Mär -
Das kulinarisch-literarische Ereignis 2010!

Dahinter verbirgt sich ein phonetisches Wortspielchen, das mit drei Arten der Bedeutung bei weitgehend gleicher Aussprache liebäugelt: „Mär" für „Märchen", für „Meer", für „mehr" und etwas verballhornt „Mäh". "Merci" und "Mexico" gehören als "Märci" und "Mähkxiko" natürlich auch dazu.
[Erbach, 16.01.2010]

 

Der Bericht

 

Märchenhaftes mit drei Buchstaben

Kulinarisch-literarischer Abend in der kathol. Bücherei St. Sophia am Samstag zum Thema „Mär"

ERBACH. Drei Buchstaben genügten für die Einladung, mehr nicht. Oder muss es nicht heißen „Mär"? Genau richtig, aber ebenso spielte das Meer mit all seinen Inhalten am Samstag beim kulinarisch-literarischen Abend der katholischen öffentlichen Bücherei St. Sophia eine Rolle. Willi Weiers vom Team der Bücherei verkündete eingangs nicht ganz zu Unrecht, dass diese rhetorische „Dreifaltigkeit" den roten Faden bilden wird. Der phonetischen Bequemlichkeit der Odenwälder Mundart angepasst, fanden sich in dem fast fünfstündigen kurzweiligen Programm auch Beiträge aus der heimischen Schafszucht wie das Hauptgericht „Mäh Mäh" (Lammbratwurst mit Wirsing und Schupfnudeln).

Da durften auch ein kleiner Auszug aus dem Odenwälder Schafskrimi „Mords Schafe" nicht fehlen. Wieder einmal stellte das ehrenamtliche Team der Bücherei unter Beweis, dass ihm der Humor mindestens so nahe steht wie der Glauben. „Weshalb die letzten 2010 Jahre anders liefen" lüftet das Geheimnis um das verlorene Schaf in dem geschichtsträchtigen Stall von Betlehem. Nicht nur an der Tischdekoration und im Vorgriff auf den Speisesaal war unschwer zu erkennen, dass weniger glaubhaft übermittelte Erzählungen den Schwerpunkt des Abends bilden werden. Allerlei Figuren und Symbole aus einschlägig bekannten Märchen zierten den Haupttisch und die Speisekarte. Mehrfach galt es, um die Ecke zu denken, ob bei „Hänsels Betrug" (Feldsalat mit Hühnerbein) oder beim „Zaubertrank". Nicht nur ein optischer Schmaus bot der Nachtisch „Märchenkönig". Um an die rote Grütze mit Vanilleeis zu gelangen, durfte jeder Gast zunächst das Goldkrönchen samt Deckel des Einmachglases beiseite legen, das auf einem roten Samtkissen unter Applaus feierlich serviert wurde.

Zur Einstimmung auf einen märchenhaften Abend wurde zur Begrüßung einen Kamm mit essbaren „Rapunzel-Haaren" gereicht. Als Gruß der Küche fanden sich „falsche Schnecken" aus der „Hetschbacher Schneckenzucht" (Weiers) auf den Tischen. Auf dem Weg dorthin stimmte das Team seine Gäste auf das spätere Märchenraten ein: Hier knackte es „Knusper, knusper, Häuschen" und dort flogen Federn aus Frau Holles Bettkissen, sobald der Gast einen Goldtaler für die dem Ludwigsburger Märchenpark entliehenen Stationen zahlte. Zum ersten Mal in der elf Jahre währenden Geschichte dieser literarisch-kulinarischen Veranstaltung unterhielt auch Ursula Weiers, abwechselnd oder im Duett mit ihrem Mann, mit Originaltexten, Verfremdungen und Persiflagen bekannter Märchen. Während die Gäste sich „Rot wie Blut, gelb wie die Sonne" (rote Bete Carpaccio mit Orangen) oder im ersten Hauptgang „Mehr Meer Mäh" (Kartoffelpuffer mit Kräuterquark und Lachs) und zum Nachtisch „Mehr Mäh" (Ziegenkäse mit Honigsenf) munden ließen, hörten sie drei Versionen des „Erlkönigs" von J. W. Goethe, Heinz Erhardt und Otto Walkes. Dazu wurde ein feinherber Weißburgunder und ein trockener Rotwein aus der Pfalz (2008) sowie Gänsewein von 2010 gereicht. Christine Nöstlingers Richtigstellung des Märchens vom Wolf und den sieben Geislein fand ebenso Anklang wie Michael Endes „Ballade von Karl dem Großen und Pippin dem Kleinen".

Wenn nur die Kau- und Lachmuskeln der Gäste gefordert gewesen wären, hätte etwas gefehlt. Für eine angeregte Unterhaltung an den Tischen trugen auch die Märchenrätsel bei, die beispielsweise wissen wollten, wer die bewaffneten BRD-Bürger auf Hasenjagd (Die sieben Schwaben) waren. Seiner gerechten Strafe zugeführt wurde auch literarisch der Verbrecher, der 85 Prozent des Jungviehbestands (Der Wolf und die sieben Geislein) vernichtet hatte. Das Losglück aller richtigen Antworten fiel auf den Besucher, der in der Beschreibung „Teenager kann sich nach unerwartetem Lottogewinn standesgemäß einkleiden" das Märchen vom Sterntaler erkannte. Zur Belohnung gab es ein original großes Spinnrad (ohne Spindel, damit Dornröschen kein zweites Mal die Welt in Dauerschlaf versetzt).

 

Das Menü 

Gaumenschmaus und Gurgelfreuden
  • „Schneckenpost“
    Falsche Schnecken
  • „Hänsel’s Betrug“
    Feldsalat mit Hühnerbein
  •  „Rot wie Blut, gelb wie die Sonne….“
    Rote Bete Carpaccio mit Orangen
  •  „Mehr Meer Mär“
    Kartoffelpuffer mit Kräuterquark und Lachs
  •  „Zaubertrank“
  •  „Mäh Mäh“
    Lammbratwurst mit Schupfnudeln und Wirsing
  •  „Mehr Mäh“
    Ziegenkäse mit Honigsenf
  •  „Märchenkönig“
    Rote Grütze mit Vanilleeis
  • 2008er Pfalz Weißburgunder  feinherb
    2008er Pfalz Rotwein trocken
    2010er Gänsewein

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Der Bericht

 

Bequemlichkeit der Phonetik

Genüsse: Drei Buchstaben stehen für einen kulinarisch-literarischen Abend in der katholischen öffentlichen Bücherei St. Sophia

ERBACH. Drei Buchstaben genügten für die Einladung zum kulinarisch-literarischen Abend der katholischen öffentlichen Bücherei St. Sophia: Bibliotheksleiter Willi Weiers pries am Samstag ,,Mär" als rhetorische Dreifaltigkeit und roten Faden an. Der phonetischen Bequemlichkeit der Odenwälder Mundart angepasst, fanden sich in dem fast fünfstündigen kurzweiligen Programm auch Beiträge aus der heimischen Schafszucht wie das Hauptgericht ,,Mäh Mäh"
Mähr dazu bei Echo Online... [pdf]