohnerzahl – und damit auch die Zahl der Kinder. Deshalb wurde 1954 ein Erweiterungsbau zum Kindergarten im Schwesternhaus in Angriff genommen. 1955 wurde am 3. April der neue Kreuzweg in der Kirche geweiht. Das Jahr 1956 brachte mit dem Goldenen Priesterjubiläum von Pfarrer i. R. Heinrich Hötzel einen religiösen Höhepunkt.
Am 12. August feierte Pfarrer i. R. Heinrich Hötzel sein Goldenes Priesterjubiläum. Die ganze Gemeinde nahm großen Anteil. An den drei Tagen vorher hielt Pater Stendebach Abendpredigten. Zum Festgottesdienst predigte Prälat Prof. Dr. Kraus, ein Landsmann des Jubilars. Der Bischof verlieh Pfarrer Hötzel den Ehrentitel „Geistlicher Rat“, die bürgerliche Gemeinde ernannte ihn zum Ehrenbürger.
Die Baumaßnahme des Jahres 1956 war die Erneuerung des Kirchturmdaches. Pfarrer Gremms Sorge galt in besonderem Maße der Schule. Die Erfahrungen der Nazi-Zeit waren es, die ihn bestimmten, Sorge dafür zu tragen, dass Religionsunterricht gewährleistet und die religiöse Grundhaltung in der schulischen Bildungsarbeit gesichert waren In Verfolgung dieses Zieles übernahm er Aufgaben, die eigentlich nicht zu seinen priesterlichen Pflichten gehörten. So gründete er mit einer Reihe engagierter Eltern den „Schulverein“ um eine neue Schule, die heutige Alfred-Delp-Schule, zu bauen. Die alte Schule war zu klein geworden und entsprach nicht mehr den Anforderungen moderner Pädagogik. Über 30.000,- DM brachte der Elternverein auf, finanzierte die Planungsarbeiten und brachte schließlich die bürgerliche Gemeinde dazu, trotz der Finanznot das Anliegen zu übernehmen uns es zu Ende zu bringen. Als sich abzeichnete, dass in den Jahren 1957-60 ein Generationswechsel im Lehrerkollegium bevorstand, machte er sich persönlich auf die Suche nach einem neuen Schulleiter. Mit dem Modell der neuen Schule unter dem Arm wurde er schließlich fündig. Nach langem Zögern erklärte sich der damalige Lehrer an der Realschule in Steinheim Joseph Kreis, bereit, sich um die Schulleiterstelle in Froschhausen zu bewerben. Pfarrer Gremm gewann einen Schulleiter, und beide gewannen in dem anderen einen Freund auf Lebenszeit.
Das Jahr 1957 brachte den Einbau einer neuen Orgel. Sie wurde für 2.500,- DM bei der Fa. Joseph Göbel in Leichlingen (Rhld.) gebaut und umfasst 2 Manuale und 19 Register.
Im April 1958 musste Hauptlehrer i. R. Joseph Harrer aus gesundheitlichen Gründen sein Organistenamt aufgeben, sein Nachfolger wurde Horst Bußer, der dieses Amt bis heute ausübt. Zum weiteren wird hier ähnlich wie bei den Küstern ein Charakterzug dieser Pfarrgemeinde deutlich: Stetigkeit und Beständigkeit. Die Organisten unserer Kirche: 1871 bis 1894 Lehrer Gärtner, 1894 bis 1936 Rektor Steinemann, 1936 bis 1958 Hauptlehrer Harrer, 1958 bis heute Horst Bußer. Das sind 4 Organisten in 116 Jahren.
Nach Anschaffung einer Druckmaschine für Wachsmatrizen erschien am 1. Advent 1958 das 1. Pfarrblatt in Froschhausen.
Im Juli 1959 erkrankte Pfarrer Gremm an einer allgemeinen Nervenlähmung. Bis zum 19. März 1960 musste er aussetzen. Sein Bruder, Caritaspfarrer Martin Gremm übernahm die Vertretung.
Noch bevor in der nachkonziliaren Zeit die Laien zu größerer Verantwortung in den Pfarrgemeinden berufen wurden, erkannte Pfarrer Gremm die Notwendigkeit kleinerer Gemeinschaften mit speziellen Aufgaben. So gründete er am 21. 1. 1960 den Kirchenchor, dessen Leiter Rektor Joseph Kreis wurde.
Ein Jahr später wurde durch seinen Bruder Martin Gremm, Caritas-Pfarrer der Diözese Mainz, die Pfarr-Caritas gegründet. 370 Mitglieder waren beigetreten. Ein Helferkreis von 20 Frauen und Männern übernahm die caritative Arbeit in den einzelnen Bezirken. Leiterin des Helferkreis ist bis heute, seit 25 Jahren, Frau Katharina Kreis, die Gattin des neuen Schulleiters. 1962 begann im Januar die Vorbereitung zur Gründung einer Kolpingfamilie. Auch sie feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Schließlich begann im Jahr 1967 die Kinderschola mit der Arbeit. Seit 20 Jahren gestaltet sie unter Leitung von Rektor Kreis mit den sonntäglichen Gottesdienst und ist ein fester Bestandteil kirchlichen Lebens geworden.
Einer der Höhepunkte im Leben der Pfarrgemeinde war die Priesterweihe und die Primiz des Froschhäuser Benediktiner-Paters Raphael Wilz im Sommer 1962. Es war die erste Priesterweihe eines Froschhäuser jungen Mannes seit 1892, also nach 70 Jahren. Diese Primiz wurde zu einem Fest für die ganze Gemeinde, Wirkungsstätte des Neupriesters ist die Benediktiner-Abtei Weingarten in der Nähe des Bodensee.
Jahr für Jahr stellten sich neue Aufgaben. 1963 wurden in der Lache und in der Hainstädter Erlig die ersten Bildstöcke geweiht. Es war schon ein Kuriosum, dass es in der ganzen Gemarkung kein Feldkreuz oder anderes Bauwerk gab, das auf die jahrhundertlange katholische Tradition in Froschhausen wies. Wahrscheinlich ist dies in dem ebenfalls Jahrhunderte dauernden Status der Filialgemeinde begründet. Die Froschhäuser hatten ja die Gottesdienste in Seligenstadt zu besuchen und nahmen dort auch an den Prozessionen teil. Zu dem Kreuz in der Hainstädter Erlig und der Madonna in der Lache kam 1964 ein Bildstock am Triebweg und eine Figur der Hl. Margareta, eine Stiftung der Familie Altbürgermeister Otto Adam Schmitt. Leider wurde diese Figur schon kurze Zeit später Opfer eines Diebstahls.
Das Jahr 1965 wird das Jahr der großen Liturgieform, die vom 2. Vatikanischen Konzil beschlossen wurde, genannt. Die Hl. Messe wird nun in deutscher Sprache gefeiert, der Priester zelebriert zum Volke hin, der Aufbau der Messe wird vereinfacht, wird Gemeindemesse.
Folgerichtig schließen sich drei Jahre später die Austeilung der Kommunion durch Gemeindemitglieder und nochmals ein Jahr später die Vorabendmesse an.
Zurück zum Jahr 1966. Ende Januar verstarb mit Fräulein Auguste Steinemann das letzte Mitglied dieser Lehrerfamilie. Sie vermachte ihr Elternhaus Seligenstädter Straße 94 der Pfarrgemeinde. Der Kirchenstiftungsrat beschloss, den unteren Stock und die Kellerräume als Pfarrheim herzurichten und diese Räume für die Jugendgruppen, Kirchenchor, Kolpingsfamilie, Elternzusammenkünfte zu nutzen. Nach siebenmonatigem Umbau, zum großen Teil von der Kolpingsfamilie in Selbsthilfe ausgeführt, wurde das Haus am 28. November als „Rektor-Steinemann-Haus“ seiner neuen Bestimmung übergeben. Nur der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass im gleichen Jahr das Dach der Kirche neu gedeckt wurde.
Das Jahr 1967 brachte den Bildstock der Schönstattfamilie an der Lache, für die Kirche einen neuen Stahl-Glockenstuhl und den Einbau der Turmuhr.
ImVollzug der Konzilsbeschlüsse wurde im Jahr 1968 der erste Pfarrgemeinderat gewählt. Seine Aufgabe ist es, den Pfarrer zu beraten und zu entlasten. Für Geistliche und Gemeinde bedeutet dies eine große Umstellung. Gemeindemitglieder müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv selbstständig mitzuarbeiten. Pfarrer müssen lernen, mit einem demokratisch gewählten Gremium zusammenzuarbeiten. Das Bild von Hirt und Herde gilt nicht mehr uneingeschränkt. Es dauert Jahre, bis sich die neuen Strukturen einlaufen.
