Ausflug zum Kloster Maulbronn am Sonntag, den 18.09.2011
Am Sonntag, den 18.09.2011 haben sich die Mitglieder und Freunde des Fördervereins Gemeindezentrum St. Martin zu einem Besuch des ehemaligen Zisterszienserklosters Maulbronn begeben. Der Bus startete um ca. 07:00 Uhr und trotz des durchwachsenen Wetters waren alle frohen Mutes und voller Vorfreude auf den kommenden Ausflug.
In Maulbronn angekommen ging es dann zu einem Gottesdienst (09:30 Uhr) in der Pfarrkirche St. Bernhard.

Pfarrkirche St. Bernhard in Maulbronn
Nach einer sehr eingehenden Predigt und einer sehr herzlichen Begrüßung durch Pfarrer Romuald Skowronek ging es dann auf einer kurzen Wegstrecke zum Kloster Maulbronn.
Dort angekommen hatten wir etwas „Freizeit“ bis zur Klosteranlagenführung um 11:30 Uhr. Zu unserem Glück gab es an diesem Wochenende einen „Kräuter- und Erntemarkt“ im Innenhof des Klosters, so dass wir die Klosteranlage und das rege Treiben des Marktes auf uns einwirken lassen konnten. Es wurden Kürbisse, Kraut und Rüben, Obst, Honig, frisch gepresste Öle, edle Brände, Konfitüren, Pesto, Sirup und vieles mehr an den Ständen im Klosterhof angeboten. Außerdem gab es Naturkleidung und Schuhe, Schmuck aus Naturmaterialien, Wollprodukte, Seifen und Besen. Es war also für jeden Geschmack etwas dabei.
Innenhof-Panorama_Kloster-Maulbronn
So gegen 11:30 Uhr folgte nun die Begrüßung durch unsere Klosterführerin und wir gingen zu einer kleinen geschichtlichen Erläuterung in den Vorraum des Klostermuseums.
Dort wurde anhand eines sehr detaillierten Klostermodells die Entstehung und Erweiterung des Klosters, in einem sehr schönen Dialekt erklärt.
Danach ging es dann auf zur eigentlichen Klosterführung. Während der Klosterführung wurde uns die geschichtliche Bedeutung, so wie das damalige Leben im Kloster nähergebracht. Es ist schon sehr Imposant, ein noch so intaktes Kloster mit eigenen Augen erleben zu dürfen. (Nähere Informationen über das Kloster Maulbronn sind in einem separaten Bericht zusammengefasst, oder über http://www.kloster-maulbronn.de/de/kloster-maulbronn
Mit vielen neuen Informationen und Eindrücken vollgepackt ging es dann mit unserm Wanderführer H. Radke auf den nahegelegen Klosterberg auf den Wegen des Kultur- und Weinlehrpfades. Dort angekommen haben wir erst ein Mal eine zünftige Rast abgehalten. Bei dieser Gelegenheit wurde durch H. Radke der dort angebaute Wein zum Probieren ausgeschenkt. Der nun doch etwas beschwerliche „Aufstieg“ wurde mit einer wunderschönen Aussicht belohnt, trotz des etwas diesigem Wetters. Nach einer guten Stärkung und der ein oder anderen Anekdote unsers Wanderführers ging es dann auf unsere Wanderung Richtung „Kleinvillar“. Die „Nichtwanderer“ haben sich die Zeit während unserer Wanderung in und am Klosterhof vertrieben.
Nach dem wir uns dann in „Kleinvillar“ in der Weinstube „Altes Rathaus“, auch als „Besenwirtschaft“ (Straußwirtschaft) bekannt, mit den „Nichtwanderern“ getroffen hatten, gab es nun zum Ausklang unseres Ausfluges nach Maulbronn eine zünftige Brotzeit. Es wurde alles was das Herz begehrt, von einer Schlachtplatte über Maultaschen bis hin zu einem Besentoast angeboten.
Nach dem wir gesättigt waren ging es dann gegen Abend (ca. 18:00 Uhr) mit unserem Bus wieder zurück nach Finthen.Ein toller Ausflug, welcher uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!Ich möchte es nicht versäumen, im Namen des gesamten Vorstandes unseren Ehrenmitgliedern und Reisebeauftragten H. Bernd und H. Wunschheim für diese klasse Ausarbeitung der Reise so wie den spannenden Ablauf zu danken.
Desweiteren möchten wir uns auch noch bei H. Radke, unserem Reiseführer für die angenehme Wanderung bedanken.
Nicht zu vergessen, möchten wir uns auch bei Pfarrer Romuald Skowronek der Pfarrgemeinde St. Bernhard in Maulbronn für den schönen Gottesdienst und die gute Aufnahme bedanken.
Thomas Frenzel (2. Vorsitzender)-Zu den Informationen über Maulbronn, bitte zum 2. Abschnitt (nach den Bildern) scrollen...-__________________________________________________________________________________________________________________________.
Hier nun noch ein paar Bilderimpressionen....














Pfarrkirche St. Bernhard in Maulbronn
Nach einer sehr eingehenden Predigt und einer sehr herzlichen Begrüßung durch Pfarrer Romuald Skowronek ging es dann auf einer kurzen Wegstrecke zum Kloster Maulbronn.
Dort angekommen hatten wir etwas „Freizeit“ bis zur Klosteranlagenführung um 11:30 Uhr. Zu unserem Glück gab es an diesem Wochenende einen „Kräuter- und Erntemarkt“ im Innenhof des Klosters, so dass wir die Klosteranlage und das rege Treiben des Marktes auf uns einwirken lassen konnten. Es wurden Kürbisse, Kraut und Rüben, Obst, Honig, frisch gepresste Öle, edle Brände, Konfitüren, Pesto, Sirup und vieles mehr an den Ständen im Klosterhof angeboten. Außerdem gab es Naturkleidung und Schuhe, Schmuck aus Naturmaterialien, Wollprodukte, Seifen und Besen. Es war also für jeden Geschmack etwas dabei.

Innenhof-Panorama_Kloster-Maulbronn
Dort wurde anhand eines sehr detaillierten Klostermodells die Entstehung und Erweiterung des Klosters, in einem sehr schönen Dialekt erklärt.
Danach ging es dann auf zur eigentlichen Klosterführung. Während der Klosterführung wurde uns die geschichtliche Bedeutung, so wie das damalige Leben im Kloster nähergebracht.
Mit vielen neuen Informationen und Eindrücken vollgepackt ging es dann mit unserm Wanderführer H. Radke auf den nahegelegen Klosterberg auf den Wegen des Kultur- und Weinlehrpfades. Dort angekommen haben wir erst ein Mal eine zünftige Rast abgehalten. Bei dieser Gelegenheit wurde durch H. Radke der dort angebaute Wein zum Probieren ausgeschenkt. Der nun doch etwas beschwerliche „Aufstieg“ wurde mit einer wunderschönen Aussicht belohnt, trotz des etwas diesigem Wetters. Nach einer guten Stärkung und der ein oder anderen Anekdote unsers Wanderführers ging es dann auf unsere Wanderung Richtung „Kleinvillar“. Die „Nichtwanderer“ haben sich die Zeit während unserer Wanderung in und am Klosterhof vertrieben.
Nach dem wir uns dann in „Kleinvillar“ in der Weinstube „Altes Rathaus“, auch als „Besenwirtschaft“ (Straußwirtschaft) bekannt, mit den „Nichtwanderern“ getroffen hatten, gab es nun zum Ausklang unseres Ausfluges nach Maulbronn eine zünftige Brotzeit. Es wurde alles was das Herz begehrt, von einer Schlachtplatte über Maultaschen bis hin zu einem Besentoast angeboten.
Nach dem wir gesättigt waren ging es dann gegen Abend (ca. 18:00 Uhr) mit unserem Bus wieder zurück nach Finthen.
Desweiteren möchten wir uns auch noch bei H. Radke, unserem Reiseführer für die angenehme Wanderung bedanken.
Nicht zu vergessen, möchten wir uns auch bei Pfarrer Romuald Skowronek der Pfarrgemeinde St. Bernhard in Maulbronn für den schönen Gottesdienst und die gute Aufnahme bedanken.













Informationen Maulbronn:
Gründung
Unter der Ägide des Abtes Bernhard von Clairvaux erhielt der Zisterzienserorden auch im heutigen Deutschland großen Zulauf. In Südwestdeutschland ließ sich der Edelfreie Walter von Lomersheim von der Begeisterung anstecken. Er stiftete sein Erbgut Eckenweiher zwischen Mühlacker und Lienzingen zur Gründung eines Zisterzienserklosters, in das er selbst als Laienbruder einzutreten gedachte. Zu diesem Zweck entsandte das Kloster Neuburg im Elsass einen Abt, und zwölf Mönche - wie es heißt nach der Zahl der Apostel.
Mit der Neugründung dieses Klosters betraute man Abt Dieter von der Primarabtei Morimond, der am 24. März 1138 eintraf. Die Lage der gestifteten Ländereien scheint jedoch der Klostergründung wenig förderlich gewesen zu sein. Unter anderem scheint es an Wasser gefehlt zu haben.
Um 1146 nahm sich der zuständige Bischof von Speyer Günther von Henneberg persönlich der Sache an. Er erklärte den Ort für untauglich und schenkte dem Kloster das Bischofslehen zu Mulenbrunnen in einem abgeschiedenen Waldtal. Vermutlich im Sommer des Jahres 1147 wurde es dorthin verlegt.
Weitere Entwicklung
Die Anlage entwickelte sich schnell zu einem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zentrum der Region.
Das Kloster stand ab 1156 unter kaiserlicher Schirmvogtei. Im Jahr 1232 wurde die kaiserliche Vogtei bestätigt. Der Konvent wählte dann jedoch den Bischof von Speyer zum Beschützer der Abtei. Dieser scheint die Vogtei als Untervogtei seinem Ministerialen Heinrich von Enzberg verliehen zu haben, der ab 1236 als Schirmer der Abtei urkundlich fassbar wird. Über die folgenden Jahrzehnte kam es dann immer wieder zu teilweise gewaltsamen Streitigkeiten mit den Herren von Enzberg, die versuchten, ihre Vogtei über das Kloster zum Ausbau der eigenen Position zu nutzen. Ab 1325 wurden die Pfalzgrafen bei Rhein mit der Schirmvogtei betraut. Während des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges belagerte im Jahr 1504 Herzog Ulrich von Württemberg das Kloster, das nach siebentägiger Belagerung fiel.
Vertreibung des Konvents im Zuge der Reformation
Da das Herzogtum Württemberg protestantisch wurde, wurden die Mönche des Klosters von der politischen Autorität im Lande nicht geduldet. Das Kloster war zunächst als Sammelkloster für renitente Mönche aus allen Männerklöstern Württembergs vorgesehen. Abt und Konvent übersiedelten 1537 in ihr Priorat Pairis ins Elsass, der Abt starb 1547 in Einsiedeln. Nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg musste der Herzog das Kloster im Jahr 1546/47 dem Konvent zurückgeben.
Der 1555 beschlossene Augsburger Religionsfrieden gab dem Herzog das Recht, das Bekenntnis seiner Untertanen zu bestimmen. Im Jahr 1556 erließ er die Klosterordnung, die den Grundstein für ein geregeltes Schulwesen in allen verbliebenen Männerklöstern Württembergs legen sollte. Die Umwandlung des Klosters in eine Schule blieb vom juristischen Standpunkt noch lange umstritten. Es gab zwei Versuche des Kaisers, die Entwicklung in Maulbronn rückgängig zu machen. Während des Interims in den Jahren 1548 bis 1555 und von 1630 bis 1649 aufgrund des kaiserlichen Restitutionsedikts konnten Mönche aufgrund der zeitweilig gegebenen Machtverhältnisse wieder in das Kloster einziehen.
Wirtschafts- und Besitzgeschichte
In der Frühzeit des Klosters lebte es von frommen Schenkungen und Stiftungen des edelfreien Adels und der Ministerialität. Im 14. und 15. Jahrhundert erfolgte eine planmäßige Arrondierung und Verdichtung des Besitzes durch Güterkäufe. Am Ende der Entwicklung stand ein geschlossenes Klosterterritorium mit über zwanzig Dörfern, den sogenannten "Klosterflecken".
Neben der Eigenbewirtschaftung der unmittelbar um das Kloster gelegenen Güter mit dem Elfinger Hof gab es Eigenbetriebe auch in Illingen, Knittlingen und Unteröwisheim. Außerdem wurden insgesamt etwa 2500 Hektar klösterlichen Waldes, verteilt auf etwa 25 Ortschaften, bewirtschaftet.
Im Übrigen wurden Güter und Privilegien verpachtet, was dem Kloster gemeinsam mit den Zehnteinnahmen erhebliche Einkünfte brachte. Darüber gibt die Größe des erhaltenen klösterlichen Fruchtkastens ein beredtes Zeugnis. Zur Verwaltung der Einkünfte aus den Klostergütern richtete der Konvent mehrere sogenannte Klosterpflegen ein. Insgesamt besaß das Kloster sieben Pfleghöfe, und zwar in Illingen, Kirchheim am Neckar, Knittlingen, Ötisheim, Speyer, Unteröwisheim und Wiernsheim.
Klosterschule
Wie bei 13 umliegenden Klöstern hat im Jahr 1556 die baden-württembergische Klosterordnung zur Gründung einer Schule in Maulbronn geführt, an der protestantische Geistliche ausgebildet wurden. In Maulbronn existiert die Schule bis heute; mehrere bekannte Absolventen sind aus ihr hervorgegangen, unter ihnen Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse. Maulbronn ist eines der wenigen Seminare, das bis heute erhalten blieb. 1807 wurde die Schule in ein evangelisch-theologisches Seminar umgewandelt. Das Seminar ist heute ein staatliches Gymnasium mit Internat ab der 9. Klasse bis zum Abitur in Klasse 12. Circa 100 Schülerinnen und Schüler sind dort.
Filialklöster
- Kloster Bronnbach, um 1150
- Kloster Schöntal, 1157
Chronologische Eckdaten
1138 Klosterbau zu Eckenweiher durch Abt Dieter und 12 Mönchen aus dem Zisterzienserkloster Neuburg im Elsass
1146 Hl. Bernhard von Clairvaux in Speyer
1147 Bischof Günther von Speyer übergibt sein Lehen "Mulenbrunnen" dem Abt Dieter, der das Kloster nach Maulbronn verlegt
1148 Papst Eugen III. verleiht dem neuen Kloster einen Schutzbrief
1153 Graf Ludwig von Württemberg schenkt dem Kloster das Dorf Elfingen
1156 Kaiser Barbarossa nimmt das Kloster in den Schutz des Reichs
1178 Erzbischof Arnold von Trier weiht die Klosterkirche
1201 Bau der Klosterfront (Keller und Laienrefektorium)
Um 1210 Bau der Vorhalle (Paradies)
Um 1215 Bau der Südhalle des Kreuzgangs
Um 1225 Bau des Herrenrefektoriums und des Kapitelsaals
Um 1300 Bau der Westhalle des Kreuzgangs
Um 1350 Bau der Nordhalle des Kreuzgangs mit Brunnenkapelle, der Osthalle mit Kapitelsaal und Johanneskapelle
1361 Johann I. von Rottweil wird Abt und ummauert das Kloster
1424 gotischer Umbau der Kirche
1430 Bau des Pfrundhauses
1441 Pfalzgraf als Schirmvogt befestigt das Kloster mit Mauern, Türmen und Zinnen
1479 Bau der Vorhalle des Klosters
1493 Bau des Parlatoriums
1495 Vollendung des Oratoriums
1501 Errichtung des Steinbaldachins im Mittelschiff der Laienkirche
1504 Herzog Ulrich von Württemberg besetzt das Kloster
1512 Johannes VIII. Entenfuß von Unteröwisheim wird Abt und entwickelt rege Bautätigkeit
1516 Johann Georg Faust soll vom Abt Entenfuß zum Goldmachen berufen worden sein
1517 Umbau des Herrenhauses mit der Wendeltreppe beendet
1518 Abt Entenfuß abgesetzt
1519 Ritter Franz von Sickingen brandschatzt das Kloster
1521 Pfisterei erbaut
1525 aufständische Bauern plündern das Kloster
1534 Herzog Ulrich von Württemberg säkularisiert das Kloster
1537 Abt Johann IX. verlegt nach seiner Flucht nach Speyer die Abtei nach Kloster Pairis im Elsass
1547 Durch das Augsburger Interim Kaiser Karls V. kommt das Kloster vorübergehend wieder in den Besitz der Zisterzienser. Abt Heinrich III. führt die katholische Religion und Ordensregel wieder ein und erlangt erneut die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit.
1550 Bau des Gesindehauses
1556 Herzog Christoph von Württemberg errichtet eine evangelische Klosterschule
1558 Valentin Vannius wird erster evangelischer Abt
1580 Erweiterung des Fruchtkastens
1586-89 Johannes Kepler von Weil der Stadt wird Schüler im Kloster
1588 Bau des Herzoglichen Jagdschlosses
Um 1600 Bau des Hörsaals über der Brunnenkapelle
1630 Rückgabe des Klosters mit Waffengewalt an die Zisterzienser - Christoph Schaller von Sennheim wird Abt
1632 Infolge der Siege des Schwedenkönigs Gustav Adolf verlassen die Mönche das Kloster wieder
1633 Neueinsetzung eines evangelischen Abts
1634 Wiederherstellung der evangelischen Klosterschule - Rückkehr von Abt Schaller mit den Zisterziensern
1648 Im Westfälischen Frieden wird Maulbronn dem Protestantismus zugesprochen
1649 Abt Buchinger zieht unter Protest ab
1651 Wiedereinsetzung eines evangelischen Abts
1656 Wiederherstellung der evangelischen Klosterschule
1692 Klosterschüler werden vor dem Mordbrenner Ezéchiel de Mélac in Sicherheit gebracht
1702 Wiedereröffnung der Klosterschule
1751 Abbruch des Abtshauses
1786-88 Friedrich Hölderlin Schüler in der Maulbronn Klosterschule
1806 König Friedrich I. von Württemberg säkularisiert das Kloster
1807 Zusammenlegung der Klosterschulen Maulbronn mit Bebenhausen
1818 Maulbronn wird "Evangelisch-theologisches Seminar"
1823 Verlegung der Generalsuperintendenz von Maulbronn nach Ludwigsburg
1892 Brand des Pfrundhauses
1893-99 Abbruch des Professorhauses vor der Klosterfront und des so genannten Schlösschens (Famulus-Wohnung)
1928 Evangelisch-theologisches Seminar Maulbronn geht in den Besitz der Evangelischen Seminarstiftung über
1941 Beschlagnahme des Klosters und Schließung der Seminarschule durch nationalsozialistische Regierung
1945 Wiedereröffnung des Evangelisch-theologischen Seminars
Heutige Bedeutung des Klosters
Die Klosteranlage ist heute fast ausschließlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Die Stadt Maulbronn nutzt den ehemaligen Marstall als Rathaus. Durch die Ernennung zum Weltkulturerbe zieht die Bauanlage Besucher aus aller Welt an. Regelmäßig werden Klosterkonzerte veranstaltet, die die Akustik der Klosterbauten zur Geltung bringen.
Klostertor
Vor dem Haupteingang befand sich früher der Klostergraben, über den an Stelle der festen Steinbrücke ursprünglich eine hölzerne Zugbrücke führte. An der Westfront des Torturms sind noch die Öffnungen zu sehen, durch welche die Ketten zum Aufziehen der Brücke liefen.
In einer Zelle neben dem Klostereingang lebte der Pförtner, der Fremde in seiner Zelle Platz nehmen ließ und sie dann dem Abt meldete. Ordensbrüder durfte er sofort einlassen, Frauen überhaupt nicht. Gegen Männer war Gastfreundschaft heilige Pflicht: Arme und Kranke sollten empfangen werden, als ob Christus selbst käme.
Frühmesserhaus (heute Klostermuseum)
Klosterhof
Der Klosterhof zeichnet sich durch sein geschlossenes Bild aus. Gleich hinter dem Tor, an der Stelle der Apotheke, befand sich die Klosterherberge. An die Apotheke schließt sich das Frühmesserhaus an, die Wohnung der Ordensgeistlichen, die in der gegenüber liegenden Kapelle die Messe zu lesen hatten. Diese Torkapelle hatte den Zweck, Frauen, die keinen Zutritt zum Kloster hatten, die Beteiligung am Gottesdienst zu ermöglichen.
Vor dem Renaissance-Rathaus steht eine alte Linde. Hinter der Klosterküferei ragt der Klosterspeicher, der so genannte Fruchtkasten, auf, der auf alten Fundamenten im Jahr 1580 in seiner jetzigen Größe errichtet wurde. Das Fachwerkhaus in der Mitte des Platzes ist die alte Klosterverwaltung. Ursprünglich war der Klosterhof entweder kleiner oder durch eine Mauer in einen äußeren und inneren Teil geschieden. Er wird heute im Osten von der Front des Klosters begrenzt.
Paradies
Vorhalle von Dijon (Notre-Dame) und Maulbronn im Vergleich
Die Vorhalle der Klosterkirche hat ihren Namen „Paradies" von der Sitte, den Vorraum der Kirche mit der Geschichte des Sündenfalls auszumalen. Die letzte Bemalung stammt aus dem Jahr 1522, ist aber bis auf geringe Reste abgefallen.
Das Paradies des Klosters Maulbronn markiert - wie viele Teile der dortigen Architektur - die Übergangszeit von der Romanik zur Gotik und zeigt burgundische Einflüsse. In der Kombination sind hohe, lichte Fenster und weite Gewölbe bereits deutlich gotisch, wohingegen noch keine Spitzbögen, sondern romanische Rundbögen die Fenster zieren. Teilweise werden auch Spitz- und Rundbögen miteinander arrangiert. Diese Form der Kombination ist in Deutschland einzigartig. Der Baumeister ist nicht namentlich bekannt, er wird daher nach dem Maulbronner Paradies Paradies-Baumeister genannt.
Der Meister des Maulbronner Paradieses
Ein in der Frühgotik Nordfrankreichs, z. B. in der Bauhütte von Laon, 1160/70 geschulter Meister erhielt den Auftrag, die Vorkirche, den neuen Kreuzgang und den Speisesaal der Herrenmönche zu bauen. Dieser Baumeister kam über Burgund, dem Ursprungsland der Zisterzienserbewegung, nach Maulbronn. Zunächst versah er den Speisesaal der Konversen mit Doppelstützen, um den Raum, wie nach Ausweis der Wandspuren schon von seinem Vorgänger vorgesehen, mit Kreuzrippen zu wölben. Dann errichtete er vor der Westseite der Kirche das sogenannte „Paradies" (daher sein Name) und den Kreuzgang-Südflügel sowie das Herrenrefektorium mit dem für den spätromanisch-frühgotischen Übergangsstil bezeichnenden sechsteiligen Kreuzrippengewölbe. Er begann auch den West- und den Ostflügel des Kreuzgangs mit jeweils dem ersten Joch von Süden und legte damit die Breiten- und Höhenmaße des im Übrigen hochgotischen Kreuzgangs fest. Er zerlegte statische Funktionen in Einzelglieder. Typisch für seine Arbeit sind die Summierung der röhrenförmigen, verschieden hohen Dienste und die „Lochform" der Fenster (Vorformen des Maßwerkes der Hochgotik). Alle Rippen des Gewölbes folgen dem Halbkreis.
Der „Maulbronner Paradiesmeister" hat später in Magdeburg am Bischofsgang des Domchores und in Halberstadt gewirkt.
Bemerkenswert sind auch die Portale, die das Paradies mit dem Kirchenschiff verbinden. Die Türblätter stammen aus dem 12. Jahrhundert und sind original erhalten. Selbst der ehemalige Lederbezug (siehe Detail-Bild) ist noch gut sichtbar.
Portal der Klosterkirche vom Paradies aus gesehen.
Detail: Lederbezug des Kirchenportals. (12. Jahrhundert)
Blick vom Paradies nach draußen
Paradies, Innenansicht
Klosterkirche (Innenansicht) |
Klosterkirche
Am Deckengewölbe konnte Joseph Victor von Scheffel noch die Buchstaben "A. v. k. l. W. h." (= All voll, keiner leer (oder - wahrscheinlicher - Kanne leer), Wein her!) lesen. Dies inspirierte ihn zu seiner Maulbronner Fuge:
Im Winterrefektorium zu Maulbronn in dem Kloster,
Da geht was um den Tisch herum, klingt nicht wie Paternoster.
Die Martinsgans hat wohlgetan, Eilfinger blinkt im Kruge,
Nun hebt die nasse Andacht an, und alles singt die Fuge:
All Voll, Keiner Leer, Wein Her! Complete pocula!
...
Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika, die in den Jahren 1147 bis 1178 zunächst in romanischem Stil erbaut wurde. Sie ist ungewöhnlich lang, da das Langschiff zwei Kirchen, die Laien- und die Mönchskirche, vereinigt. Ein romanischer Lettner trennt die Laienkirche, den so genannten Bruderchor, von der Mönchskirche, dem so genannten Herrenchor. Eine Besonderheit ist dabei das Kruzifix: Das Kruzifix und der Körper des Heilands sind aus einem einzigen Steinblock her ausgemeißelt. Es ist dabei exakt so ausgerichtet, dass an den längsten Tagen im Jahr nach zehn Uhr die Sonnenstrahlen die Dornenkrone Christi aufleuchten lassen.
Weitere Räume im inneren Bereich
Ab etwa 1200 wurde, beginnend mit dem Westtrakt, innerhalb von 10 bis 20 Jahren die Klausur um den Kreuzgang nördlich der Kirche errichtet.
Das Laienrefektorium (erb. um 1201) ist nach der Kirche der umfangreichste überwölbte Raum im Kloster.
Die Tür gegenüber der Brunnenkapelle führt ins Herrenrefektorium (erb. um 1220 - 25), dem Speiseraum für die Mönche.
Im Kapitelsaal (13. Jh.) wurden in täglicher Versammlung allen Mönchen Kapitel aus der Ordensregel vorgelesen und eingeschärft. Diesem Zweck dienend war der Saal an allen vier Seiten mit Steinbänken versehen.
Die Brunnenkapelle aus dem 14. Jahrhundert springt südwärts ins Kreuzgärtchen vor. Der Waschraum im Kreuzgang ist von der Ordensregel vorgeschrieben. Die unterste Brunnenschale ist so alt wie die gotische Kapelle. Die beiden oberen Schalen wurden erst in neuerer Zeit hierher gesetzt.
Das Calefactorium ist ein backofenartiges Gewölbe, dessen Steine noch Spuren von Feuer tragen. Es ist der Raum, von dem aus die darüber liegende Wärmestube der Mönche geheizt wurde, der, abgesehen von der Klosterküche, einzige heizbare Raum im ganzen Kloster.
Das Parlatorium (um 1493) , der Sprechsaal des Klosters, war der Ort, wo die Mönche untereinander und mit den Oberen des Ordens die nötigsten Worte wechseln durften.
Erwähnenswert ist die Einzeigeruhr.
Blick vom Kreuzgang auf das Brunnenhaus
Pfisterei (Klosterbäckerei), links
Klostermühle (heute Internatsgebäude des Evang. Seminars), rechts
Wachhaus
Orgeln
Im Kloster Maulbronn befindet sich eine Orgel in der Klosterkirche und eine im heizbaren Winterspeisesaal, der auch als „Winterkirche" bezeichnet wird. Im April 2000 wurde von der Orgelbaufirma Claudius Winterhalter (Oberharmersbach) ein neues zweimanualiges Instrument errichtet.[2]
Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche wurde 2010 demontiert und soll 2012 durch eine neue Orgel der Firma Grenzing (Barcelona) ersetzt werden.
Legenden
Darstellung der Gründungslegende im Gewölbe des Brunnenhauses
Erfindung der Maultasche durch die Maulbronner Mönche
Eine von mehreren Theorien, wie die schwäbische Maultasche erfunden wurde, verweist auf das Kloster Maulbronn. Eine Legende erzählt, dass gewitzte Ordensbrüder des Klosters Maulbronn - als diese in der Fastenzeit Fleisch geschenkt bekommen hatten - dieses als gute Schwaben nicht verkommen lassen wollten. Um das Verbot zu umgehen, freitags und in der Fastenzeit Fleisch zu essen, hackten sie das Fleisch ganz klein und vermengten es mit Kräutern. So sah es nach Gemüsebrei aus. Zudem wurde es noch in Taschen aus Nudelteig versteckt, damit es der Herrgott vom Himmel nicht sehen könnte. Der "liebe Gott" soll dabei augenzwinkernd zugesehen haben. Im Volksmund wurde dieses Gericht nach dem Klosternamen als "Maul"tasche bezeichnet und wird auch scherzhaft "Herrgottsbscheißerle" genannt.