Neue Bücher für die Winterzeit:
Stockett, Kathryn: Gute Geister
Das Schicksal dreier Frauen in den Südstaaten der USA in den frühen 60er Jahren.
Skeeter, Aibileen und Minny - drei Frauen aus dem kleinen Jackson in Mississippi. Auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam und dennoch kreuzen sich Wege und das Schicksal verbindet sie für immer. Skeeter kehrt 1962 auf die Baumwollfarm ihrer Eltern zurück und muss sich dort gegen die konservativen Sitten behaupten. Dabei begegnet sie zwei schwarzen Frauen: dem Dienstmädchen Aibileen und Minny. Die Begegnung der drei Frauen wird zu einer tiefen Freundschaft. - Kathryn Stockett hat einen berührenden Roman mit einer großen erzählerischen Kraft geschrieben, der viele Leser ergreifen wird. Dabei artet die Handlung nie ins Kitschige aus, sondern verläuft gradlinig und spannend. Sehr zu empfehlen!
Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini
Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung für einen Mörder, dessen Opfer ein grauenvolles Geheimnis mit sich trug.
Fabrizio Collini arbeitete 34 Jahre lang für einen deutschen Konzern. Als der mittlerweile Pensionierte offenbar grundlos in einem berühmten Berliner Hotel den Großindustriellen Hans Meyer in seiner Suite erschießt, bekennt er sich sofort schuldig. Der junge Strafverteidiger Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung und macht sich auf die Suche nach dem Motiv. Obwohl er mit Schrecken feststellen muss, dass er selbst im Haus des Opfers als Kind ein und aus ging, nimmt Leinen die Arbeit auf. Er erinnert sich, dass der Erschossene immer der fürsorgliche und liebevolle Großvater für seine Enkel Philipp und Johanna war. Doch als Caspar Leinen eines Tages nach Ludwigsburg reist und in einem Archiv tagelang Akten wälzt, macht er eine furchtbare Entdeckung, die das Opfer selbst zum Täter werden lässt. Auch nach einem Bestechungsversuch durch den Justiziar der Firma lässt Leinen nicht locker. Im Gerichtssaal deckt er Meyers Vergangenheit auf ... - Der Autor, selbst anerkannter Strafverteidiger, wirft spannende Fragen des deutschen Rechts und der deutschen Rechtsgeschichte auf. In die Figur Hans Meyer ist offenbar der Großvater des Autors eingeflossen, Baldur von Schirach. Dieser musste sich als Anhänger Hitlers im Nürnberger Prozess verantworten. Ferdinand von Schirachs Roman ist spannend wie ein Kriminalroman, locker-leicht erzählt und wirft zugleich existenzielle Fragen auf. Der Erzähler nimmt sich selbst zurück und überlässt es dem Leser, bei Fragen u.a. nach Schuld und Verantwortung, nach Recht und Gerechtigkeit Position zu beziehen. Ein gelungener und lesenswerter Roman.
Kim Edwards: See der Träume
Spannende, gefühlvolle Geschichte über eine junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst auch ein unbekanntes Familienmitglied findet.
Eigentlich sollte sie glücklich sein: Mann, Wohnung, einen Beruf, den sie dank des Mannes nicht auszuüben braucht, und jede Menge Freiraum für sich. Doch Lucy fühlt sich eigentlich nur leer und unsicher. Daher reist sie zu ihrer Mutter nach Upstate New York, vorgeblich, um ihr nach einer OP beizustehen, doch eigentlich sehnt sie sich nach Halt. Den findet sie aber zunächst auch in der Heimat nicht: Sie begegnet ihrem langjährigen Exfreund und verliert deswegen fast den Boden unter den Füßen, sie entdeckt ein geheimnisvolles Papier, das Hinweise auf ein lang verschüttetes Familiengeheimnis birgt, und sie gerät immer mehr ins Zweifeln, was mit ihrem Vater tatsächlich geschehen ist - war es wirklich ein Angelunfall, durch den er gestorben ist? Als schließlich auch noch ihr Freund anreist, der gerade aus ethischen Gründen gekündigt hat, fühlt sie sich wirklich verloren - und schafft es doch, ein Familiengeheimnis zu lüften und einen längst vergessenen Teil ihrer Familie - und sich selbst - wieder nach Hause zu führen. - Emotional, spannend und in zartfarbenen Worten führt Kim Edwards ihren Leser in eine konfliktreiche Innenwelt der unsicheren Protagonistin. Obwohl bisweilen gängige Klischees des Familien-Frauen-Romans bedient werden, zeichnen den Roman doch die malerische Stimmung und die satten Farben aus, mit denen die rätselhaften Enthüllungen der eigenen Familiengeschichte gezeichnet werden. Ein zarter Roman zum darin Versinken.
Friedrich Ani: Süden
Kaum zurück in München, beauftragt man Tabor Süden als Privatdetektiv mit einem schwierigen Fall: Der Wirt Raimund Zacherl ist vor zwei Jahren verschwunden, nachdem er sich vollkommen verändert hatte. Was hat den ehemals leutseligen Wirt dazu bewogen, seinen "Containeralltag" zu verlassen? Mit seinen eigenwilligen Methoden findet Süden Zacherls Spur und verfolgt sie bis nach Sylt und schon längst hat er begriffen, dass niemand den Mann wirklich kannte."Das ist das Krimi-Comeback des Jahres" BRIGITTE, 19.04.2011Friedrich Ani, geb. 1959 in Kochel am See, ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Neben dem Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums erhielt er zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden.
Für Liebhaber historischer Romane:
Alioth, Gabriele: Die griechische Kaiserin
Fortsetzung der fesselnden Geschichte um Theophanu, die Frau Kaiser Ottos II.
Theophanu, die oströmische Gemahlin Kaiser Ottos II., ist mittlerweile als Herrscherin anerkannt und wirkt als kluge Politikerin. Doch nicht alle sind ihr wohlgesonnen. Und Theophanu hat auch noch eine große Aufgabe: Sie möchte ihren Sohn Otto als Nachfolger seines Vaters zum nächsten Kaiser krönen lassen. Als ihr Gemahl Otto II. nach Italien zieht, um ein Heer gegen die Sarazenen aufzustellen, reist sie mit. Doch ihr Mann gerät in einen Hinterhalt, wird vernichtend geschlagen und stirbt kurz darauf. Als nun Theophanus ärgster Gegner, Heinrich von Bayern, den kleinen Otto in seine Gewalt bekommt, muss Theophanu alle List aufbieten, um ihren Sohn zu retten. Doch es gelingt ihr letztendlich, und als Regentin für den minderjährigen Otto, der als Otto III. später Kaiser wird, geht Theophanu als erste alleinherrschende Kaiserin im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in die Geschichte ein. - Wie auch im ersten Roman um Theophanu (Die Braut aus Byzanz, 2008) zeigt die Autorin, dass sie ihre Kunst beherrscht: Sie hat den historischen Hintergrund nicht nur glänzend recherchiert. Es gelingt ihr auch, die Personen so farbig und vielfältig zu gestalten, dass sie überaus unmittelbar wirken und den Leser schon mit Beginn des Romans in den Bann der Handlung ziehen.
neues Hörbuch!
Anne und Even Holt: Kammerflimmern
Sara Zuckerman ist die neue Chefärztin an der Osloer Edelklinik. Doch schon der erste Patient der renommierten Herzchirurgin stirbt auf unerklärliche Weise: ein hoch sensibler Herzschrittmacher verursacht kurz nach der OP einen Herzstillstand Mord oder technisches Versagen? Schockiert und höchst beunruhigt suchen Sara und ihr Assistent Ola nach den Ursachen dieses Todesfalls. Als ein zweiter Patient stirbt, wird eines schnell klar die Lösung liegt nicht bei den Opfern. Sind die Klinik und der Hersteller das eigentliche Ziel dieser Morde? Oder sogar Sara selbst?Even Holt, 1963 geboren, arbeitet als Herzspezialist und Chef der Kardiologie in einer Klinik bei Oslo.Anne Holt, geboren 1958 in Norwegen, arbeitete nach ihrem Jurastudium als Journalistin, Polizistin und Anwältin, bevor sie 1996 für kurze Zeit norwegische Justizministerin war. Ihre psychologischen Kriminalromane avancierten zu Bestsellern und wurden mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet.
neues Sachbuch:
Wolfgang Bergmann: Lasst Eure Kinder in Ruhe!
Warum die maximale Förderung nicht immer die optimale Erziehung ist.
Das Interesse der Eltern an einem erfolgreichen Leben ihrer Kinder treibt bisweilen seltsame Blüten: Bereits in der Kindheit, die ursprünglich eine unbeschwerte und ruhige Lebensphase war, lässt man die Kinder einen stressigen Erwachsenenalltag meistern, um sie frühzeitig bestmöglich zu fördern und auf das Leben vorzubereiten. Der verstorbene Erziehungsexperte Wolfgang Bergmann (1944-2011) sieht einen der Gründe für dieses Verhalten darin, dass Eltern heute so gut wie nie zuvor über die Entwicklung ihrer Kinder aufgeklärt werden und bei kleinen Abweichungen von der Norm Hilfsmaßnahmen angeboten bekommen. Dagegen sollten Eltern zu mehr Gelassenheit gelangen und nicht mehr allein die bestmögliche intellektuelle Förderung ihrer Kinder als Hauptaufgabe in der Erziehung betrachten. Auch die Gehirnforschung betont immer wieder, dass einzig das ganzheitliche Lernen zu einem langfristigen Erfolg führt, wohingegen Frühfördermaßnahmen in Kitas und Kindergärten, die schülerähnliches Verhalten von den Kleinen fordern, diese höchstwahrscheinlich nicht dem gewünschten Ziel näherkommen lassen. Zur Verunsicherung vieler Eltern tragen aber auch die veränderten Familienstrukturen bei, da Erziehungswissen nicht mehr in so großem Umfang tradiert wird und gleichzeitig weniger Zeit mit dem Nachwuchs verbracht werden kann, dabei könnte eine Gutenachtgeschichte vor dem Zubettgehen vielleicht mehr erreichen als eine Leseförderung im Anschluss an den Kindergarten.





