Kreuz am Voraltar der Marienkirche
Frater Augusto Jenemann R. I. P

 

Er starb in Neuquén am 25. Juli 2008
im Alter von 88 Jahren und nach 71 Jahren als Marist

(5.6. 1920 - 25.7.2008)

Bruder Augusto Jenemann erblickte begleitet vom Rattern der Eisenbahn, die Bayern durchquert, das Licht der Welt, und zwar in der Dettingen 1).
Als Sohn eines Eisenbahners bewahrte er während seines ganzen Lebens in seinem Herzen den Drang zu pilgern und mit der Welt in Verbindung zu sein.
1935 trat er in das Juvenat in Recklinghausen ein, nachdem er schon Mitglied einer Jugendorganisation des damaligen Regimes in Deutschland war, eine Tatsache, die für ihn immer wieder Anlass zu langen Erklärungen war. Dann trat er in das Noviziat in Furth ein und legte seine ersten Gelübde als Kleiner Bruder Mariens 1937 ab.
Seine Ausbildung erfolgte so schnell, dass einige immer wieder schmunzelnd die Frage stellten, ob seine erste Profess wirklich „kanonisch" war.
Er pflegte dann zu lachen und machte mit der Hand seine für ihn so charakteristische Gebärde, um auszudrücken, welch geringe Bedeutung er dieser Angelegenheit beilegte. Seine Berufung zum Ordensleben besaß ohne Zweifel die Festigkeit eines Felsens und die leidenschaftliche Kraft des Geistes Jesu.

1938 war er für kurze Zeit in Holland, kam dann nach Grugliasco und reiste 1940 schließlich nach Buenos Aires.
Seine Ankunft in Buenos Aires war von ganz besonderen Umständen geprägt, die er immer wieder bis ins Detail zu erzählen pflegte. So berichtete er zum Beispiel, dass er das „weiße Brot" derer probieren durfte, die als Migranten nicht alle nötigen Papiere vorweisen konnten. Dies war für jene, die die Gräuel der zwei schrecklichen Kriege erlebt hatten, etwas Unbekanntes und Fremdes. ...
Nach einer kurzen Ausbildungszeit in Lujan, wirkte er als Präfekt und Lehrer in Rafaela, und kam dann 1941 nach Uruguay, um in Pando als Lehrer zu arbeiten.
In allen Schulen von Uruguay kannte man seine Einsatzbereitschaft und seine großzügige Art, immer und überall zur Verfügung zu stehen. 50 Jahre lang war er als Lehrer, Internatspräfekt, Katechet, Verwalter oder Berufswerber ständig in allen Teilen Uruguays und in der argentinischen Provinz Entre Rios unterwegs. Infolge seines überbordenden Dynamismus nannte man ihn Sturm oder Stürmer, eine Bezeichnung, die man der literarischen Bewegung in der zweiten Hälfte des !8. Jahrhunderts in Deutschland entlehnt hatte.

1990 überquerte er endgültig den Rio da la Plata, um in Neuquén Anker zu werfen, wo er mit dem Kolleg Dominico Savio die maristische Präsenz in dieser Stadt begründete. Schon besaß er die Qualitäten eines Pensionisten und übte verschiedene pastorale Dienste aus, aber Passivität war nicht das Seine, so übernahm er noch einige „kleine Sachen", wie er meinte, als spezifisches Apostolat.
Neben seiner normalen Tätigkeit im Speisesaal der Schule, in der Kapelle „Unsere gute Mutter" und der Betreuung der Maristenfraternität Newen Lil ( Starker Felsen )
übte er noch eine ganze Reihe von besonderen Aktivitäten aus:
Katechese in einigen Pfarreien, Betreuung von Gruppen der marianischen Legion, Zönakel von Pater Pio, Rundfunkseelsorge, Verbreitung des Rosenkranzgebets unter den Schülern, Kranken und gelegentlichen Gesprächspartnern....und andere Tätigkeiten, die wohl nur sein Schutzengel wissen konnte.

Seine soldatenhafte, energische und entschlossene Art hinterließ den Eindruck eines wahrhaft apostolischen „Panzers", der nur in seinen letzten Jahren ein wenig den Eindruck einiger Abnutzungserscheinungen hinterließ, was die Last der vielen freiwillig eingegangenen Kompromisse kaum verminderte.
Die freien Minuten - besonders die ruhigen Augenblicke am Abend - widmete er seiner ausgedehnten und sorgfältig gepflegten Korrespondenz, die nach den Worten eines seiner Superioren allein ausgereicht hätte, um die Existenz der argentinischen Post zu rechtfertigen.
Das Postamt von Neuquén verschickte Tausende seiner Briefe und nahm so ziemlich alle frommen Gegenstände in Empfang, die man sich denken konnte: Rosenkränze, Bilder unserer Lieben Frau, gedruckte Heiligenbilder. Skapuliere und Medaillen, die aus Deutschland eintrafen.......
Schnell verschwand alles aus seinen Händen und landete in Kapellen und Wohnungen oder bei jedem Kind, das gerade seinen Weg kreuzte.

Dass er schon geraume Zeit gesundheitliche Probleme hatte, wussten wir alle. Wir wussten auch, dass er ihnen wenig Aufmerksamkeit schenkte.
Aber heute, am 25. Juli sagte seine Herz: Es ist genug.
Wie sagte doch Frater Horacio Magaldi so treffend: „ Irgendwie starb er so, wie er es sich gewünscht hatte, nämlich in seinem geliebten Neuquén. Bis zwei Tage vor seinem Tod besaß er noch die volle geistige Klarheit und sein ganzes Erinnerungsvermögen. Als er nicht mehr in der Lage war, seine Liebe zu Christus und den Menschen zu verbreiten, legte er seine Waffen nieder und auch das Herz , das alle, die mit ihm zusammen lebten, gefangen nahm..
Er verließ uns, um sich bei der Maria, der guten Mutter, und bei Marcellin auszuruhen."


1) Es gibt in Deutschland 9 verschiedene Dettingen (vornehmlich in Baden-Württemberg)
Hier handelt sich hier um Karlstein-Dettingen am Main, gelegen zwischen Hanau und Aschaffenburg.
( Augusto sprach den Dialekt dieser Gegend )


( Übersetzung aus dem Spanischen: Mitteilung der Provinz Cruz del Sur )

 

Nachruf für die Freunde und Freundinnen von Frater Augusto

Gestern, so um 22:00 Uhr, hat sein Herz zum letzten Mal geschlagen nach einem Leben von 88 Jahren und 70 Jahren im Orden, einem apostolischen Leben voller Hingabe. Er starb ungefähr so, wie er es sich gewünscht hatte, in seinem geliebten Neuquén. Und bis zwei Tage vor seinem Tod besaß er die volle geistige Klarheit und ein beneidenswertes Gedächtnis. Als er seine Liebe zu Christus und den Menschen und zu seinen Hunderten von Freunden und Freundinnen nicht mehr weiter geben konnte, legte er seine Waffen nieder und sein Herz, das uns, die wir mit ihm lebten, so gefangen nahm. Er ging hinweg, um bei der Guten Mutter und Marcellin auszuruhen.

Dank für die große Zuneigung von euch allen, die ihn anregte, mit „Mut und Hoffnung" zu leben, wie er sagte...
und uns, seine Mitbrüder, wie ein Segen ergriff. Dank für die Betroffenheit und die Anwesenheit von vielen von Euch in diesem Augenblick.
Heute, an einem schönen Sonnentag, sind wir bei ihm in der Kapelle „Unsere gute Mutter" in der Schule. Um 16:00 Uhr wird der Pfarrer unserer Pfarrei, Herr Maximilian, die Messe feiern. Dann werden wir uns nach Lujan begeben, wo seine sterblichen Überreste an der Seite der anderen verstorbenen Brüder der Provinz ruhen werden.
Er hat uns viel hinterlassen. Wir werden den geliebten Deutschen sehr vermissen.

Ein brüderlicher Gruß

Die Fratres Andrés, Adam und Horacio

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Wissenswertes über den Missions- und Ausbildungsorden

Maristen sind eine Gruppe von Ordensgemeinschaften in der katholischen Kirche, die in ihrer Ausrichtung und ihrer Geschichte eng miteinander verwandt sind. Zu ihnen gehören die Maristen-Schulbrüder (F.M.S.), die Maristenschwestern (S.M.), die Maristenpatres (S.M.) und die Maristenmissionsschwestern (S.M.S.M.), sowie die Laienmaristen.

Gründer der Maristen-Patres ist Jean-Claude Colin. Er gründete 1816 zusammen mit Jeanne-Marie Chavoin auch die Schwestern vom heiligsten Namen Mariä oder Maristen-Schwestern. Gründer der Maristen-Schulbrüder war 1817 Marcellin Champagnat.

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Die Patres und Brüder der »Gesellschaft Mariens«
verstehen sich als Menschen,
die Hoffnung haben und glauben,
die aus dem Glauben leben und handeln
und dies in Gemeinschaft Gleichgesinnter tun,
die für andere da sind,
sich am Evangelium, am Beispiel Jesu und Marias orientieren.
Sie verstehen sich als Menschen,
die mit anderen beten, meditieren, arbeiten
und aus der Erfahrung eines guten Gottes
immer wieder neu anfangen.

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