Fürchtet euch nicht!

Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis (A)- 21./22.6.2008

Pfarrer Hans-Peter Weindorf

Lesung: Röm 5,12-15
Evangelium: Mt 10,26-33

Schrifttext (Mt 10, 26-33)

Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.
Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.
Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Predigt

Haben Sie es bemerkt und mitgezählt?

In dem recht kurzen Evangelium dieses Sonntags haben wir es dreimal gehört.
„Fürchtet Euch nicht!"
Und es klingt fast so, als wolle es Jesus beschwörend seinen Jüngern mit auf den Weg geben. Ahnt ER vielleicht, wie sehr sie sich vor der Zukunft fürchten - vor dem, was auf sie zukommt? Spürt ER schon, dass sie sich ihrer Sendung und Aufgabe nicht gewachsen fühlen, dass sie sich am liebsten verkriechen würden?

"Fürchtet Euch nicht, meine Jünger!" -
Und:
„Fürchtet Euch nicht, Ihr Christen heute!"

Unsere Furcht

Aber brauchen wir denn eine solche Ermunterung?
Haben wir ein so eindringliches Wort nötig?
Lähmt die Angst etwa auch uns?
Verfolgungen haben wir - wenigstens in unseren Breiten - nicht zu fürchten!
Wir können unser Christsein ganz ungefährdet und ungeniert leben!
Und dennoch - glaube ich - hat das Thema „Angst" auch für uns heute seine Bedeutung:

Da ist Angst, da ist Furcht im Spiel - wenn ich mich am Arbeitsplatz ständig so bedeckt halte, dass ich mit meiner christlichen Grundeinstellung ja bei niemandem anecke.

Da ist die Furcht - wenn ich beim Gespräch unter Freunden meine Glaubensüberzeugung nicht einbringe und eher alles offen lasse, weil ich mir die Freundschaft der Anderen erhalten will.

Da gibt es die Furcht - wenn ich in der Familie um des lieben Friedens willen den Gottesdienstbesuch und meinen Einsatz in sozialen und karitativen Aufgaben ganz zurückstelle.

Da ist Furcht im Spiel - wenn ich bei Gesprächen mit Freunden und Bekannten keine Courage habe, für die einzutreten, die keinen guten Namen haben, für die sich niemand stark macht und einsetzt.

Da gibt es die Furcht, gegen den Strom zu schwimmen - gegen den Strom der vielen anderen Meinungen.

Und ... und ... und ...
Es gibt sie also auch bei uns:

Die Furcht, allein zu stehen -
die Angst, isoliert zu sein, nichts zu gelten, ausgegrenzt zu werden.

Flagge zeigen

Dem gegenüber steht die Frage Jesu: Und wie stehst Du zu mir? Wo bleibt Dein Zeugnis für mich?"

„Fürchte Dich nicht!" d.h. dann wohl auch: "Verkriech Dich nicht aus Angst! Lass Dir den Schneid nicht abkaufen!

Wenn Du zu meinen Jüngerinnen und Jüngern gehören willst, dann soll das spürbar, erkennbar, greifbar werden! Dann verlangt das Dein Zeugnis - nicht nur in schönen und
klugen Worten, sondern mit Deinem Leben. Dann darfst Du auch Flagge zeigen - so wie das in diesen Tagen viele Menschen tun , die mit Fähnchen ihrer Landesfarben durch die Lande fahren. (Anm. d. Red.: Die Predigt entstand während der Fußball-Europameisterschaft 2008)

Bei Jesus sind das nicht leere Worte. Er bekommt es ja am eigenen Leib zu spüren, was es heißt „Zeugnis zu geben" - sich für Gott und die Menschen einzusetzen.
Das braucht Mut.
Das kann unbequem werden.
Das kann sogar das Leben kosten.
Das ist SEINE eigene Erfahrung.
Und doch sagt ER zu denen, die ihm folgen:
„Fürchtet Euch nicht!" -

Gott im Rücken

Mit Gott im Rücken, in seinen Augen sind wir ALLE - jede und jeder von uns - unendlich kostbar und wertvoll,
und mit Jesus an unserer Seite
sollen und können wir entschlossen und mutig in dieser Welt leben.
Jesus macht uns unendlich viel Mut dafür. -
Und jemand hat es sogar gezählt:
„Fürchtet Euch nicht!/Fürchte Dich nicht!"

366 mal komme es in der Bibel vor:
Für jeden Tag im Jahr einmal - und für das Schaltjahr noch einmal extra dazu.
Jeden Tag, beim Erwachen, kann ich es mir sagen lassen:
„Fürchte Dich nicht!" -
„Egal, was kommt,
egal, was Du heute erleben musst:
‚Hab' keine Angst! Fürchte Dich nicht!
Ich bin bei Dir! Ich verlasse Dich nicht!'"
Darauf lässt sich bauen! - Finden Sie nicht auch?!

Pfarrer Hans-Peter Weindorf