Seelsorge

Gedanken-Anstöße

 

„Manchmal gibt's Dinger, die gibt's net!"

WORT ZUM SONNTAG, 8.8.2010 

Der Tag fing gut an: Zuerst die kurzfristige Absage eines Treffens, das mir wichtig war. Dann musste ich meinen kränkelnden Hund in die Tierklinik bringen, ihn mit Tränen in den Augen dort zurücklassen und alleine mit einer erschreckenden Diagnose nach Hause fahren: Wird er's packen? Und schließlich die Nachricht, dass aus dem ersehnten Wanderurlaub wahrscheinlich nichts wird, da mein Freund leider keinen Urlaub bekommt. So einen Tag braucht man eigentlich nicht unbedingt. Ärger, Enttäuschung, Zorn, Ohnmacht, ... Ein Gefühlsmix der besonderen Art und die Lust am Leben ist mit einem Mal vergällt. Warum passiert das ausgerechnet mir? In mir kämpft es um meine Erwartungen und ringt schmerzlich um „mein" Leben.

Und wenn mir dann einer so etwas sagt: Sorgt euch (doch) nicht, ängstigt euch (nur) nicht! Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß (doch), was ihr braucht. Dann kann mir manchmal sogar Jesus mit seinen frommen Sprüchen gestohlen bleiben. Denn mit mir geschieht ja jetzt genau das Gegenteil. Das kann ich mir auch nicht ausreden lassen. Was tun, wenn die Seele brennt und das Herz blutet? Wie locker betet sich (immer?): „dein Wille geschehe". Und dann fällt mir der biblische Jakob ein, der am Jabbok mit seinem „Schicksal" ringt und es nicht bezwingen kann. Er hält das Überwältigende aber fest und sagt: „Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich".

Doch dann schaue ich genauer hin auf die Stelle des Lukasevangeliums, die ich zufällig aufgeschlagen habe und stoße auf ernüchternde Fragen Jesu: Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt, warum macht ihr euch Sorgen um all das übrige?
Also alles ein Sturm im Wasserglas?! Wenn ich doch nichts ändern kann, warum dann diese Aufregung? Schließlich muss ich, was kommt, am Schluss doch akzeptieren. Und wenn mir wie bei Hiob alles genommen wird, was mir ‚lieb und teuer' ist, so bleibe dennoch ich übrig: nur ich allein überdauere das Leben und das, was es bietet - „Glaub' ich nicht, dann bleib ich nicht". Und Jesus sagt mir Kleingläubigem, dass das genug ist für meine noch ausstehende Zukunft, die allein und nur von Gott kommt. Vergangenes qualifiziert Leben nicht mehr. Und mit dem, was dann kommt, gibt es noch genügend Aufregendes zu erleben. Man muss nur genauer hinschauen und staunen lernen. Jesus sagt: Euch soll es (nur) um das (Reich Gottes) gehen; dann wird euch das andere dazugegeben.

Recht hat er! Auch wenn's schwer fällt. „Zu leben" muss man täglich neu lernen in Erwartung des Kommenden, das auch in der Krise Herausforderung zur Vollendung ist.

Hans Blamm.

 

siehe hierzu auch  > NEUIGKEITEN rund um den Kirchturm