"SEHT DAS ZELT GOTTES UNTER DEN MENSCHEN"

  

Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kreuz

Kirche

Kirche
Kirche

Kirche

Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Kirche
Taufstein
Madonna

 

Kirche
Kirche

 

 

 

 

 

 

Die Texte wurden dem Bildband entnommen: Mainzer Kirchenführer, Entdeckungen in katholischen Kirchen in und um Mainz. Herausgegeben von Jürgen Nikolay, Leinpfad-Verlag.
Die Originaltexte wurden leicht geändert
.

 

Franziskus Text:
Dr. Ulrich Eicheler

 

Am 28. Oktober 1984 weihte Bischof Professor Dr. Karl Lehmann die Kirche der katholischen Pfarrgemeinde in Mainz-Lerchenberg feierlich ein.

 

 Siebzehn Jahre hatten die „Pioniere" der Jubiläums­siedlung, die aus Anlass der 1962 veranstalteten 2000-Jahrfeier der Stadt errichtet worden ist, darauf gewartet.

 

Umso größer war die Freude über das erkämpfte und gelungene Gotteshaus.

 

Es bedeute­te den städtebau-lichen Abschluss des neuen Stadtteils von Mainz.

 

Bereits 1968 hatte sich die noch kleine Kirchengemeinde in einer geheimen Abstimmung für den hl. Franziskus als ihren Namenspatron entschieden; ein Novum in der Diözese Mainz.

 

Als Begründung für diesen Namen wurde angegeben: „Er ist ein Universal- und ökume­nischer Heiliger und seine Lebensform ist der Kirche von heute am angemessensten.

 

Die Gremien der Pfarrei hatten sich fast einein­halb Jahre mit konkreten Fragen des Kirchbaus auseinandergesetzt.

 

Nach dem Wunsch der Gemeindemitglieder sollte der Kirchbau ge­mäß den Lebensprinzipien des hl. Franziskus einfach in seiner Ge­staltung werden und „ein Zeichen sein, das nicht umgangen und nicht übersehen werden kann, ein Zeichen, das im besten Sinne des Wortes im Weg steht".

 

Der aus einem Wettbewerb von Architekten aus Rom, Wien, Ludwigshafen und Köln hervorgegangene Kirchenbau weist eine Reihe von Besonderheiten auf.

 

Zu ihnen gehören 23 Glasfenster von Ge­org Meistermann.

 

Seine Fenster zählen zu den bedeutendsten der Glaskunst im 20. Jahrhundert.

 

Gleich beim Betreten des Vorraums der Kirche trifft der Besucher auf ein überaus farbenfreudiges Fen­ster mit dem brennenden Dornbusch und den Zehn Geboten. „Zieh die Schuhe aus, Mose, denn dies ist heiliger Boden!"

 

Die Schuhe sind zu sehen, Moses nicht; der Eintretende wird gewissermaßen selbst zu Moses.

 

Im zweiten Vorraum, als Werktagskapelle konzipiert, leuchten dem Besucher das Fenster mit dem stigmatisierten Franziskus und das Fenster mit den Symbolen für Glaube, Hoffnung und Liebe entgegen.

 

Dort steht auch eine Bronzestatue des Namenspatrons der Kirche.

 

Rechts neben dem Franziskusfenster hängt ein farbiges Kruzifix mit den Symbolen der Evangelisten an den vier Kreuzenden; ein Hinweis darauf, dass die Evangelisten verkündet haben, was am Kreuz geschehen ist.

 

Der Korpus ist relativ klein ausgeführt; so wird die ganze Ohnmacht des Gekreuzigten ausgedrückt.

 

Beim Betreten des Hauptraumes durchschreitet der Besucher den "Strom der Gnade", ein Tor in einer riesigen grauweißen Glaswand.

 

Der Kirchenraum besticht durch manche Eigenwilligkeiten in der Form- und Farbgebung seitens des Kölner Architektenteams Hans Schilling und Peter Kulka.

 

Der rötliche Farbton des verputzten Mauerwerks - Zeichen der bergenden Liebe Gottes (Psalm 139) - erinnert an die in der Heimat des hl. Franziskus vorkommende Gesteinsfarbe.

 

In dieser sind auch die zahlreichen Lampen in Form stilisierter Engel gestaltet.

 

Im Mittelpunkt des asymetrischen Raumes, der als Zelt Gottes unter den Menschen gedeutet wird, steht eine mächtige, das Kreuz bzw. den Zeltmast darstellende Balkenkonstruktion.

 

Sie trägt die zum blauen Himmel geformte Holzdecke der Kirche.

 

Den optischen Abschluss und thematischen Höhepunkt bildet das Auferweckungsfenster im Chor der Kirche.

 

Es ist das letzte Fenster des Kreuzwegzyklus von Georg Meistermann.

 

Dazu schreibt Josef Beheim, Pfarrer in St. Franziskus von 1980 bis 1996 und studierter Kunsthistoriker:

 

"Der Künstler hat dem Auferstandenen kein Gesicht gemalt.

 

Jeder darf sein eigenes Gesicht in diese Gestalt setzten . . . Solange nicht alle beim Herrn sind, ist die Gestalt Jesu noch nicht abgeschlossen."

 

Zu dem gesamten Kreuzweg gibt Beheim, der bei dem Entstehen der Fenster siebenJahre mit dem Künstler zusammengearbeitet hat, nachstehende Er­läuterungen:

 

„Professor Meistermann wollte in seinem Lerchenberger Kreuzweg . . . Denkanstöße geben in zeichenhafter Form.

 

Er wollte keine harmlosen und glatten Bilder malen.

 

Man darf die Bilder nicht schön finden, sie wollen uns vielmehr betroffen und nachdenklich machen.

 

Das erste Fenster des Kreuzwegs in der Taufkapelle rechts neben dem Altar zeigt die Szene Jesus vor Pilatus.

 

Den popanzhaft thronenden Pilatus überragt ein aufrechter Jesus.

 

Weitere Meistermann-Fenster stellen Christi Geburt dar (rechte Kirchenwand), den heiligen Petrus (rechts daneben), das Himmlische Jerusalem (an der Rückwand) und die Seligpreisungen (links neben der Orgel).

 

Der romanische Korpus des Kreuzes hinter dem Altar ist der Nachguss eines Kreuzes aus Verden an der Aller aus der Zeit um 1060.

 

Der Altarsockel enthält einen sichtbaren Schrein mit Reliquien der heili­gen Märtyrer Basilius, Cyprian und Valerius.

 

Tabernakel, Ambo und Taufstein wurden vom gleichen Bildhauer geschaffen.

 

Die anmutige neuromanische Madonna mit dem Jesuskind (rechte Kirchenseite), wendet sich dem Betrachter voll Güte zu.

 

Nahezu die gesamte Ausstattung der Kirche einschließlich der fünf Glocken und der Orgel stifteten Mitglieder der Gemeinde.

 

Der zweite Ausgang der Kirche führt in eine zum Teil überdachte Vorhalle in Anlehnung an das Paradies frühchristlicher Basiliken.

 

(Paradies.jpg; 18 kB)