Herzlich willkommen in der Pfarrkirche
Sankt Pankratius zu Offenbach-Bürgel
Dieser kleine Rundgang soll Ihnen eine kurze Orientierung über unsere Kirche bieten und Sie einladen zum Schauen, Betrachten und Entdecken.
Die heutige Pfarrkirche Sankt Pankratius steht, wie man so schön sagt, auf „heiligem Boden". Seit über 1200 Jahren ist für den Ort Bürgel eine Kirche nachgewiesen, und es spricht nichts dagegen, dass sie sich bereits auf gleichem Grund befand; auch wenn sich das heute nicht mehr endgültig nachweisen lässt.
Gemäß einem alten Brauch trägt die Kirche den Namen eines Heiligen. Der heilige Pankratius, dessen Fest alljährlich am 12.Mai begangen wird, zählt zu jenen Heiligen, die in den Christenverfolgungen des dritten Jahrhunderts in Rom umgekommen sind. Pankratius begegnet uns nicht nur als Namensgeber von Kirchen. In Deutschland war er Patron der Ritter und in Frankreich der Kinder. Er gilt als Schützer der Saat und der Blüten und als Helfer bei Krankheiten. Seit dem späten Mittelalter rechnet man ihn zu den vierzehn Nothelfern.
Die Bürgeler Kirche darf für sich in Anspruch nehmen, das älteste Pankratiuspatrozinium im deutschsprachigen Raum zu besitzen.
Der heutige neugotische Bau wurde im Jahr 1896 begonnen und mit der Weihe durch den damaligen Mainzer Bischof Haffner am 19.Spetember 1897 vollendet. Es ist der nachweislich dritte Kirchbau am gleichen Turm, der im Jahr 1492 entstanden ist.
Gott als dreifaltig zu bezeichnen, ist eine spezifisch christliche Glaubensaussage. Als solcher thront er in der in der Spitze des mittleren Fensters der Apsis. Darunter findet sich eine Darstellung des Kreuzigung Jesu. In den beiden Fenstern rechts und links davon findet sich eine Darstellung der Geburt Jesu, links und die Sendung des heiligen Geistes an Pfingsten, rechts. Alle drei Bilder gehören in den Zyklus von insgesamt fünfzehn Fenstern, von denen sich jeweils sechs in den Wänden der beiden Seitenschiffe befinden.
Die Tradition sogenannter Gebetsschnüre findet sich in vielen Religionen. In der katholischen Kirche nennt man sie einen Rosenkranz. Auf der Folie des „Ave Maria" ist der Beter eingeladen, in sogenannten Gesätzen fünfzehn Glaubensereignisse betend zu erwägen. Diesen fünfzehn Gesätzen folgen die Glasfenster der Kirche, die von dem Frankfurter Glasmaler Bernhard Kraus stammen. Wir sind heute froh, dass das ganze Ensemble den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hat und so der Gesamteindruck der Kirche erhalten geblieben ist.
Der Zyklus der Fenster beginnt mit Blick auf den Altar vorne rechts und endet vorne links. Im einzelnen handelt es sich um die Szene der Verkündigung der Geburt Jesu, die Begegnung von Maria und Elisabeth, die Geburt Jesu (Apsis), die Darstellung Jesu im Tempel zu Jerusalem und das Wiederfinden des Zwölfjährigen im Tempel. Diesen freudenreichen Geheimnissen folgen fünf schmerzhafte, Jesus vor seiner Gefangennahme im Garten Getsemane, die Geißelung, die Dornenkrönung, das Tragen des Kreuzes und schließlich die Kreuzigung (in der Apsis). Als glorreiche Geheimnisse bezeichnet man den letzten Zyklus, die Auferstehung Jesu von den Toten, seine Himmelfahrt, die Sendung des heiligen Geistes (in der Apsis), die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung.
Von den beiden großen Rosetten im Querschiff bringt die eine nochmals das Thema Rosenkranz Geltung, nämlich die legendäre Überreichung des Rosenkranzes an den heiligen Dominikus, die andere ist eine Darstellung der Patronin der Kirchenmusik, der heiligen Cäcilia. Die dritte Rosette in der Westfassade über der Orgel hat keine eigene Thematik.
Eine Stiftung für ihre im ersten Weltkrieg gefallenen Söhne sind das Herz-Jesu Fenster an der Seite des Marienaltars und eine Darstellung der sieben Schmerzen Mariens, die sich heute in einem Leuchtkasten in der Gefallenenkapelle im Erdgeschoss des Turmes befindet.
Die beiden Fenster rechts und links vom Hauptausgang bezeichnen einmal den heiligen Erzengel Michael, der ja auch als Patron der Deutschen gilt und von dem sich die Bezeichnung „deutscher Michel" herleitet. Das andere ist eine Darstellung der Mantelteilung des heiligen Martin mit dem Bettler vor den Stadttoren von Amiens. Der heilige Martin ist Patron der Diözese Mainz, zu der Offenbach und Bürgel gehören.
An den Wänden der Seitenschiffe unterhalb der Fenster finden sich die klassischen vierzehn Stationen des Kreuzweges Christi, vorn links beginnend mit der Verhaftung Jesu und vorn rechts endend mit seiner Grablegung. Alle anderen Figuren der Kirche weisen sich durch ihre Darstellung oder eine eigens beigegebene Bezeichnung aus. Eine gewissen Hilfestellung bedürfen vielleicht noch die Figuren rechts und links von der Figur des heiligen Pankratius unter der Rosenkranzrosette. Von links nach rechts sind dargestellt, ein heiliger Petrus mit den ihn bezeichnenden Himmelsschlüsseln, eine heilige Justina, eine heilige Elisabeth mit den für sie typischen Rosen. Die Figur mit Kaiserkrone und Reichsbanner stellt Heinrich den II, der 1018 zu einem Reichstag in Bürgel weilte. Dieser heilig gesprochene deutsche Kaiser trägt in der Hand das Modell des Bamberger Domes, dessen Bauherr er ist.
Der frühere Hochaltar, der heute noch den Tabernakel trägt, ist aus französischem Marmor. Links vom Tabernakel zeigt er die biblische Szene der Brotvermehrung und rechts eine Darstellung des letzten Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern. Die beiden Szenen in der in der Predella des Altares zeigen alttestamentliche Szenen aus dem Leben des Abraham, der als Vater des Glaubens in allen monotheistischen Religionen verehrt wird. Links handelt es sich um das „Opfer des Isaak", jene biblische Szene, in der der Engel des Herrn Abraham in den Arm fällt, als dieser sich bereit zeigt, seinen Sohn als Opfertier zu schlachten. Rechts handelt es sich um die Begegnung des Abraham mit dem Priesterkönig Melchisedek. Es ist jene Geschichte im Alten Testament, in der erstmals Brot und Wein als Opfergaben auf einen Altar gelegt werden. Der Tabernakel selbst trägt die Buchstabenfolge IHS. Diese stehen für den lateinischen Spruch, Jesus Hominum Salvator; Jesus, Erlöser der Menschen.
Die über zwei Manuale verfügende Orgel verfügt über 41 Register und 2582 Pfeifen. Die tiefste misst 520 cm, die kleinste einen Zentimeter. Die Orgel ist ein Werk des Trierer Orgelbauers Oehms und wurde 1987 fertiggestellt und geweiht.
Wenn sie die Kirche verlassen, finden sie in den Fenstern der Halbbögen über den Türen des hölzernen Windfangs links einen siebenarmigen Leuchter als Symbol für das Alte Testament und rechts einen Kelch mit Kreuz als Zeichen des Neuen Testamentes. Sie umrahmen gleichsam das mittlere Bild. Das Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Es ist eine Darstellung jener biblischen Vision aus dem letzten Buch der Bibel, mit dem der Seher Johannes die Verheißung ewigen Lebens beschreibt.
Sie sind herzlich eingeladen, nach Ihrem Rundgang noch ein wenig zu verweilen und diesen Raum, der Ihnen von Gott erzählen möchte, auf sich wirken zu lassen. Vielleicht nutzen Sie die Zeit auch zum Gebet oder einfach dazu, ein wenig zur Ruhe zu kommen.
In der Nähe der beiden Ausgänge finden Sie das „Wort zum Sonntag", das Wochenblatt aller katholischen Kirchen in Offenbach. Dort können Sie sich auch über unsere Gottesdienstzeiten und andere Aktivitäten kurz informieren.
Die Monstranz
Die Pfarrei ist im Besitz einer neugotischen Turmmonstranz, die ein Geschenk des Prälaten Gottfried Schaider an seine Pfarrei im Jahr 1915 war. Gefertigt wurde sie in der damaligen Filigraniergoldschmiede Zabolitzky in Steinheim. Leider existieren über die Gesamtidee des Stifters wie des Goldschmiedes keinerlei Unterlagen mehr, sodass wir auf Beschreibung und eigene Deutungen angewiesen sind.
Wie die Bezeichnung Turmmonstranz aussagt, besteht diese aus verschiedenen Ebenen mit je unterschiedlichen Figuren und Figurenkonstellationen.
Deutlich sind vier Ebenen der Darstellungen zu unterscheiden. Die untere 1. Ebene rechts und links vom Schaugefäß zeigt alttestamentliche Gestalten. Von links nach rechts den alttestamentlichen Hohenpriester Melchisedek; eine Frau mit Kind, die beide einen Korb mit Manna tragen; Moses, der Wasser aus dem Felsen schlägt und Abraham mit seinem Sohn Isaak auf dem Opferaltar.
Die Darstellung über dem Schaugefäß (2. Ebene) zeigt die Szene des letzten Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern.
Die Figuren darüber (3. Ebene) sind Heiligenfiguren. Deutlich identifizierbar sind auf der Vorderseite in der Mitte der heilige Bonifatius mit Mitra, Bischofsstab und Axt und auf der Rückseite links der heilige Pankratius mit Schwert und der Palme des Märtyrers.

In der Spitze (4. Ebene) befindet sich ein Kruzifix und rechts bzw. links davon Johannes und Maria, die Mutter Gottes. Auffällig ist hier die Haltung Mariens, die nicht von Trauer gekennzeichnet ist.
Alle Ebenen deuten auf das Zentrum. Das Brot der Eucharistie ist Zeichen der Hingabe, der Gemeinschaft, Zeichen der Befreiung und Nahrung zum ewigen Leben. Es ist Sakrament der Gegenwart Gottes, wie Christus dies beim letzten Abendmahl einsetzte und mit seiner Hingabe am Kreuz vollendete.
Ein Leben in Heiligkeit ist die Konsequenz des Einlassens auf dieses Geschehen, das in jeder Eucharistiefeier erneut gegenwärtig wird.
Die vier Emaillemedaillons im Fuß der Monstranz zeigen in drei Szenen Situationen des Jubels und der Anbetung (Anbetung der Hirten und der Hl. drei Könige und den Jubel beim Einzug in Jerusalem) und als viertes die Auferweckung des Lazarus als Zeichen für die Macht Jesu selbst über den Tod.
Zu den Figuren im Einzelnen:
1. Melchisek:
Der Person des Melchisedek begegnen wir im ersten Buch der Bibel, Gen 14, 1- 20. Der Text beginnt mit einer Kriegssituation, wie sie für Israel bis heute nicht ungewöhnlich ist. Diese wird in den Zusammenhang mit Abraham gebracht, und zwar durch die Schilderung, dass hierbei der Neffe Abrahams, Lot, in Gefangenschaft gerät. (Vers 12). Abraham unternimmt einen Befreiungsversuch, der erfolgreich verläuft. Auf dem Rückweg kommt es zur Begegnung mit Melchisedek (Vers 18). "Melchisedek der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er war Priester des höchsten Gottes" (Vers 18).
Es folgt der Segen über Abraham (Verse 19 und 20) und die Feststellung, darauf gab ihm Abraham den Zehnten von allem. Damit reißt die Melchisedekgeschichte ab. Der Text fährt fort mit dem König von Sodom.
Damit könnte die Melchisedekgeschichte auch für uns erledigt sein. Er taucht ohne weitere Vorbereitung auf, wird genannt und verschwindet sofort wieder. Und dennoch begegnen wir dem Namen des Melchisedek noch an zwei weiteren Stellen der Bibel, nämlich im Psalm 110 und im Kapitel 7 des Hebräerbriefes.
Was macht den Melchisedek so interessant?
Das ist die Feststellung, dass Salem Jerusalem meint, weiter die Bezeichnung als Priester des höchsten Gottes und die Opfergaben von Brot und Wein.
Im Psalm 110 diente diese Königs- und Priesterfigur des Melchisedek als Vorbild für die Königs- und Priesterrolle der davidischen Könige. Dies spiegelt der Psalm 11 0 wider: "Die Einsetzung des priesterlichen Königs auf Zion". Interessant am alttestamentlichen biblischen Text: Melchisedek, als Nichtjude ist bereit anzuerkennen, dass Abraham ein Gesegneter ist. Abraham ist bereit, Melchisedek in seiner Priesterfunktion anzuerkennen, obwohl er möglicherweise wusste, dass der höchste Gott des Melchisedek ein anderer War als sein Gott, Jahwe.
Im Hebräerbrief (Hebr. 7) geht es um die hohepriesterliche Funktion Jesu Christi. Melchisedek dient hier als Vorbild, weil von ihm weder Vater noch Mutter genannt werden, weiter ob seines Titels, Priester des höchsten Gottes zu sein und wegen seiner Opfergaben Brot und Wein, die ja in jeder Eucharistiefeier die entscheidenden Gaben sind.
Melchisedek dient im Hebräerbrief als Begründungsfigur für das Hohepriestertum Jesu Christi, in Unterscheidung und Abgrenzung zum erblichen Priestertum der Leviten im Judentum.
Insgesamt ist auffällig, wie unbefangen tolerant Abraham und Melchisedek aufeinander bezogen werden. Hier entfällt der heute manchmal verbissen geführte Kampf fundamentalistischer Abgrenzung. So steht Melchisedek in der Monstranz nicht nur als Vorläuferfigur des Priestertums Jesu Christi, er steht auch als Beispiel des Gott anbetenden und Gott dienenden Menschen überhaupt, auch wenn er nicht bis zur Mitte christlicher Überzeugung vorgedrungen ist.
2. Die Frau und das Kind mit dem Korb von Manna
Die Speisung mit Manna, dem Brot der Wüste, ist uns als alttestamentliches Vorbild zur Eucharistie bekannt, vor allem aus dem Liedgut für Fronleichnam. Das biblische alttestamentliche Zeugnis der Speisung mit Manna findet sich im Buch Exodus, Kapitel 16. Der Kern ist zugleich die alttestamentliche Lesung des 18. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B.
Der biblische Text nennt drei Stichworte, Wüste, Murren und Nahrung. Und alle drei Stichworte sind bis heute wichtig und erlebbar. Wüste kann man kennen durch eine Reise, oder von Bildern oder aus der Literatur. „Nur Steine und Sand; so weit der Horizont reicht. Nichts Grünes. Nichts Wachsendes. Kein Wasser. Nichts, was mir Orientierung und Richtung gibt: keine ausgebaute Straße mit Verkehrsschildern: 'Ins Gelobte Land'. Nicht einmal eine erkennbare Piste. Nur die sengende Sonne und der trockene Gaumen und die geschwollene Zunge, und der scharfe Sand; der wehtut auf der Haut. Und keine Aussicht, dass in einer halben Stunde eine Oase auftaucht, dass es morgen besser sein könnte als heute. . ." (Saint Exupery).
Wüste, das kennen wir auch als Lebensgefühl, wohl selten als ein durchgehendes, aber als Erfahrung ist das wohl niemandem fremd. So ein Gefühl kann sich einstellen, wenn der Versuch zu trösten nicht packt, wenn alles Mühen umsonst ist, wenn wir an der Freiheit des anderen scheitern, wenn nichts mehr so geht, wie wir uns das gedacht haben, wenn man erlebt, dass das, was einem wert ist einem anderen gar nichts bedeutet. Ich denke, Wüstenerfahrung kann sich auch im Erleben von Kirche einstellen, wenn wir so manche Träume und Illusionen verlie- ren.
Wenn die Wüstenerfahrung nicht al1zuschlimm und lähmend ist, dann gibt es immer auch das Zweite, das Murren. Wenn ich ein anderes Elternhaus gehabt hätte und bessere Chancen. Wenn ich damals die Schule nicht abgebrochen hätte. Wenn ich einen anderen Partner geheiratet hätte. Wenn mich nicht diese Krankheit erwischt hätte. Wenn ich nicht arbeitslos geworden wäre…
Wir kennen alle solche Ausreden, dieses Murren, diesen Widerstand und die Suche nach einem Schuldigen. In solchen Situationen wird oft die Vergangenheit
verklärt. Die Rede vom "zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens" ist ja zum geflügelten Wort geworden. Und wenn die Vergangenheit nicht verklärt wird, dann wird sie, je nachdem, verteufelt. Da werden Vorwürfe erhoben gegen Menschen, die ihr bestes versucht haben, die es nur gut gemeint haben. Für manche ist dies zum bequemen Alibi geworden, nicht mehr an sich selbst arbeiten zu müssen. Und ähnlich wird es dann auch mit Gott gemacht. Er wird zum Alibi für nichtgeleistete Selbstdisziplin und Anstrengung.
Manchmal ist es gut, wenn einer oder eine ihre Enttäuschung, Wut und Trauer einfach mal herausschreit, weinend, klagend oder betend. So etwas kann manchmal wichtig sein. Wichtiger ist das Gewinnen der Einsicht, dass man oft genug weder eine Situation ändern kann und noch schwieriger einen Mitmenschen. Ändern kann immer nur ich mich selbst. Nur ich kann lernen mit einer Situation oder einem Mitmenschen anders umzugehen. Wir sind eben keine, die endgültig angekommen sind. Wir sind immer noch unterwegs zwischen den „Fleischtöpfen Ägyptens“ und dem Gelobten Land.
Wer sich so mit seiner Existenz als unterwegs versteht, dem wächst der Blick für das Manna, das auf dem Weg Kraft gibt. Das kann ein Lächeln sein ein Dankeschön, das Erleben von Tapferkeit und Mut. Das können ein paar Minuten der Ruhe sein, eine Blume oder ein Sonnenstrahl und so vieles mehr. Manna kann so vieles sein, wenn wir nur sensibel genug bleiben, es nicht zu übersehen. Und wir sollten uns vielleicht manchmal erinnern, dass zum Manna nicht die dauernde Haltbarkeit gehört.
Dennoch ist die Figur dieser Frau und dieses Kindes, die das Manna in einem Korb sammeln, da neben der Hostie, eine ganz wichtige Figur. Denn sie macht jedem deutlich, auch meine Wüste ist der Ort Gottes, und nicht nur das Brot der Eucharistie, sondern alles Manna kommt letztlich von Gott, dem Geber aller Gaben.
3. Mose
Mose gehört als wundertätiger Führer der Israeliten, als Gesetzgeber und Kultstifter, aber auch als der große Beter und Vertraute Gottes zu den bedeutendsten Gestalten des Alten Testamentes. Sein Name ist eng verknüpft mit dem Auszug (Exodus) der Israeliten aus Ägypten, der Wüstenwanderung und der Gesetzgebung am Sinai, weshalb die von diesen Ereignissen berichtenden ersten fünf Bücher " (= griech. Pentateuch) des Alten Testamentes traditionell nach Mose benannt werden (1. - 5. Buch Mose), obwohl er nicht als deren Verfasser anzusehen ist.
Eine Lebensbeschreibung des Moses finden wir, außer in den alttestamentlichen Texten in der Apostelgeschichte 7, 20 - 38. Von drei Lebensabschnitten ist da die Rede.
Erstens Moses in der Schule des Pharao; dann beschließt Moses die Brüder aufzusuchen und flieht in die Wüste. Der dritte Abschnitt beginnt mit dem brennenden Dornbusch und geht bis zum Lebensende des Moses (Vers 30).
An diesen drei Lebensabschnitten machte der frühere Mailänder Kardinal Carlo Martini einige Überlegungen fest.
Moses, der "in aller Weisheit der Ägypter" ausgebildet wurde und sich seiner erstklassigen Bildung bewusst war, steht in der Gefahr, der Wirklichkeit, so wie sie ist, nicht gewachsen zu sein. Alles muss durch das Sieb seiner Weisheit. All das bringt ihn in Schwierigkeiten in dem Augenblick, da er mit der Wirklichkeit konfrontiert ist. Deshalb Zorn, deshalb Enttäuschung.
Auch der zweite Lebensabschnitt des Moses, den Martini mit der Periode des Großmuts und des Misserfolgs" bezeichnet, scheitert an einer vereinfachten Vorstellung von der Wirklichkeit.
Die Folge ist: „,.Mose, der eine privilegierte Position aufgegeben hat, um eins zu werden mit dem Leben seines Volkes, wird nun verjagt; sein Volk stößt ihn zurück. Scheitern also im Leben des Mose auf der ganzen Linie auch im Persönlichen, Menschlichen.
Was bleibt, ist ein armer, verängstigter Mensch, der bei jedem Rascheln im Laub zusammenfährt. Das also ist aus dem Tapferen geworden, aus ihm der wusste, der Methode hatte, der mächtig war in Wort und Tat."
Bis Moses die göttliche Initiative in seinem Leben verstanden hat, bis er verstanden hat, dass nicht er es ist, der sich für Gott interessiert, sondern dass Gott sich für ihn interessiert.
"Das ist der Grundzug der frohen Botschaft des Evangeliums. Nicht wir haben Gottgesucht, sondern Gott sucht uns. So ist es auch nicht Mose, der sich des Volkes erbarmt, sondern Gott erbarmt sich und verleiht Mose die Gabe, an diesem Erbarmen teilzuhaben. Das ist wahrhaftig Ostern für Mose - er wird noch andere Ostern erleben -, aber dieses ist wahrhaft eine vollkommene Wende, die sich so umreißen lässt. Die Zeit der Gottsuche, die Mose ohne Zweifel auch vorher gelebt hat, nimmt einen neuen Sinn an. Bis jetzt war es die Zeit, in der Mose Gott suchte, jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gott Mose sucht.
Von diesem Augenblick an kann die Mission des Mose beginnen. Ruhig, als sei nichts geschehen, ohne sich Sorgen zu machen, kann er aufbrechen nach Agyp-
ten, auch wenn er keine Waffen hat und kein Heer,
Er wird gehen nur mit der Kraft des Wortes, und das Wort Gottes verkünden. Von diesem Punkt nimmt die Sendung des Mose für sein Volk ihren Ausgang, und auch wir können darüber nachdenken, wie uns der Herr in seiner Barmherzigkeit sendet."
4. Abraham
Eine ganz spannungsgeladene Figur ist mir auch die Figur des Abraham. Das, was man uns von Abraham immer und immer wieder beigebracht hat, ist, Abraham war gehorsam im Glauben.
Ich denke, es ist lohnend, ein Stück näher hinzuschauen. Der Auftakt im ersten Buch der Bibel ist gewaltig. Inmitten der Fülle der vorhandenen Völker spricht Gott diesen einen Menschen, Abraham, an.
„Jch werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namengroß machen. Ein Segen sollst du sein" (Gen 12,2).
Dieser Verheißung geht eine Forderung voraus: "Ziehe weg aus dem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde" (Gen 12, 1). Eine ungeheure Forderung, wenn man bedenkt, dass das Verlassen der Heimat und die Lösung aus den angestammten Verbänden für den antiken Menschen eine fast unvollziehbare Zumutung bedeutete. Wenn man weiter bedenkt, dass Abraham zu diesem Zeitpunkt wohl wusste, dass er mit seiner Frau Sara keine Kinder bekam und Gott ihm auch das Ziel seiner Wanderung nicht genannt hatte, wenn man dies bedenkt, dann ist es eine ungeheure Leistung wie Abraham gehorcht - blindlings, widerspruchslos, still. Keine Rede von Widerspruch, keine Rückfrage, kein Zögern. "Da zog Abraham weg, wie der Herr ihm gesagt hatte" (Gen 12, 4).
Man möchte vermuten, dass uns die Bibel von nun an Großartiges zu berichten weiß von diesem Abraham und seiner Großfamilie. Wie sich die Segensverheißung glänzend erfüllt und er einer der Großen im Lande wird. Nichts dergleichen.
Nach dem großen Aufwand an göttlichen Verheißungsworten verläuft sich der Weg Abrahams fast im Bedeutungslosen. Die Verheißung wird gleichsam vom Alltag eingeholt und überholt. Und auch Abraham wird zum alltäglichen Menschen. Anlässlich einer Hungersnot ist nichts mehr mit dem von Gott gezeigten Land. Er zieht nach Ägypten. Und, um die eigene Haut zu retten verleugnet er sogar seine Frau (Gen 12,10 - 30). Er gibt sie als seine Schwester aus und ist bereit, sie in einen königlichen Harem zu entlassen.
Also auch vorbei mit der Verheißung der Nachkommenschaft. Abraham steht in der Gefahr zum Verräter der eigenen Verheißung zu werden. Schließlich trennt er sich auch noch von seinem Neffen Lot und dessen Familie (Gen 13, 1-13). Er ist allein. Seine Frau hat er zum Glück wieder bekommen. Allerdings hatte er sich schwere Vorwürfe anhören müssen ob seiner Unehrlichkeit (Gen 12, 10 - 20).
Sein Neffe Lot gerät bei kriegerischen Auseinandersetzungen in Gefangenschaft und Abraham zieht mit seinen Leuten los, um ihn zu befreien (Gen 14, 1-24).
Bei der anschließenden Begegnung mit Melchisedek ist Abraham zwar bereit, Gott mit diesem König Zusammen zu opfern und sich segnen zu lassen. Doch als Gott ihm einen Bund zwischen ihm und sich anbietet, da winkt er ab. "Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe kinderlos dahin" (Gen 15, 2).
Doch Gott lockt ihn voran. "Sieh doch zum Himmel hinauf und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst. So zahlreich werden deine Nachkommen sein" (Gen 15,5). Und ohne wie und was besteht Gott auf einem Bund. Und Abraham, nachdem er sich mehr aus Angst, denn freiwillig auf diesen Bund eingelassen hatte (15, 12) versucht nun wieder Herr des Handelns zu. werden. Wenn schon keine Kinder mit seiner Frau, dann eben mit der Magd. Vielleicht lässt sich so der Verheißung und dem Bund noch eine Lösung abgewinnen, wenn Gott das wie und was schon nicht mit genannt hatte.
Wieder ist Gott der, der die Initiative ergreift. Wieder bietet er Abraham einen Bund an. Wieder, und diesmal deutlich, die Verheißung eines Sohnes mit seiner Frau Sara. Und wieder winkt Abraham ab. Resigniert ist sein einziger Wunsch, wenn nur Ismael, der Sohn der Magd, am Leben bleibt (Gen 17,18). Der Rest ist in seinen Augen unrealistisch.
Bei der Wiederholung der Verheißung ist es dann Sara, die still und wohl auch bitter in sich hineinlachte (Gen 18,12), während Abraham hier wieder den Mut und die Courage aufbringt, mit Gott um die Rettung fremden Lebens regelrecht zu feilschen (Gen 18, 20 ff).
Entgegen jeder Erwartung kommt dann doch der ersehnte Sohn zur Welt, 1saak. Und es hätte damit gut sein können. Nach vielem hin und her endlich ein glückliches Ende. Doch die Geschichte Abrahams geht weiter. Stand am Anfang seines Lebens mit Gott die Forderung, sich von seiner ganzen Vergangenheit zu trennen, so steht jetzt die Forderung Gottes, den Isaak wieder herzugeben und damit die ganze Zukunft aufs Spiel zu setzen (Gen 22, 1- 19).
Dem Abraham muss das vorgekommen sein, wie das Entschwinden jeder Verheißung, wie der Weg in die Gottverlassenheit und tiefe Hoffnungslosigkeit.
Dass er damit lernte, Verheißung wirklich als reines Geschenk zu verstehen und lernte, dass Leben von Gott geschenkt ist, ihm verdankt ist, das ist dem Abraham wohl erst später aufgegangen. Und war Sinn dieser Probe, die er als Probe zunächst nicht erkannte.
So blieb ihm der Sohn. Vom verheißenen Land aber nur das Grundstück, das er als Begräbnisstätte für seine Frau und sich erworben hatte. Und wenn es dann von ihm heißt er starb lebenssatt (Gen 25,8), dann kann man schon sagen, hier hatte einer den Kreis dessen, was Gott in sein Leben hineingegeben hatte voll durchmessen.
Was heißt das für uns?
Ich kann mir gut vorstellen, dass manchem diese Geschichte Abrahams gar nicht so fremd ist. Es gibt die Erfahrung, dass man Dinge aber auch Menschen hinter sich lassen muss. Die Erfahrung gehen zu müssen ohne das Ziel als solches genannt zu bekommen und der Sinn ihres Weges nur noch angedeutet ist. Ich kann mir vorstellen, wie sich mancher mit Vorwürfen auseinanderzusetzen hat und wie er verzweifelt Auswege und Umwege sucht, um mit seiner Situation fertig zu werden, wie einer mit Gott feilscht und Gott kein Entgegenkommen und keine Erleichterung in aller Mutlosigkeit schafft. Ich kann mir gut vorstellen, wie einem zu Mute ist, dem Gott auf zweifelnde Fragen wie dem Abraham keine Antwort gibt. Mancher meint, er hätte seine Zukunft preisgeben müssen, wie Abraham als er den Isaak hergeben sollte. Und ich vermag mich in die Lage derer zu versetzen, die wie Abraham zu Gott sagen. Was willst du noch, was kannst du mir denn noch bieten. Lass doch gut sein. Abraham spiegelt uns nicht einfach den großen Gehorsam, er spiegelt uns wirklich den Menschen der sein Leben voll und ganz durchmessen muss. Besonders deutlich wird dies wohl an der Geschichte des Opfers des Isaak.
5. Abendmahlsdarstellung
Wir dürfen zunächst davon ausgehen, dass das letzte Abendmahl im Großen und Ganzen so verlief, wie ein jüdisches Ostermahl verlief. Es ist dann der Einleitungsritus des Paschamahles, den Jesus dazu benutzt, um seinen Jüngern das Brot als seinen Leib darzureichen. Er hat als der Hausvater dieser Mahlgemeinschaft das Brot genommen, darüber den Segen gesprochen, es gebrochen und seinen Jüngern gegeben mit den Worten, das ist mein Leib (Mk 14, 22; Mt 26,26; Lk 22,19; 1 Kor 11, 24). Während vom Hausvater einer jüdischen Paschamahlgemeinschaft das Brot auf die Befreiung aus Ägypten hingedeutet wurde, weist der Herr auf seinen Leib als Zeichen der Erlösung hin.
Daran fügte sich nun im Abendmahlssaal das eigentliche Mahl an. Wir können es schließen aus den Bemerkungen bei Lukas und Paulus (Lk 22, 20; 1 Kor 11, 25), die die Wendung „nach dem Mahle“ benutzen.
Der Kelch, den Jesus seinen Jüngern reichte ist dann der dritte Becher des Paschamahles, den man den Kelch des Segens nannte. Über diesen Becher sprach
Jesus die Worte (Mk 14, 24). Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Markus berichtet weiter, nach dem Lobgesang, d. h. nachdem sie den zweiten Teil des "kleinen Hallel" rezitiert hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg
Für unsere Eucharistiefeier heißt das, dass sie ihrem Ursprung und ihrem Wesen nach Mahlfeier ist, und zwar Mahlfeier im Zeichen der Erlösung, die Gemeinschaft untereinander begründet. Dies hat auch das II. Vatikanische Konzil in der Liturgiekonstitution wieder neu in Erinnerung gerufen. Man wird aber ehrlicherweise hinzusagen müssen, dass diesem Mahl eine besondere Qualität eigen war, und zwar nicht nur durch die Worte Jesu. Denn das Paschamahl selbst war ein Opfermahl. Das Fleisch des Lammes durfte nur genossen werden, wenn sein Blut zuvor im Tempel geopfert war. Bei seinem letzten Abendmahl bezeichnet Jesus selbst sich als das Paschalamm, wenn er innerhalb der Einsetzungsworte davon spricht, dass sein Leib hingegeben und sein Blut vergossen wird (Lk 22, 19 - 20). Dies haben sowohl die Apostel wie auch die junge Kirche so verstanden. Damit ist auch beantwortet, warum keiner der Evangelisten vom Essen des Lammes berichtet und warum beim Evangelisten Johannes Jesus zu dem Zeitpunkt am Kreuz stirbt, als im Tempel die Lämmer geschlachtet wurden.
Christus selbst tritt an die Stelle des Lammes im jüdischen Paschamahl. Wir haben diesen Zusammenhang noch in unserem liturgischen Sprachgebrauch. „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt . . . „ und „Seht, das Lamm Gottes, es nimmt hinweg die Sünde der Welt“:
So gilt: Wenn das Blut des Paschalammes Israel vor dem Tod bewahrte, um wie viel mehr rettet das Blut Christi vor dem ewigen Tod. Wenn das Blut des Paschalammes Zeichen der Erlösung aus der Knechtschaft Ägyptens war, um wie viel mehr ist das Blut Christi Erlösung aus der Knechtschaft des Bösen. Wenn mit dem Blut von Opfertieren der Alte Bund beschlossen wurde, um wie viel mehr bewirkt das Blut Christi den Neuen Bund, die Gottesherrschaft. Dies alles gilt allerdings nur dann, wenn auch das ganze Folgegeschehen auf dieses letzte Abendmahl genauso Wirklichkeit ist.
So kann Paulus sagen: (1 Kor 15,13) "Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos... Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. "Um dann fortzufahren, "nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden':
Deshalb gilt die Verkündigung des Johannes " Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm« (Joh 6, 56) und "So wie mich der lebendige Vater gesandt hat und, wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben« (Joh 6, 57).
6. Kreuzigungsgruppe
Dieser Zusammenhang wird in unserer Monstranz auf eine überraschende Art und Weise deutlich mit der Kreuzigungsgruppe in der Spitze der Monstranz.
Weil der Gekreuzigte auferstanden ist und als der erhöhte Herr in der Gestalt des Brotes gegenwärtig ist, deshalb braucht hier keine trauernde Maria zu stehen, sondern diese Maria kann im Angesicht des Kreuzes tanzen. Hier wird auf eine viel tiefere Weise noch einmal das alte Preislied Mariens wahr.
Magnifikat:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott meinem Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehn.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seine Nachkommen auf ewig.“
7. Heiligenfiguren
Der Auferstandene in der Gestalt des Brotes gegenwärtige Christus erhöht uns zu Heiligen. Auch dies wird bildhaft deutlich, indem sich unter der Kreuzigungsgruppe, sowohl auf der Vorderseite, wie auf der Rückseite eine Schar Heiliger findet, insgesamt sechs Figuren. Problemlos identifizierbar sind ein Bonifatius auf der Vorderseite und ein Pankratius auf der Rückseite.
Doch zu ihnen hinzu gehören auch wir, die wir unseren Lauf noch nicht vollendet haben, aber zur Heiligkeit berufen sind. Hineingenommen in diese Gemeinschaft sind wir durch die Taufe. Denn es sind die Getauften von denen es heißt, in ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht sein königliches Priestertum. Auch dies ist unverdiente Vorgabe Gottes, den damit verbundenen Anspruch haben wir täglich neu zu rechtfertigen. Dass Gott so ja zu uns gesagt hat, befreit uns von der tiefsten, radikalen Sorge um uns selbst. Gott übernimmt die Garantie für unser Leben. Deshalb können wir uns weggeben ohne Angst haben zu müssen, uns zu verlieren. Egoismus und Selbstbewahrung sind nicht mehr die entscheidenden Grundgesetze menschlichen Lebens. Das heißt auch, dass der Mensch nicht mehr auf sein Recht pochen muss, dass er Unrecht nicht einfach mehr mit Vergeltung beantworten muss. Vergebung, Versöhnung unter Menschen ist möglich und wird zum Grundgesetz von Menschlichkeit. Dies zu leben ist Anspruch, dies zu feiern heißt Christsein feiern und mit den Worten des zweiten Hochgebetes zu beten: » Wir danken dir, dass du uns berufen hast vor dir zu stehen und dir zu dienen".

Original






