Geistesblitz
Die Gewissheit der Glaubenden
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
(Röm, 8, 38-29)
Glück im Unglück
„Gott hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen (Ps 91,11)." An diesen Psalmvers mußte ich denken, als ich Tessa und Lisa begegnet bin im Krankenhaus: Tessa 15 und Lisa 9.
Die eine ist aus dem Fenster gefallen, fünf Meter in die Tiefe; die andere ist von einem Auto angefahren worden, in einer geschlossenen Ortschaft, mitten auf dem Bürgersteig.
- Das alles ging so schnell, Lisa wußte gar nicht, wie ihr geschah.
Tessa hingegen war ein bißchen übermütig beim Telefonieren; das ist manchmal so, wenn man jung ist. Erst waren die Beine noch im Zimmer, dann saß sie irgendwann draußen, auf dem Fensterbrett. Und plötzlich fiel sie. etzt weiß sie, wie schnell das geht. Und dass sie wohl etwas vorsichtiger werden muß. Aber Lisa?
Worauf soll sie jetzt noch vertrauen - wenn solche Dinge passieren, für die man doch überhaupt nichts kann...? ch überlege mit ihnen, ob ihre beiden Schutzengel wohl gerade geschlafen haben, als das passierte.
„Nein!", sagt Tessa. „Meiner hat bestimmt nicht geschlafen. Wenn ich nur dreißig Zentimeter weiter vorn gelandet wäre, dann wäre ich jetzt tot."
„Und meiner hat auch nicht geschlafen", sagt Lisa. „Wenn das Auto nicht noch gegen ein anderes Auto gefahren wäre, und danach auch noch gegen einen Mast, dann wäre ich jetzt vielleicht auch tot."
Also Glück im Unglück; die äußeren Verletzungen werden heilen. Es hätte viel, viel schlimmer ausgehen können.
„Gott hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen."
Das stimmt für die beiden Mädchen. - Auf der anderen Seite: Warum haben sie sie nicht gleich ganz vor dem Unglück bewahrt?
Ich glaube, es ist so:
Gott schickt seine Engel aus, um die Menschenkinder zu behüten.
Aber dass wir behütet sind, bedeutet nicht, dass wir vor allem Unglück bewahrt werden. Behütet sein heißt: wir sind nie wirklich allein gelassen, egal was geschieht. Im Glück nicht, im Unglück nicht, und auch nicht, wenn wir noch einmal davongekommen sind. Darauf vertraue ich.
Den beiden Mädchen wünsche ich von Herzen, dass sie ihr Vertrauen in das Leben zurückgewinnen. Denkt daran: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen."
von Cornelia Michels-Zepp, SWR1-Ansöße am 28.4.2008
Quelle: www.kirche-im-swr.de 28.4.2008
Es werde Licht! Zur Luminale
Es werde Licht! So heißt es ganz am Anfang der Bibel. Die ersten Worte Gottes sind das. Mit ihnen beginnt er sein Schöpfungswerk. Licht steht am Anfang der Welt - und jeder neue Tag beginnt damit: dass es hell wird, dass die Finsternis verschwindet, dass Licht wird. Ein bisschen ist es dann wieder so, als ob Gott etwas schaffen würde: diesen neuen Tag eben. Auch der Mensch kann Licht schaffen, im viel kleineren Stil natürlich. „Es werde Licht!" sagt er. Und zündet eine Kerze oder knipst eine Lampe an. Manche entwerfen sogar eine Leuchte, planen eine bestimmte Beleuchtung - in der eigenen Küche oder für ein Museum. Licht regt viele Menschen an: selbst schöpferisch, kreativ, künstlerisch zu sein. Auch der Mensch kann mit dem Licht etwas Neues, Besonderes entstehen lassen.
In diesen Tagen und auch Nächten ist das im Rhein-Main-Gebiet besonders gut zu sehen. Auf der „Luminale" , der„Biennale der Lichtkultur", seit letztem Wochenende und bis morgen Abend. Über 200 Lichtprojekte und Lichtinstallationen gibt es zu sehen. Am Mainzer Hauptbahnhof stehen fünfzig Wassertanks, die in allen Farben leuchten. Am Rheinufer lädt ein Lichtlabyrinth ein. Und die Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden ist neu erleuchtet, ihre massiven Pfeiler und ihre Stahlbögen werden nachts jetzt viel besser in Szene gesetzt.
Neues Licht: Das kann auch Dinge, die wir gut zu kennen meinen, ganz anders und neu aussehen lassen. In neues Licht getaucht, wirken sie ganz neu, unscheinbare Dinge sehen plötzlich ganz faszinierend aus, leuchten richtig. Auch mit Menschen kann das passieren. Manche muss ich nur mit neuem Blick und in einem neuen Licht sehen - und schon sieht er oder sie ganz anders aus.
Licht schafft nicht nur Neues am Anfang - es kann auch immer wieder aus Alt-Vertrautem ganz Neues machen. Licht ist eben etwas enorm Schöpferisches - von Anfang an und bis heute
Es werde Licht! Gott spricht das, am Anfang der Welt. Und auch der Mensch - sein Ebenbild - kann das sagen. Und damit Neues schaffen. Bei Dingen und Menschen. Jeden Tag.
Von Beate Hirt, Mainz, Katholische Kirche (SWR1-Anstöße, 10.4.2008)
Quelle: www.kirche-im-swr.de, Stand: 12.4.2008
Glück
Jetzt ist viel die Rede vom Glück vor Weihnachten.
„Glück, das ist ein Wort, das ich im Laufe meines Lebens öfter einmal aufgegriffen habe, -aber ich musste jedes Mal feststellen, dass es nicht stand hält“, schreibt die diesjährige englische Nobelpreisträgerin Doris Lessing in ihrem Roman „Memoiren einer Überlebenden“.
Wie geht es Ihnen, wenn sie nach dem Wort „Glück“ greifen?
Lässt es sich überhaupt greifen, das Glück. Können wir es in der Hand haben?
Können wir – einfach so- feststellen, was Glück ist?
Glück gehabt. Das kann sein. Im Nachhinein erkennen wir: Ja, das war’s. Das hat’s gebracht. Gerade noch mal vorbei geschrammt mit dem Auto. Gerade noch mal davon gekommen nach der Operation. Glück gehabt. Das kann sein. So ein Moment.
Die Bibel erzählt von solch glücklichen Augenblicken, die wir nicht in der Hand haben. Doch merkwürdigerweise gibt sie uns kein Programm für ein glückliches Leben. Aber sie sagt: Mensch, du bist glücklich, wenn du Leid tragen kannst. Mensch, du bist glücklich, wenn du es schaffst, einmal den untersten Weg zu gehen. Und all die Momente, in denen du das Glück erleben kannst, die werden dir geschenkt.
Glück, das ist eine Augenblicksache. Das kommt und geht. Du kannst es nicht in die Hand nehmen, schmieden, planen und machen- allen Glücksratgebern zum Trotz. Wäre ja auch schrecklich. Wenn alle, denen das Glück grade mal fern ist, selber schuld wären.
Die Bibel meint: Glück ist so etwas unsagbar Schönes. Das kannst du nur erleben. Von seinem Glanz kannst du etwas ausstrahlen. Dich freuen, dass es so etwas gibt, Augenblicke, in denen aufleuchtet, was größer ist als wir selbst.
Glück, ein Wort, auf das ich im Laufe meines Lebens immer wieder gestoßen bin, aber ich musste jedes Mal feststellen, dass ich es nicht fassen kann, weil es größer ist als alle meine Gedanken. Glückliche Momente: Ich habe erlebt, wie Menschen, die Leid tragen, getröstet werden. Wie Menschen, die eine ganz leise Stimme haben und schwach sind, etwas herzeigten, was für alle Menschen wichtig war, Kraft, die in den Schwachen mächtig wurde. Das wünsche ich Ihnen von Herzen heute früh.
(Dr. Friedhelm Borggrefe)
Quelle: www.kirche-im-swr.de, Stand: 17.12.2007
Hoffnung kostet nichts
Adventszeit ist Hoffnungszeit. Hoffnung ist viel wert! Ja, Hoffnung ist sogar unbezahlbar. Und doch kostet sie nichts.offnung ist einfach da. Manchmal kommt sie, manchmal geht sie. Aber sie ist da. Wir dürfen immer Hoffnung haben. Sie steht einfach zur Verfügung, umsonst.
Hoffnung ist auch für die hoffnungslosen Fälle einfach da. Denn das Leben ist nach vorn offen. Es gibt immer einen Weg, auch durch die dunklen Täler. Auch wenn es eng wird. Leben hat vor sich immer Zukunft. Dafür lohnt es zu arbeiten und zu denken.
Der Advent erinnert uns jedes Jahr neu daran: Etwas ist im Kommen. Etwas Neues will ankommen in allem Dunkel unserer Zeit. Davon singt und erzählt der Advent. Und seit über 2000 Jahren erinnern sich Menschen an dieses Kind, das bald geboren werden soll in einem Stall. Und in dem Gott ganz nah ist. Voller Güte und Liebe. und darum ist Hoffnung da für alle.
Hoffnung kostet nichts. Sie ist ein Geschenk. Geschenk Gottes an die Menschheit. Grundsätzlich und ein für alle Mal hat er einen Eingriff gemacht in die Geschichte. Er hat uns in die Mitte der Zeit seinen Sohn hineingestellt, den Menschen Jesus von Nazareth und gezeigt: Das ist die Hoffnung: Menschsein ist möglich. Jesus das ist der Hoffnungsträger, der jeden Tag mit euch unterwegs ist. Da habt ihr die Hoffnung, gratis. Orientiert euer Leben an ihm. Schöpft eure Kraft von ihm. Er will mit euch sein und das Leben öffnen. Jeden Tag neu, öffnen für das Licht, für Wärme und Geborgenheit.
Morgens nach dem Frühstück zünden wir immer eine Kerze an. Eine Hoffnungskerze. Das ist ein Licht für alle Menschen, die mir eine dunkle Geschichte erzählt haben. An die denken wir und glauben fest daran: Wir haben einen Grund, Hoffnung zu haben. Weil Advent ist. Und Gott ankommen will bei uns Menschen.
(Dr. Friedhelm Borggrefe)
Quelle: www.kirche-im-swr.de, Stand: 17.12.2007
Nächstenliebe konkret und einfach
Es ist eine gewichtige Herausforderung für Gegenwart und Zukunft, die Würde eines Menschen in jeder Lebensphase zu bewahren. ... Wir werden als Gesellschaft insgesamt überlegen müssen, wie diese Herausforderungen zu meistern sind. Krankenkassen und Pflegekasse haben für eine angemessene Versorgung einzustehen. Aber wir sind auch alle miteinander gefordert. Wir brauchen mehr Achtsamkeit in der Gesellschaft aufeinander. Wenn der deutsche Durchschnittsbürger 220 Minuten Fernsehen am Tag schaut, dann wird er doch auch 20 Minuten Zeit haben, die alte Nachbarin zu besuchen oder für den Herrn nebenan eine Besorgung zu machen. Nächstenliebe kann sehr konkret und einfach sein.
(Bischöfin Margot Käßmann)
Quelle: Auf ein Wort, in: Chrismon 10/2007, 10
Wille zum Frieden
"Das Problem besteht nicht so sehr darin, den Willen zum Frieden, der ja vorhanden ist, zu wecken oder zu intensivieren, sondern vielmehr darin, herauszufinden, warum dieser Wille durchkreuzt wird; warum die Politik, die den Frieden im Auge hat, den Krieg hervorbringt."
Norman Angell, Friedensnobelpreisträger (1933) aus "Der Friedensbote", 50. Ausgabe, Fulde, Juni 2007
10 Gebote für Autofahrer
- Du sollst nicht töten.
- Die Straße sei ein Allgemeingut, kein Platz zum Sterben.
- Höflichkeit, Fairness und Umsicht sollen Dir helfen.
- Sei barmherzig und hilf dem Nächsten.
- Das Auto soll kein Machtsymbol sein.
- Überzeuge voll Liebe die Jugendlichen, dass sie sich nicht ans Steuer setzen, wenn sie fahruntüchtig sind.
- Unterstütze die Familien von Unfallopfern.
- Führe Opfer und Unfallverursacher zusammen, damit sie die befreiende Erfahrung der Vergebung machen.
- Schütze auf der Straße den Schwächsten.
- Sei verantwortungsbewusst gegenüber den anderen.
(Vatikan)
Quelle: www.radio-vatikan.de, 20.06.2007
Leere Kirchen
Für manche Gemeinden werden die Kirchen zu groß. Die Gottesdienste nehmen zu, bei denen sich nur wenige Erwachsene und noch weniger Kinder auf ein großes Kirchenschiff verteilen. Weder das halblaute Beten noch das zurückhaltende Singen dieser kleinen Schar kann den weiten Kirchenraum wirklich füllen. Man fühlt sich leicht unwohl in solchen Gottesdiensten. Entweder kommt man sich unbehaglich vor wie in zu großen Kleidern – oder es drängt sich der Verdacht auf, dass sich hier die tatsächliche Lage der Kirche anschaulich widerspiegelt: Der Kontrast zwischen einem großen Anspruch und geringen Möglichkeiten.
Unsere Vorfahren hätten für eine solche Sicht kein Verständnis gehabt. Als die großen Dome in Mainz, Speyer und Trier gebaut wurden, planten die Baumeister die Gotteshäuser bewusst hoch und weit - und viel größer, als es für die aktuelle Gemeinde erforderlich gewesen wäre. Mehr als die Einwohnerschaft ganzer Städte passte damals in die Kathedralen. Durch das gewaltige Ausmaß und die Majestät des Bauwerks wollten sie etwas von der Majestät Gottes abbilden und erfahrbar machen. Die Baumeister nahmen Maß an der Größe Gottes, nicht an der Größe der Gemeinde. Schon damals mussten die Menschen die imposanten Kirchen als starken Kontrast erleben zur kleinen Gottesdienstgemeinde. Aber sie sahen nicht ängstlich auf die kleine Schar, sondern bewundernd auf den großen Gott.
Ob eine Kirche voll, halbvoll oder leer ist, sagt deshalb zunächst nur etwas aus über die Größe des Gebäudes, nicht über den Glauben oder die Größe der Gemeinde. Eine große Kirche zeugt vielmehr von dem Glauben ihrer Erbauer. Deshalb müssen halbleere Kirchen auch heute nicht entmutigen. Es mag paradox klingen, aber viele Kirchen sind gar nicht dafür da, um immer bis auf den letzten Platz gefüllt zu werden. Sondern sie sind so groß, damit immer noch Platz ist. Für jeden und für viele. Auch für Menschen, die sich nicht gleich in eine volle Bank drängen wollen und dankbar sind für etwas Raum - für sich, für ihre Gebete und Gedanken. Und zugleich gilt, was Jesus seinen Jüngern versprach: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen – in großen wie in kleinen Kirchen.
(Beate Hirt)
Quelle: www.kirche-im-swr.de, 24.5.2007
Morgengebet der Indianer Perus
Die Morgenröte kleidet sich in ihr Lichtgewand. Sie will Ehre erweisen dem Schöpfer der Menschen.
Der hohe Himmel legt die Decke seiner Wolken von sich. Er beugt sich vor dem Schöpfer der Menschen.
Die Sonne, die Königin unter den Sternen, breitet ihre Strahlen aus wie goldenes Haar.
Der Wind streichelt die Wipfel der Bäume, wir hören ihn reden in den Zweigen.
In den Bäumen singen die Vögel, bringen ihr Lied dar dem Herrn der Erde.
Die Blumen breiten ihre Farben aus und ihren Duft. Es ist herrlich, sie zu sehen.
So rühmt auch mein Herz dich, mein Vater, bei jeder Morgenröte aufs Neue. Dich, meinen Schöpfer!
(Morgengebet der Indianer Perus aus dem 17. Jahrhundert)
Quelle: www.kirche-im-swr.de, 18.4.2007