„ Er führte mich hinaus ins Weite; er befreite mich, denn er hatte an mir gefallen.“
(Ps. 18,20)

In vielen Texten der heiligen Schriften begegnet uns Gott als befreiende Kraft. Hier dankt der Verfasser des Psalms dem Herrn für seine Rettung und Befreiung.

Befreiung (1)
In vielen Ländern der Erde leben Christen in gefährdeten und unsicheren Verhältnissen, sie werden benachteiligt, verfolgt, nicht selten werden sie Opfer von Gewalttaten, viele werden getötet – gerade in diesen Tagen wieder im Norden Nigerias. Kaum zur Kenntnis genommen wird, dass von allen Religionzugehörigen die Christen am stärksten und häufigsten verfolgt werden. Wir sind gefordert: Wir schulden den Verfolgten unsere Solidarität. Ihr Schicksal darf nicht länger beschwiegen werden. Wo Hilfe geleistet werden kann, muss sie auch erfolgen. Im Gebet sollten wir darum bitten, dass Gott sie in die Freiheit und Weite führt.

Freiheit

Befreiung (2)
Man kann nicht nur Gefangener in Haftanstalten sein, man kann sich auch geistig gleichsam in einem Gefängnis befinden. Das gilt auch innerhalb der Kirche. Wenn  man an Überholtem klebt, das gar nicht zur Substanz gehört; wenn die Bereitschaft fehlt, hergebrachte Positionen und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Das Vertrauen auf Gott, der uns in die Weite führt, kann uns helfen, solche geistigen Gefängnisse zu verlassen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen, das Bewahrenswerte zu erhalten und uns dem notwendigen Wandel zu öffnen. In diesem Jahr steht der 50. Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, das die Erneuerung vorantreiben wollte, auf dem Kalender. Dieser Jahrestag sollte zum Anlass genommen werden, die Situation der Kirche und der Gemeinden kritisch zu bedenken und Neues zu wagen.
 

Gedanken von Christoph Stillemunkes