Pfarrkirche St. Sophia
St. Sophia ist eine typische Diasporakirche des 19. Jahrhunderts, wie sie im Odenwald häufiger anzutreffen ist. So steht in Neustadt am Breuberg die ebenfalls von Sylvester Stockh entworfene Kirche St. Karl Boromäus, die „Zwillingsschwester" unserer Kirche.
1842 wurde der Grundstein, der an der nördlichen Turmseite zu finden ist, gelegt und am 15. Mai 1843 wurde die Kirche benediziert. Aus Dankbarkeit für die Stiftung von 3000 Gulden durch die Fürstin Sophia von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg erhielt sie den Namen St. Sophia. Die Kirchenpatronin (Gedenktag: 15. Mai) ist Blutzeugin aus der römischen Christenverfolgung. Näheres über ihre Lebensgeschichte ist nicht bekannt. Als einziges Zeugnis existiert eine Steintafel aus dem 9. Jahrhundert, die besagt, dass zur Zeit des Papstes Sergius II. (844-847) die Gebeine der Märtyrin Sophia in der Kirche San Martino in Rom beigesetzt wurden.

© Willi Weiers
Ebenfalls in Rom befindet sich in der Pankratiuskirche eine Grabinschrift über eine Hl. Mutter Sophia und ihre Kinder Pistis (Fides=Glaube), Elpis (Spes=Hoffnung) und Agape (Caritas=Liebe).
Über dem Hauptportal unserer Kirche ist diese Mutter Sophia mit ihren drei heiligen Töchtern dargestellt. Sie tragen die Tribute der drei göttlichen Tugenden: Kreuz (Glaube), Anker (Hoffnung) und Herz (Liebe).
1938, 1958 und 1968 hat die Kirche eine Renovierung erfahren. Nach 30 Jahren steht derzeit wieder eine gründliche Sanierung an.
Der im März 1998 begonnene erste Sanierungsabschnitt bringt die Neueindeckung mit Naturschiefer von Dach und Turmhelm, die Ausbesserung aller Schäden an den Sandsteintellen, die Auflegung eines dem Klassizismus entsprechenden glatten Verputzes sowie die Anbringung von Dachrinnen. Die dringend notwendige Innenrenovierung wird später in einem 2. Bauabschnitt erfolgen.
Innenraum
Die Kirche hat 250 Sitzplätze, die allerdings bei Gottesdiensten zu hohen Feiertagen nicht ausreichen. Deshalb war ursprünglich geplant, durch einen Anbau an der Nordseite Plätze für weitere 50 Kirchenbesucher zu schaffen. Aus Kostengründen wurde dieses Vorhaben zurückgestellt.
Mittelpunkt des Gotteshauses ist der Altar aus grünem und schwarzem Marmor. Er ersetzte beim Umbau 1968 den Hochaltar an der Apsiswand.

Das Apsisbild des wiederkommenden Christus inmitten eines vielfältig gebrochenen Strahlenkranzes; von Engeln mit Posaunen angekündigt, wurde 1958 von Kurt Zöller aus Miltenberg geschaffen.
Der Tabernakel in der Apsis wurde 1975 von der Goldschmiedemeisterin Jehlich aus lserlohn gestaltet. Die Turmalinsteine und die Bergkristalle deuten auf die Steine hin, die in der Offenbarung des Johannes beschrieben werden. Das Elfenbeinkreuz verweist auf Erbach als Elfenbeinstadt hin.
Zwei durchgehende Bänder, in mattem Rostrot gehalten, zeigen die Gottesmutter (rechts) und die Hl. Sophia, dargestellt mit Flamme und Dreieck, einem Symbol der Dreifaltigkeit.
Vorne seitlich zwischen den Fenstern befinden sich die Statuen des Hl. Antonius (links) und der Hl. Elisabeth von Thüringen (rechts). Sie wurden 1920 von dem Bildhauer Peter Valentin aus Offenburg geschaffen.

© (C) Willi Weiers
Die Pietà unter der Empore entstand 1920 und stammt aus St. Utricht im Grödner Tal/ Tirol.
Seit mehr als 25 Jahre leben portugiesische Katholiken in Erbach. Sie halten ihre muttersprachlichen Katechesen und Gottesdienste in den Räumen der Pfarrei, nehmen aber auch rege am Gemeindeleben teil. Als Geschenk brachten sie aus Fatima eine Kopie des von ihnen sehr verehrten Wallfahrtsbildes mit. So verkörpert es ein Stück Heimat für sie, wenn sie mit den Erbachern die eine Kirche benutzen. Die Pfarrgemeinde hält besonders durch Jugendbegegnungen regen Kontakt zur Erbacher Partnerstadt Ansião.
Kreuzweg
Die 14 Kreuzwegstationen an Nord- und Südwand wurden Ende der 1950er Jahre von Kurt Zöller aus Miltenberg gestaltet.
Orgel
Die Orgel ist mit 13 Register auf zwei Manualen, Schleifladen mit mechanischer Traktur ausgestattet und wurde 1970 von der Firma Oberlinger aus Windesheim (Rheinland) geliefert. Teile der alten Orgel wurden wiederverwendet.
Glocken
Die vier Glocken erklingen in den Tönen a-h-cis-e (Gloria-Motiv) und sind abgestimmt auf das Geläute der evangelischen Stadtkirche.
1960 wurden zunächst drei Glocken gegossen:
1. Die Josefs-Glocke (3,2 Ztr.),
2. die Marienglocke (6 Ztr.),
3. die Christus-Glocke (8 Ztr.).
1964 wurde aus Anlass der Verschwisterung der Städte Erbach und Pont de Beauvoisin in Frankreich die Glocke der Versöhnung hinzugefügt. Sie trägt den Namen des Hl. Martin, des Bischofs von Tours und Patron der Diözese Mainz. Sie wiegt 14 Ztr.
Fenster
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Heimatvertriebene nach Erbach. Dadurch wuchs die Gemeinde um 75%. Bei der Neugestaltung der Fenster im Jahre 1958 lieferte der Kunstmaler Kurt Zöller die Entwürfe, die mit ihren Wappen und Motiven an die alte Heimat erinnern.
Die Kirchenfenster zeigen beginnend von hinten rechts:
- Das Erbacher Wappen mit der ehemaligen Kapelle im Brudergrund,
- die Dominsel von Breslau und das Wappen Schlesiens,
- den Iglauer Marktplatz und die Türme` der Marktkirche mit dem Iglauer Wappen,
- die Ruine von Kloster Hoff und dem Wappen von Pommern und Mecklenburg.
Auf der linken, der Südseite, hinter der Empore beginnend:
- Auf Banat, Batschka, Wolymien, Ukraine verweisen die Pußtalandschaft mit typischem Ziehbrunnen und das Wappen, das durch ein blaues Band die Flüsse Donau und Theiß symbolisiert.
- Eine typische Häuserzeile eines Dorfes und das Wappen mit der Stephanskrone verweisen auf Ungarn und Siebenbürgen.
- Das Sudetenland wird einerseits charakterisiert durch einen Sprudel, Symbol des westböhmischen Bäderdreiecks Karlsbad, Marienbad und Franzenbad, andererseits durch die Industrielandschaft Nordböhmens: Im Wappen links der deutsche Reichsadler, rechts das Kreuz des Deutschen Ritterordens, in der Mitte ein Wappenanteil der Freien Reichsstadt Eger.
- Auf Ost- und Westpreußen verweisen die Marienburg und das Wappen mit dem Ordenskreuz und der Elchschaufel.