Versöhnung beim Lichterfest
Seit Ende der Konzertpause saß das junge Pärchen in der Mitte des Lichtbildes der Gemeinde St. Marien, genau zwischen Gottvater und Adam. Am Ende des stimmungsvollen Konzerts der Frankfurter Philharmonie im Offenbacher Büsingpark erhob es sich zum Weggehen.
Ich wollte die Beiden unbedingt ansprechen, ging zu ihnen hin und fragte sie fröhlich, ob sie heute früh gedacht hätten am Abend so nah beim Gottvater zu sitzen?
Sie lachten und sagten, dass sie das nicht gedacht hätten, zumal sie mit der Kirche nicht so viel zu tun hätten. Zuerst erkannten sie das Bild auch gar nicht.
Nun fragten sie mich, ob ich „ihre" Geschichte hören möchte. Ich bejahte dies und war neugierig.
Beide erzählten abwechselnd, dass sie, verheiratet und ein Kind, seit Donnerstag zerstritten waren. Er ging am Freitag zur Arbeit, sie war zu Hause. Am Abend wollten sie zum Lichterfest gehen, machten allerdings keinen genauen Treffpunkt aus.
Sie kamen aus verschiedenen Richtungen und trafen sich, etwas zeitversetzt, bei dem Bildmotiv „Schöpfungsgeschichte", dem Stand von St. Marien. Und weil nirgendwo ein freies Plätzchen war, setzten sie sich genau zwischen Gottvater und Adam. Sie lauschten der Musik und erkannten irgendwann, durch die beiden zueinander gestreckten Arme, das Bild von Michelangelo. Darüber tauschten Sie ihre Gedanken aus, hatten Zeit zum Reden, kamen sich wieder näher und versöhnten sich.
Sie sagten, dass das Bild ihnen auf jeden Fall dabei geholfen habe.
Ich entgegnete, dass sich der Aufwand dieses Lichtermeeres allein schon für sie beide gelohnt hat. Wir drei freuten uns darüber und waren glücklich!
Ich wünschte ihnen für ihre Zukunft alles Gute und öfter Zeit für solche Augenblicke. Freudestrahlend trennten sich danach unsere Wege.
Übrigens habe ich die Erlaubnis des Pärchens „ihre" Geschichte weitererzählen zu dürfen. Super!
Brigitte Füssel, 25.08.2010
Mehr über die Lichterfeste 2004-2010 im Büsingpark, siehe ... >

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