"Klingelbeutel-Predigt"
8./9.11.2008
Pfarrer Hans-Peter Weindorf
„Bankenkrise" - „Finanzkrise" - „Weltwirtschaftskrise" ...
Und jetzt muss ich auch noch über Geld reden ... - vor allem über das Geld, das wir - sprich: unsere Kirchengemeinde - nicht haben! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich mir das Thema „St. Stephan und das liebe Geld'" schon ganz lange in meinen Predigt- und Terminkalender eingetragen. Da war von Bankenkrise noch keine Rede.
Aber was soll's? ... -
Versetzen wir uns einmal 40 Jahre zurück und lauschen mal einem Ehepaar kurz vor dem Kirchgang - nennen wir es der Einfachheit halber: Ehepaar Becker ...
„Auf Josef, beeil Dich; die Glocke läute schon un vergiss net die Mark fer de Klingelbeitel!"
„Die Mark fer de Klingelbeitel!"?
Und das im Jahre 1968!
Im Zuge der Euro-Umstellung wären das heute etwa 50 Cent.
Aber sagen Sie mir bitte einmal, was Sie heute noch für 50 Cent bekommen ...
Kosten, Kosten, Kosten...
Ich will Sie nicht mit Zahlen langweilen - im Gegenteil: Schauen Sie sich doch bitte einmal bei der nächsten Möglichkeit den Haushaltsplan unserer Kirchengemeinde an!
Lesen Sie sich einmal die verschiedenen Positionen durch, wenn unser Haushaltsplan veröffentlicht wird und für jedermann zur Einsichtnahme ausliegt. -
In diesem Jahr wird uns das Bistum € 80.750,- zuweisen. Das klingt zunächst hoch. Aber wissen Sie auch, was damit bezahlt wird?
... Personalkosten - wie z. B. Organisten, Chorleiter, Reinigungspersonal -, aber auch die Betriebskosten für Kirche, 14-Nothelfer-Kapelle, Pfarrhaus, Bücherei und Pfarrheim. Dazu kommen noch die Unterhaltungskosten für Büro, d.h. für Telefon, Computer, Kopierer, Drucker usw.
Bedeutung des Klingelbeutels
Alle Kosten, die durch die Zuweisung des Bistums nicht aufgefangen werden, müssen wir z.B. durch den so genannten „Klingelbeutel" abdecken. Das durchschnittliche Ergebnis beim Klingelbeutel sind an einem Wochenende ca. € 370,00. Diese Summe mal 39 Sonn- und Feiertage ergibt den Betrag von € 14.430,-.
Warum nur 39 Sonn- und Feiertage?
... weil die so genannten Hauptkollekten wie ADVENIAT, CARITAS, MISEREOR, MISSIO, RENOVABIS und DIASPORA-Kollekte ohne „Klingelbeutel-Abzüge" abgeführt werden müssen. Bei allen anderen Kollekten - wie z.B. die Kollekte für kirchliche Medienarbeit oder für geistliche Berufe - dürfen Anteile für den eigenen Klingelbeutel in der Pfarrei bleiben.
Noch eine Summe möchte ich Ihnen nennen:
An einem Wochenende im Winter, an dem die Heizung läuft, haben wir Energie-kosten von ca. € 400,-. Damit ist der eingesammelte Klingelbeutel allein für die Heizung aufgebraucht. Vergessen wir nicht die Kosten für Strom, liturgischen Sachbedarf, Reinigungsdienste und vieles mehr.
Und wäre da nicht eine Frau Brigitte Becker und Ehemann, die vor Jahren einen eigenen Garten für Kirchenblumen angelegt haben, die Kosten für Blumenschmuck würden noch einmal eigens zu Buche schlagen.
Sie können sich jetzt leicht ausrechnen, wie viel Geld allein unsere Kirche hier verbraucht - mal ganz abgesehen von den anderen Gebäuden, die es in unserer Gemeinde gibt.
Kurzum: Wir leben im Augenblick schon von der Substanz - von den Rücklagen aus früheren Jahren!
Immobilien: Sinkende Zuschüsse und hohe Ausgaben
Sie alle haben mitverfolgt, dass - bedingt durch die verminderten Steuereinnahmen - in den vergangenen Jahren auch in den Bistümern der Rotstift angesetzt worden ist.
Im Bistum Mainz stehen etwa 25 % der Immobilien zur Disposition.
Die Gemeinden müssen in Zukunft selber sehen, wie sie die Betriebskosten für die verschiedenen Gebäude auffangen können.
Auch unsere Gemeinde wird mehr denn je auf Spenden angewiesen sein.
Und wir werden auch überlegen müssen, ob wir zukünftig alle Gebäude, die ich
aufgezählt habe, unterhalten können. -
Im Verwaltungsrat haben wir vor einigen Wochen einmal zusammengetragen, welche Renovierungskosten in den nächsten 10 Jahren auf uns zukommen, und wir landeten bei einer Summe von € 842.000,-.
- Darunter sind z.B. hier in der Kirche die Fenster der Südseite, die reparaturbedürftig sind.
- Darunter ist das Barockportal (bei dessen Sanierung wir dankenswerterweise vom „Förderverein Rheinhessendom" unterstützt werden).
- Die Waschbetonplatten rings um die Kirche entwickeln sich da und dort zur Stolperfalle.
- Auch für einen schöner gestalteten und einladenden Vorplatz gibt es Ideen.
- und ... und ... und ...
Bei all diesen Vorhaben haben wir das Bistum mit im Boot, aber mindestens die
Hälfte der Kosten muss von der Gemeinde getragen werden. -
In jedem Haushalt, in jeder Familie gilt die Regel: "Ich kann nicht mehr Geld ausgeben als ich habe!"
Auf der anderen Seite spüren Sie: Das Leben einer Kirchengemeinde kostet auch etwas - und es ist nicht wenig, was es kostet.
Eine einfache Rechnung
Was die laufenden Kosten im Haushaltsjahr betrifft, möchte ich einmal folgende Rechnung aufmachen:
Wenn jeder Gottesdienstbesucher - und die Frauen sind hier ausdrücklich mitgemeint - € 1,00 Sonntag für Sonntag in den Klingelbeutel wirft -, dann sind dies bei 600 Gottesdienstbesuchern, Jung und Alt mitgezählt, € 600,00.
Damit könnten wir zwar keine großen Sprünge machen, aber die Situation bei den laufenden Betriebskosten wäre etwas entspannter. Der eine kann vielleicht etwas mehr geben - die andere etwas weniger, weil sie selbst sparen muss. -
Was können wir noch tun?
Wie können wir unserer Gemeinde - mal abgesehen vom Klingelbeutel - noch mehr unter die Arme greifen?
Da ist als erstes das Spendenkonto unserer Gemeinde - gedacht für alle möglichen Aufgaben unserer Pfarrei (siehe Konto-Liste am Ende der Predigt).
Das zweite Konto gehört zum „Förderverein Rheinhessendom", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich für den Erhalt unserer Kirche einzusetzen.
Das dritte Konto gehört der „Pfarrstiftung St. Stephan", die sich zum Ziel gesetzt hat, langfristig eine finanzielle Grundlage zu schaffen, mit der unsere Pfarrkirche und die 14-Nothelfer-Kapelle in ihrem Bestand gesichert werden können.
Der Grundgedanke dieser Stiftung ist, eine Kapitalrücklage zu schaffen, die auf lange Sicht hin gesicherte Erträge abwirft.
Zum Förderverein und zur Pfarrstiftung gibt es nähere Informationen in unserer Kirche bzw. im Pfarrbüro.
Jeder kleine und große Beitrag ist willkommen!
So ist die Pfarrstiftung z.B. vor wenigen Wochen in einem Testament bedacht worden.
Andere Gemeindeglieder lassen uns dann und wann - nach einem runden Geburtstag, nach einer Familienfeier - eine Spende zukommen. (Eine Spendenquittung folgt selbstverständlich!) -
Scheuen Sie sich bitte nicht, Ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den Gremien Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat anzusprechen.
Wir haben viele Kräfte, auf die wir bauen können. Mut und Phantasie, Ideen und Tatkraft sollten uns bei unseren Vorhaben nicht ausgehen. Das wird uns beflügeln.
Einsatzfreude und die Bereitschaft, auch die schweren Lasten mit zu tragen, das wünsche ich uns für die Aufgaben, die vor uns liegen!
Packen wir's an! Unser Einsatz wird sich lohnen!
Es dankt Ihnen: Ihr Klingelbeutel und Ihr Pfarrer Hans-Peter Weindorf!
Spendenkonten
Spendenkonto Pfarrei St. Stephan
(für alle Aufgaben in der Pfarrei):
Konto-Nr.: 30 0000 558
Bankleitzahl: 550 604 17
bei der VR-Bank, Mainz-Gonsenheim
Förderverein Rheinhessendom
(zur Erhaltung der Pfarrkirche St. Stephan)
Konto-Nr.: 32 336
Bankleitzahl: 550 604 17
bei der VR-Bank, Mainz-Gonsenheim
Pfarrstiftung St. Stephan:
(Zweck der Stiftung ist der Erhalt der Pfarrkirche St. Stephan und der 14-Nothelfer-Kapelle)
Konto-Nr.: 400 2929 029
Bankleitzahl: 370 601 93
bei der Pax-Bank, Mainz