Predigt von Pfarrer Weindorf zum Thema "Krankensalbung"
4. Fastensonntag - 1./2.3.2008
Seit den Tagen der Apostel feiert die Kirche die Krankensalbung als eine sakramentale Begegnung mit Christus. Ist einer von euch krank?", so heißt es im Jakobusbrief, „dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden egangen hat, werden sie ihm vergeben." (Jak 5,14f)
or noch etwa fünfzig Jahren wurde der Priester gerufen, wenn der Arzt mit seiner Kunst am Ende war, wenn es für den Kranken keine Hoffnung mehr gab. Dann kam der Priester - in Soutane und Rochett - mit der hl. Kommunion und dem hl. Öl - oft begleitet von Messdienern, die eine kleine Laterne mit einem Glöckchen dabei hatten.
Die Leute blieben stehen und machten eine Kniebeuge ... (manchmal vielleicht auch einen großen Bogen, wenn sie die kleine Prozession kommen sahen ...)
Ab dem 8. Jahrhundert wird das Sakrament der Krankenölung, der Letzten Ölung, zum Sterbesakrament, es wird zur Vorbe-reitung auf den Tod gespendet. Und bis zum heutigen Tag - Gott sei es geklagt! - hat sich das in den Köpfen der Menschen festgesetzt. -
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Letzte Ölung gibt es nicht mehr - schon seit mehr als 40 Jahren, seit dem II. Vatikanischen Konzil! -
Krank sein
‚Krank sein', vielleicht sogar ‚unheilbar krank sein' gehört zu den Grenzerfahrungen menschlichen Lebens. s kann passieren, dass wir aus unserem gewohnten Leben, aus unserer vertrauten Umgebung, aus unserem sicher geglaubten Beruf herausgerissen werden. ieles, was uns bisher wichtig war, verliert an Wert, wird mit einem Mal bedeutungslos. u den körperlichen und seelischen Schmerzen kommen Angst und Ungewissheit hinzu: Wie wird es weitergehen?"
Unser Leben ist in einer Krise, an einem Wendepunkt, an dem ich sehr oft Ausweglosigkeit breit macht. nser Leben wird plötzlich in Frage gestellt. Und wir erfahren, wie wenig wir unser Leben in der Hand haben, wie ohn-mächtig/ohne Macht /macht-los wir sind. lles ist uns aus der Hand genommen.
Wir spüren dies in unserer Gesellschaft umso mehr, da uns Tag für Tag - vor allem in der Werbung - Jugend, Schönheit, Gesundheit als die großen Ideale vorgestellt werden.
Alter und Leid, Krankheit und Tod werden verdrängt. Dahinter steht die Utopie von einem Leben ohne Leiden, die topie vom vollkommenen Glück - ohne Schmerz.
Es ist eine Utopie, ein Wunschtraum, der sich nicht erfüllt; denn wir wissen, dass zu unserem Leben in Gesundheit und Zufriedenheit auch die Kraft dazugehört, mit Krankheit und Leid umzugehen.
Kranke besuchen und beistehen
Woran halten wir uns fest, woran klammern wir uns, wenn uns alle Sicherheiten genommen sind?
Die vielen Kranken, die Aussätzigen, Gelähmten und Blinden, die Jesus begegnet sind, erleben in Jesus Halt und Sicherheit. Sie erfahren die Zusage Gottes, dass er gerade an den Grenzen unseres Lebens, in Zeiten der Krise, bei uns sein will. Das Verhalten Jesu gegenüber den Kranken ist für uns ein Aufruf, kranke Menschen zu begleiten und ihnen in schweren Stunden und Tagen beizustehen - sei es in der Familie, im Krankenhaus oder im Pflegeheim.
Die Kirche, die Gemeinde der Christen, kennt viele Möglichkeiten, wie wir die Kranken auf ihrem Weg begleiten können. Der Krankenbesuch gehört seit alter Zeit zu den Werken der Barmherzigkeit. Das verständnisvolle Gespräch kann dem Kranken helfen, Einsamkeit zu überwinden, Trost und Hilfe zu erfahren. Doch vor allem Reden kommt das Hören, das Sich-ein-fühlen-können in die Situation des kranken Menschen. Ja, gerade bei Schwerkranken erleben wir selbst oft eine große Hilflosigkeit und Ratlosigkeit.
Es ist wichtig, die vielen bedrängenden Fragen, die der Kranke hat und die wir selbst haben, zuzulassen und nicht mit billigen Vertröstungen zur Seite zu schieben. Die Not mit auszuhalten und die große Last der Fragen mitzutragen, kann ein schwerer, aber hoffnungsvoller Dienst sein, den wir unseren Kranken und Schwerkranken erweisen.
Ich weiß: Es ist leichter gesagt als getan! Manchmal drücken wir uns vor einem schwierigen Krankenbesuch herum, weil uns die richtigen Worte fehlen, weil es uns schwer fällt, unsere eigene Hilflosigkeit einzugestehen. Und doch bleibt es eine wichtige Aufgabe, der wir uns stellen sollen.
Die verschiedenen Hospizdienste - das Hospiz in Mainz-Drais, aber auch die vielen ambulanten Hospizdienste - leisten hier eine unverzichtbare Aufgabe, einen ganz wertvollen Dienst, den Sie bei Bedarf gerne in Anspruch nehmen können.
Die Verbindung zu unseren Kranken ist eine wichtige Sache. Oft kann das gemeinsame Gebet, das wir am Ende eines Krankenbesuches sprechen, unsere Verbundenheit mit dem Kranken noch einmal besonders deutlich machen.
An bestimmten Werktagen besuchen Herr Diakon Baum, Pfarrer Samy und ich unsere Kranken hier vor Ort und reichen ihnen die heilige Kommunion. An Ostern und Weihnachten verrichten unsere Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer diesen wichtigen Dienst. Die Hauskommunion/Krankenkommunion - wie wir sie nennen - ist ein deutliches Zeichen unserer Gemeinschaft mit den Gemeindegliedern, die wegen ihres Alters oder wegen einer Krankheit nicht an der Feier der Eucharistie teilnehmen können.
Die heilige Kommunion ist und bleibt - gerade in Zeiten von persönlicher Not und Krisen - Weg-Zehrung und Nahrung, Speise und Kraft für unseren Weg durch Licht und Dunkel.
Krankensalbung - Ablauf und Zeichen
Im Sakrament der Krankensalbung will der Herr dem kranken Gläubigen in besonderer Weise nahe sein. Er will ihn stärken und aufrichten. Dies kommt vor allem durch die Worte zum Ausdruck, die bei der Salbung gesprochen werden:
„Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des heiligen Geistes. (Amen.)
Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf. (Amen.)"
Dabei werden Stirn und Hände mit Krankenöl gesalbt.
Das bedeutet: Gott, der Herr, will unser ganzes Leben - unser Denken und Handeln, das Sichtbare und das Unsichtbare - mit seiner Liebe erfassen und bewahren. Die Salbung mit Öl (= Extrakt aus Baum und Frucht) wird bei vier Sakramenten vorgenommen: Taufe, Firmung, Krankensalbung und Priesterweihe.
Das zeigt uns, wie wichtig das Zeichen des Öls ist: Als Hilfe im Alltag beim Kochen und Heizen, als Medizin und Schutz für die Haut (z.B. im Sommer, wenn wir unsere Haut mit Sonnenöl einreiben). Öl heilt und stärkt. Jesus selbst wird ja der Gesalbte = Christus genannt. Könige, Propheten und Priester wurden mit Öl für ihr Amt gesalbt. Den Kranken soll die Salbung inneren Frieden, Trost und Freude bringen.
Die Handauflegung - das Halten der Hände, das Sie alle übrigens bei Schwerkranken und Sterbenden praktizieren können - und das Gebet verdeutlichen die liebende Nähe Gottes, der uns beistehen und uns Trost und Hilfe schenken will. Er will uns sagen: „Du bist nicht allein! Ich verlasse dich nicht!"
Krankensalbung - wann und für wen
Wann und wem kann die Krankensalbung gespendet werden?
- Vor einer schweren Operation kann die Krankensalbung empfangen werden.
- Sie kann allen gespendet werden, deren Gesundheitszustand durch Alter oder Krankheit angegriffen ist,
- ja auch Kindern, die begreifen können, dass sie durch dieses Sakrament Stärkung erfahren können.
Und noch etwas ist wichtig: Das Sakrament der Krankensalbung kann im Leben öfters
wiederholt werden. - Nach alledem wird deutlich, dass die Krankensalbung kein Sterbesakrament ist (wie es die ‚Letzte Ölung‘ früher war). Sie soll uns in schwerer Krankheit Trost zusprechen und innere Kraft schenken.
ie alle bitte ich mitzuhelfen, dass das Sakrament der Krankensalbung in diesem Sinn, wie ich es beschrieben habe, gesehen und geschätzt wird.
ch will aber noch eine andere Bitte anschließen: Geben Sie uns Nachricht, wenn Sie von kranken Menschen in unserer Gemeinde wissen oder wenn Sie selbst betroffen sind. Rufen Sie uns rechtzeitig und nicht dann, wenn es schon zu spät ist.
Wir alle dürfen die Sorge Jesu um die Kranken mittragen. Im Vertrauen auf Gott, der uns niemals fallen lässt, können wir uns mit unserem Leben - gerade in Zeiten von Krankheit und Not - in die Hände Gottes fallen lassen.
Pfarrer Hans-Peter Weindorf