Unsere Kirche Maria Königin in Mainz-Drais, ein Geschenk der Jesuiten.
Textquelle: Mainzer Kirchenführer, Entdeckungen in katholischen Kirchen in und um Mainz
Text: Dr. Rainer Metzendorf
Eine Besonderheit der Katholischen Kirche in Drais ist ihre bedeutsame und zugleich wechselvoll Geschichte.
Ursprünglich stand hier die Hauskapelle eines fränkischenAdelshofes, der in karolingischen Zeiten Teile des Königswaldes, einen Bannforst der Ingelheimer Kaiserpfalz, verwaltete. Durch eine Schenkung kam das Anwesen später in klösterlichen Besitz. Im Jahre 1670 erwarben die Jesuiten das auf der Hochebene liegende Klostergut, um in den damals unsicheren Zeiten einen gesunden Zufluchtsort zu finden und zugleich als Selbstversorger unabhängig zu bleiben.
Kurfürst Daniel Brendel von Homburg hatte den Orden zur Belebung der Universität und des Katholischen Glaubens nach Mainz geholt. Die Jesuiten, die mit dem Kauf des Klosterhofes auch die Seelsorge für Drais übernommen hatten, legten das in den Wirren des 30-jährigen Krieges heruntergekommene Gotteshaus nieder und errichteten von 1737 bis 1738 an gleicher Stelle, direkt über dem Heiligtum des Vorgängeraltares, eine im Grundriss doppelt so große Kirche.
Nach Auflösung des Jesuitenordens (1773) und der folgenden Säkularisation war die Draiser Pfarrei von 1797 bis 1952 eine Filiale von Finthen. Zur symbolischen und rechtlichen Beendigung der mittelalterlichen Pfarrei Drais wurde damals der historische Taufstein nach Finthen beordert, wo er bis heute in der Pfarrkirche St. Martin aufgestellt ist.
Im Inneren erhält das Hauptschiff durch den dreiseitigen, raumbreiten Ostchor, die gegenüberliegende Westempore, die Rundbogenfenster und die kaum vortretenden Wandpfeiler eine klare Gliederung, die dem äußeren Erscheinungsbild entspricht.
Die Kirche wurde während der französischen Revolution geplündert und 1794 sogar als Stall missbraucht.
Aus diesen Gründen sind von der ursprünglichen Innenausstattung nur wenige Elemente erhalten. Zum einen ist es die in der Tradition der Spätgotik gestaltet, aus Ton gebrannte und übermalte Pieta (zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts) im Seitenschiff.
Beherzte Draiser hatten sie seinerzeit vor der Zerstörung gerettet.
Zum anderen ist es das an der Nordwand unterhalb der Empore angebrachte "Pesttuch" von 1632, das im Zusammenhang mit der verheerenden Epidemie zwischen 1632 und 1635 stehen dürfte.
Auf diesem Seidentuch ist mit Goldfäden ein Totenkopf mit gekreuzten Gebeinen gestickt. Die lateinische Inschrift lautet: VIVIT POST FUNERA VIRTUS (Es lebt nach dem Tode die Tugend).
Raumbeherrschender Mittelpunkt des Kirchenschiffes ist der barocke, dreigeschossige Hochaltar (um 1730), ein 1844 erworbener, ehemaliger Seitenaltar von St. Quintin in Mainz.
In seinem Mittelteil ist als farbiges Holzrelief die Himmelfahrt Mariens und im Oberteil als Ölbild ihre Krönung durch die heilige Dreifaltigkeit dargestellt.
Als wohl einmalige Kuriosität kommt hier der Heilige Geist in Gestalt einer Taube gleich zweimal vor - sicherlich das Ergebnis einer unbedachten Überarbeitung.
Zwei aus Holz geschnitzte, stark vergoldete Statuen flankieren als Patrone der Kirche den Chor.
Rechts die Figur des Heiligen Petrus (um 1740), dem ursprünglichen Beschützer und links Maria Königin (um 1740), der das Gotteshaus seit 1974 geweiht ist.
Bemerkenswert ist der dreiachsige Orgelprospekt (1873) auf der Empore. Die Orgel ist ein Meisterwerk von Johannes Schlaad, die viertälteste, weitgehend original erhaltene Orgel von Mainz, und wird heute noch gespielt.
Das große Kruzifix (1862) und die
Figurengruppe der Vierzehn Nothelfer(um 1830) an der Nordseite stammen aus der Maria-Hilf-Kapelle, die zwei Draiser 1861 am südlichen Ausgang als Zeichen der Heiligenverehrung gespendet haben.
Die vierzehn Nothelfer: von links: Pataleon
- Aegidius
- Dionysius
- Katharina
- Vitus
- Georg
- Achatius
- Cyriakus in der Mitte Jesus Christus
- Blasius
- Christopherus
- Austachius
- Margarete
- Pantaleon
- Barbara
- Erasmus









