Die Pfarrkirche

Die ganze räumliche Konzeption der Pfarrkirche St. Petrus Canisius beruht vorwiegend auf Aussagen in der Apokalypse des Johannes, die ihrerseits eine reiche Symbolsprache aufweist.

»Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herniedersteigen, so herrlich wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.« (Apk 21,2)

So stellt der Grundriss der Kirche auch eine Parabel (griech. = Gleichnis) dar. Die Seitenmauern verlaufen nach hinten ins Unendliche; sie steigen an und verbreitern sich, um die ganze Gemeinde mit weitausholenden Armen zu umfassen.

 

Im Brennpunkt der Parabel erhebt sich der Altar, als mächtiges Grabmonument aus rotem Sandstein gestaltet, frei zu umschreiten, von kreisförmigen Stufen überhöht.

Altar

 

Auf diesem "Heiligen Berg" vollzieht sich das Opfer Christi. Der Sockel des Altares stellt auf der Vorder- und Rückseite die 24 Ältesten dar, die in weißen Gewändern Gott auf dem Throne anbeten.


Der Altarraum wird von einer hohen Kuppel überwölbt, aus der das Licht einströmt:

»Die Herrlichkeit Gottes erhellt die Stadt.« (Apk 21,11)

Auf dem Altar stand bis zu der liturgischen Erneuerung nach dem 2. Vatikanischen Konzil der Tabernakel als Thron Gottes.

»Siehe da, das Zelt Gottes unter den Menschen. Er wird bei ihnen wohnen, sie werden sein Volk sein.« (Apk 21,3)

Die goldenen Türen sind mit glitzernden Glassteinen besetzt, entsprechen dem johanneischen Bild:

»Vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes, kristallähnliches Meer.« (Apk 4,6)

Der Tabernakel wird von vier hohen Schwingen in blauem Email umgeben. Die Arbeit aus der Goldschmiedewerkstatt Weiland symbolisiert jene »vier Wesen mit Flügeln ringsum voll Augen« (Apk 4,8), die vor dem Thron Gottes ihr "dreimal heilig" singen.


Seitlich über dem Altar hängt eine rubinrote Schale, in der das ewige Licht brennt. Ihre Aufhängung symbolisiert die Jakobsleiter, die der Patriarch im Traume sah. Mit ihrer Spitze reicht sie zum Himmel und von oben steigen Engel hernieder (Gen 28,12).

 

Kanzel

An der vordersten linken Seite befand sich bis 1968 die Kanzel. Ihre Mosaikverkleidung verkündete im Sinnbild der Geist-Taube (nach Matth 3,16) die Aussendung der Botschaft vom Kreuz nach den vier Himmelsrichtungen.

Dieses Mosaik war ebenso wie die arbeit am Altarsockel ein Werk des Peter Paul Etz von der Landeskunstschule in Mainz.

Taufbecken

Die Gedanken der liturgischen Erneuerungen nach dem Konzil gingen dahin, daß man die Verkündigung der Predigt vom selben Ort ausgehen lassen sollte, von dem auch das Evangelium ausging, einer Stelle also, die innerhalb des Altarraumes, nicht außerhalb liegt. Außerdem hatte die Kirche noch kein Taufbecken.

 

So entschloß man sich 1968 auf die Kanzel zu verzichten und stattdessen das Taufbecken mit der Figur des heiligen Petrus Canisius zu errichten.


An der Chorwand erinnern 12 Apostelleuchten an das Bild des neuen Jerusalem:

»Die Mauer der Stadt hatte 12 Grundsteine, auf denen die Namen der 12 Apostel und des Lammes geschrieben standen.« (Apk 21,14)

Bei der sehr sparsamen Ausbildung der Kommunionbank, die mit Kupfer überzogen und mit den Namen der 12 Apostel beschriftet ist, wurde eine Abgrenzung des Altarraumes vom Raum der Gläubigen vermieden. Auch hier bestätigt sich der Eindruck, als sei die Planung der Kirche unter einer Vorahnung dessen entstanden, was das Konzil später als fast ideale räumliche Aufteilung bezeichnen würde.


Die Rückwand der Kirche ist mit schmalen Betonrippen als eine einzige, riesige Glasfront von über 3.000 Einzelfeldern gestaltet, die in blauen und grauen Grundtönen den »neuen Himmel« der Apokalypse widerspiegeln.

 


Die Portale sind als Betonverglasung, mit Spezialgläsern aus Lyon, außen mit Tombak, einer rot-gelben Kupfer-Zink-Legierung, innen mit Kupfer- und Silberbelag verkleidet. Das Hauptportal in der Mitte stellt das apokalyptische Bild von der Kirche dar, nämlich den Kampf des Teufels gegen die Glieder der Kirche:

Hauptportal

 

»Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und eine Kone von Sternen auf ihrem Haupt. Und noch ein Zeichen erschien am Himmel, ein großer feuerroter Drachen mit 7 Köpfen und sieben Kronen auf seinen Köpfen. Sein Schweif fegte ein Drittel der Sterne hinweg. Der Drache stellte sich vor die Frau, die ein Kind gebar, um ihre Nachkommenschaft zu verschlingen« (Apk 12,1-4)

 

Das rechte Seitenportal zeigt das Pfingstereignis aus der Apostelgeschichte. Der Heilige Geist, in Gestalt der Taube, spendet in Form von Feuerzungen die sieben heiligen Gaben: Weisheit und Verstand, Rat und Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Seitenportale

Im linken Seitenportal überschneiden sich die zwei folgenden Bilder aus der Apokalypse:

»Als ich mich umschaute, sah ich sieben goldene Leuchten und inmitten der Leuchten die Gestalt eines Menschensohnes. Die sieben Leuchten sind die Gemeinden« (Apk 1,12)

»Ich sah ein Lamm dastehen, wie geschlachtet. Dem Lamme gebührt Lob und Ehre« (Apk 5,6)

 

Die immer wiederkehrende heilige Zahl sieben ist auch bei den beiden Säulenreihen, die die Dachkonstruktion zu tragen haben, verwirklicht.

 

Quelle: 25 Jahre Pfarrkirche St. Petrus Canisius - Festschrift

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