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Grundschule Mossautal

Treffpunkt für Leseratten
Bildung: Dank großem Engagement von Lehrern, Eltern und Sponsoren kann Grundschule Mossautal Eröffnung ihrer Bücherei feiern

 

HÜTTENTHAL. Deutsche Schüler lesen nicht gern. Zumindest ein großer Teil von ihnen, wenn man der Pisa-Studie Glauben schenken darf: 42 Prozent der Fünfzehnjährigen sagen, dass sie nur dann lesen, wenn sie müssen. In dieses Bild passte nicht, dass am Freitag Kinder der Grundschule Mossautal selbst Werbung für Bücher machten: Mit Liedern und Gedichten zum Thema Lesen gestalteten die Klassen 1a, 3a sowie 4a und 4b die Eröffnung der neuen Bücherei in ihrer Schule.

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Schulleiterin Monika Braun erläuterte den Gästen, warum der Griff zum Buch vor allem für Kinder wichtig ist: „Lesen ist die Schlüsselkompetenz überhaupt“, so die Pädagogin. Es fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch die kognitive Entwicklung – jene Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und miteinander in Bezug setzen zu können. Zudem unterstützt Lesen die Konzentrationsfähigkeit: Eine Fertigkeit, mit der sich manches Kind heute ziemlich schwer tut. Nicht zuletzt regt das Schmökern die Fantasie an: „Kein Computer schafft das“, verwies Braun auf den Umstand, dass Computerspiele und Fernsehfilme fertige Bilder liefern und die Geschichten praktisch ohne Mitdenken nur noch konsumiert werden.

Der Weg zur eigenen Schülerbücherei war für die noch junge Schule schwierig. Nicht nur, dass das Geld für teure Buchanschaffungen fehlte, so recht schien man auch keinen Platz dafür zu haben. Und schließlich hatte Monika Braun bereits an einer Schule in Beerfelden den Aufbau einer Bücherei übernommen und dabei festgestellt, wie viel Arbeit so etwas macht: Da die Schule zum Zeitpunkt des ersten Gedankens an eine Schülerbücherei, das war 2001, noch sprichwörtlich in den Kinderschuhen steckte, erschienen andere Projekte zunächst um einiges wichtiger. Dann spendete die Familie einer Schülerin gebrauchte Bücher, die sich die Schüler der damaligen 4a nur zu gern ausliehen. Erst 2003 nahm die Idee konkretere Formen an: Lehrerin Silke Lenz regte erneut Aktivitäten in dieser Richtung an, woraufhin schließlich Kontakt zur Katholischen Öffentlichen Bücherei in Erbach gesucht wurde, wo man tatkräftige Unterstützung in Sachen Bibliotheksaufbau und -verwaltung fand.

Dann folgte die Suche nach Sponsoren: Eltern, Firmen und Kreditinstitute waren unter den Spendern, wobei auch der Lions Club sich mit 1500 Euro beteiligte und damit die größte Einzelspende leistete. Sogar Schüler engagierten sich. So musizierten Daniel Albrecht und Jannika Jost beim Weihnachtsmarkt zwei Tage lang in der Daumsmühle und spendeten zum Schluss 140 Euro für die Bücherei. Am Ende kamen beinahe 4400 Euro zusammen – ein guter Grundstock. Doch wer sollte die Ausleihe übernehmen? Wie so oft sprangen Eltern ein: Immer mittwochs verleiht nun ein Team von Müttern Bücher an die Kinder – von den rund 530 Büchern werden dabei pro Leihtermin rund 50 Schmöker ausgegeben. Kein Wunder, denn jede Leseratte findet Passendes: Ob Harry Potter oder Detektivgeschichten, Pferderomane oder Sachbücher – die Kinder haben die freie Wahl.

Zwei weitere Exemplare für die Bücherei stiftete am Freitag auch Mossautals Bürgermeister Willi Keil, der nach eigenem Bekunden als Kind die Geschichten über den Jungen Joe und sein Pferd Fury verschlang.

Wie die übrigen Gäste fand auch der Bürgermeister lobende Worte für die neue Bücherei und stellte mit Stolz fest: „Die Grundschule hat mal wieder ein Schlaglicht gesetzt“. Aber das, so der Verwaltungschef augenzwinkernd, sei man ja schon fast gewöhnt.

echo online vom 09.06.2004 pdf