Bella Italia -
das literarisch-kulinarische Ereignis 2004!

Es war in den 50ern. Es gab wieder etwas zu essen, die Wohnung war eingerichtet. Das gab Gelegenheit wieder an das Vergnügen zu denken – es kamen die Kinder und die großen Urlaubswünsche.

Gar so große Sprünge konnte man aber doch nicht machen – also fuhren alle mit Roller, Käfer und Samba-Bus in den Süden. Viel hatte man im Radio davon gehört – ein Luis Trenker erzählte von seinem Rucksack und den Dolomiten. Die Schlager-Sternchen sangen von den Stränden und von Roma.

Viele, viele blieben in Südtirol – man sprach deutsch und das Geld reichte auch nicht weiter. Andere fuhren in den Süden – und erlebten Bella Italia!

Stimmen zum Abend

  • Damals in Italien
    Literarische Zeitreise - Als die Deutschen mit dem Roller gen Süden strebten
    von Manfred Giebenhain - Odenwälder Echo vom 20.01.2004 [ pdf]
  • Eine Rückkehr in die Zeit, als bei Capri noch die Sonne unterging
    Bella Italia - eine kulinarisch-literarische Reise in die 50er Jahre
    Michelstadt aktuell vom 23.01.2004
  • Kulinarisch-literarische Reise durch Italien
    Wir befinden uns in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ganz Deutschland will Urlaub machen in Italien. Ganz Deutschland? Nein, nur eine kleine Schar von zweiundzwanzig Auserwählten hatte sich auf den Weg gemacht, um eine ... Weiter beim Main-Echo vom 21.01.2004

Eine Rückkehr in die Zeit, als bei Capri noch die Sonne unterging
Bella Italia - eine kulinarisch-literarische Reise in die 50er Jahre

ERBACH.- Beiden wird etwas Besonderes nachgesagt, etwas unverwechselbares und Unvergängliches: Italien und die Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders, der gewonnenen Fußballweltmeisterschaft und der  Wir sind wieder wer"-Stimmung; sprich die 50er Jahre. Zusammen bildeten sie Ausgangslage wie
Thema einer kulinarisch-literarischen Reise, zu der die katholische öffentliche Bücherei St. Sophia seine 2 x 22 Literarische ReisesouvernirsGäste unter dem Motto "Bella Italia" eingeladen hatte. Das mit dem Hessischen Bibliothekspreis ausgezeichnete Team servierte zur Begrüßung Martini und Orangina in den liebevoll in den Farben Grün, Weiß und Rot dekorierten Räumen des Palais. Über die Monitore im Foyer huschten Bilder von vollschlanken Damen im Bikini, Urlaubsfotos vom Campingplatz am Gardasee und strahlende Schönheiten mit Faltenrock oder im Blümchenkleid. Bibliotheksleiter Willi Weiers stimmte die Zeitreise an mit einem Blick in eine Tageszeitung vom 11. März 1957, in der Luis Trenker vom Sinn und Unsinn des Mountain-Climbens berichtete, der erste Mikrowellenherd für 3.500 Mark als neue Haushaltshilfe angepriesen wurde und der Calypso mit Harry Bellafontes  "Banana boat" seinen Siegeszug antrat.
Dass die Gäste vergessen hatten, Briketts mitzubringen wurde ihnen zwar verziehen, doch dafür gestaltete sich die erste Mahlzeit als bescheiden, dafür aber als historisch wertvoll. Die drei kleinen Gebäck-Fischlis galt es zu Ehren des Hauses  "mit Andacht zu kauen." Auch die im Hintergrund trällernden Schlager waren noch nicht als Höhepunkt auszumachen.
Von Mal zu Mal steigerte sich die Gaumenfreude, die eine erlesene Auswahl der italienischen Küche bei Vino und Aqua minerale serviert bekam. Wie im Laufe der Fünfziger steigerte sich das Angebot, das zu jener Zeit eine regelrechte Fresswelle ausgelöst haben soll, wie Weiers berichtete. 3.000 Kalorien pro Deutscher am Tag waren Ausdruck des Zeitgefühls  Endlich wieder satt essen."
Im Jahre 2004 gab es Antipasti aus Ligurien, Piemont, Latium und Apulien, bestehend aus süß-sauren Möhren, Brotfladen mit Käse und mit Sardellen gefüllten Paprikaschoten mit viel Petersilie. Paglia e fieno, zu Deutsch  "Stroh und Heu", aus der Toscana bildeten die zweite Die gedeckte Tafel.Vorspeise, die Kenner sofort als grüne Bandnudeln mit Sahnepilzsauce identifizierten. Als Secondi stand auf der Speisekarte Thunfisch mit Erbsen (Latium) und Kalbsröllchen mit einer Leberfarce und mit Feldsalat aus der Lombardei.
Zum Abschluss Dolci, bestehend aus echt italienischem Gelati und einer gebackenen süßen Creme (Ligurien) und dem Südtiroler  "Ertrunkenen Kapuziner", dem Cappuccini affogati, wie das in einer Eiermasse gebackene Weißbrot mit Rosinen in Rotwein getränkt bezeichnenderweise heißt.
Für die literarische Unterhaltung zwischen den Gängen sorgte Willi Weiers mit Geschichten zu den Fotos von damals und Kurzgeschichten von Dieter Hildebrandt, Werner Finck, Hanns Dieter Hüsch, Dino Buzzati, Natalia Ginzburg, Andrea Camilleri und Carlo Manzoni. Heinrich Lübkes Versprecher durften da nicht fehlen wie der Inbegriff der deutschen Spießigkeit am Beispiel eines Zollbeamten.
Doch viel zu wichtig war den Menschen das kleine Glück am
Nierentisch, Petticoats und Tütenlampen, das bügelfreie Perlonhemd
und die untergehende Sonne Capris:  "Komm mit ans blaue Meer und
wir tun so als ob das Leben eine Reise wär' ".

Die Planung

 

Luis Trenker-Autogrammkarte

Die Souvenir-Karte "Ludwig Erhard:  Wohlstand für alle"

Die literarischen Souvenirs

  • "Der Lügner" und "Eine geruhsame Flugreise" und "Der Mann mit dem Hut in der Hand" aus "Die Lügengeschichten des Carlo Manzoni" von Carlo Manzoni, dtv, München, 1976, ISBN 3-423-00646-3 
  • "Den möcht ich seh'n" (S. 169/S. 172) von Hanns Dieter Hüsch, Satire-Verlag, München, 1980, ISBN 3-88268-005-9 
  • "Der Zollbeamte" aus "Was bleibt mir übrig" von Dieter Hildebrandt, Kindler Verlag, München, 1986 
  • "Aus meinem Reisetagebuch" aus "Alter Narr was nun?" von Werner Finck, dtv, München, 1975, ISBN 3-423-01044-4 
  • "Ketchup, Jeans und Haribo - Die letzten Rätsel unserer Sprache" von Hartwig Lödige, Ullstein, München, 2001, ISBN 3-548-35921-3 
  • "Chronik 1957 - Tag für Tag in Wort und Bild", Chronik-Verlag, Dortmund, 1986, ISBN 3-88379-078-8  
  • "Zimmer frei - das Buch zum Touriseum" von Josef Rohrer,  erschienen im März 2003 im Eigenverlag des Tourismusmuseums Schloss Trauttmansdorff. 30 Euro, erhältlich im Südtiroler Buchhandel und im Touriseum
  • "Schütze" von Natalia Ginzburg (S. 64) , Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 1994, ISBN 3-8031-1145-5
  • "Geschriebenes eins" aus "Der unschickliche Antrag" von Andrea Camillieri, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 1999, ISBN 3-8031-3143-X 
  • "Der Mantel" von Dino Buzzatti (aus "Die unheimlichsten Gespenstergeschichten", Tosa-Verlag, Wien,  1978)

Der Zeitgeist

Die Rezepte

  • "Die echte italienische Küche" von Reinhard Hess und Sabine Sälzer
    Hess, Reinhardt; Sälzer, Sabine: Die echte italienische Küche.
    Typische Rezepte und kulinarische Impressionen aus allen Regionen. Einf. v. Franco Benussi. 26. Aufl. 2002. 320 S. m. zahlr. Farbfotos. 28,5 cm. Gebunden. 1654gr.
    ISBN: 3-7742-1102-7, -GRÄFE & UNZER- 25.00 EUR

  • Antipasti
    · Focaccia al formaggio Brotfladen mit Käse (Ligurien)
    · Carote in agro Süß-saure Möhren (Piemont)
    · Pandorato Pikantes Brot aus der Panne (Latium)
    · Peperoni ripieni Gefüllte Paprikaschoten (Apulien)
  • Primi
    · Paglia e fieno”Stroh und Heu” Weiße und grüne Bandnudeln mit Sahne-Pilzsauce (Toskana)
  • Secondi
    · Tonno con i piselli Thunfisch mit Erbsen (Latium)
    · Involtini alla milanese Kalbsröllchen (Lombardei)
  • Dolci
    · Latte dolce fritto Gebackene süße Creme (Ligurien)
    · Gelati Eis
    · Cappuccini affogati Ertrunkene Kapuziner (Südtirol)

Die Autoren

  • Luis Trenker kam am 4. Oktober 1892 in St. Ulrich im Grödnertal in Südtirol zur Welt. Schon früh verschrieb sich Luis Trenker dem Bergsteigen. Bereits während seiner Schulzeit, von 1903-1912, arbeitete er in den Ferien als Bergführer und Skilehrer. Die als schwierig angesehene Bergführerprüfung legte er ebenfalls noch als Schüler ab. Nach dem Ersten Weltkrieg und mit abgeschlossenem Studium arbeitete Trenker zunächst bis 1927 in Bozen in einem Architekturbüro. Nebenbei widmete er sich aber auch weiterhin seiner Leidenschaft mit der Arbeit als Bergführer und Skilehrer. Als Bergführer wurde er 1923 auch schließlich für den Film entdeckt. Zunächst als alpiner Berater eingesetzt, engagierte ihn Dr. Arnold Fanck schließlich auch für die Hauptrollen in seinen Filmen.
    Sein erster eigener Stummfilm "Der Kampf ums Matterhorn" (1928) wurde ein großer Erfolg. Auch seine folgenden Tonfilme entsprachen mit ihrer Hauptaussage nach einem urwüchsigen, naturverbundenen Leben dem Geschmack der Zeit und wurden alle ebenso große Erfolge und kamen daher auch bei den Nationalsozialisten gut an.
    Nach dem Krieg kehrte Trenker zurück nach Südtirol. Er drehte zunächst eine Reihe kleinerer Dokumentarfilme und ab 1949 auch wieder Spielfilme. Auch im Fernsehen war Trenker in der Nachkriegszeit häufiger Gast wie 1959 in der ARD-Sendung "Luis Trenker erzählt". In seinen letzten Lebensjahren setzte er sich besonders für den Umweltschutz ein. 1978 gehörte er zu den Unterzeichnern einer Wählerinitiative der "Grünen". Er starb am 12. April 1990 in Bozen im Alter von 97 Jahren.
  • Werner Finck (1902-1978) wurde in Görlitz geboren. Seine ersten Erfahrungen als Schauspieler sammelte er in Bunzlau: „Er kam zu spät, vergaß den Text, verhedderte sich im Vorhang, verlor die Hose...“ (K. Köpernick) - und hatte mit unfreiwilliger Komik unverhofft Erfolg! 1929 gründete er die Kabarettbühne „Die Katakombe“ in Berlin. 1934 bekam er Auftrittsverbot durch die Nazis und wurde in das KZ „Esterwegen“ eingewiesen. Nach seiner Entlassung - „Ich bin der Finck – leicht gedrosselt“ - und vor der drohenden zweiten Verhaftung meldete er sich 1938 als Freiwilliger zur Wehrmacht. 1948 gründete er das Kabarett „Die Mausefalle“ in Stuttgart. 1978 verstarb Finck in München.
  • Dieter Hildebrandt Geboren am 23.05.1927 in Bunzlau/Niederschlesien. Grundschule, dann Oberschule bis zum Jahre 1943. Von 1943-1944 Luftwaffenhelfer in Berlin. Nach 4 Monaten Arbeitsdienst Einberufung zur Wehrmacht. Am 8.Mai 1945 in amerikanischer bzw. englischer Gefangenschaft. Entlassung im Sommer 1945 in Hannover. Findet seine Eltern wieder im Oktober und zieht nach Windischeschenbach/Oberpfalz in Bayern. Abitur 1947 in Weiden/Oberpfalz, dann Studium der Theaterwissenschaften und Literatur in München. (1950-1955) Gründung des Studentenkabaretts "Die Namenlosen" in München - Schwabing. Danach zusammen mit Sammy Drechsel Gründung der "Münchner Lach und Schießgesellschaft". 1972 Auflösung des Emsembles. Arbeitet für Rundfunk und Fernsehen. Von 1973-1979 Moderator und Mitautor der ZDF-Sendereihe "Notizen aus der Provinz". Von 1974-1982 "Autorenkabarett" mit Werner Schneyder. Von 1980 bis heute SFB-Sendung "Scheibenwischer".
    Verheiratet seit 1956 mit Irene Mendler, Kinder Ursula und Jutta. Nach dem Tode von Irene Wiederverheiratung mit Renate Küster im Jahre 1992.
    Preise: Grimmepreis in Bronze, Silber und Gold , Deutscher Kleinkunstpreis , Schillerpreis, Högnerpreis , Knoeringenpreis , etc.
  • Hanns Dieter Hüsch "Die Welt ist, wie sie ist", sagt Hanns Dieter Hüsch. Als Kabarettist kann er sie nicht verändern, aber Mut machen kann er den Menschen, in ihr zu leben. Gut ein halbes Jahrhundert lang steht er dafür mit Soloprogrammen auf der Bühne, schreibt Bücher, spielt Rollen in Fernsehfilmen, moderiert im Hörfunk, produziert Schallplatten und CDs. Das Publikum liebt ihn, die Presse nennt ihn: "Asylant im Land des Lächelns", "Bärtiger Barde" und "Eulenspiegel im Wortgestrüpp", "Don Quijote vom Niederrhein" und "Hofnarr des Humanismus"", "Troubadour der Menschlichkeit" und "Wanderprediger der Toleranz". Doch Hanns Dieter Hüsch, 1925 geboren, versichert Zeit seines Lebens: "Ich möchte ein Clown sein."
  • Natalia Ginzburg 1916 in Palermo geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Turin. 1938 heiratete sie den Slawisten Leone Ginzburg, der 1944 in einem römischen Gefängnis ermordet wurde. Nach dem Krieg lebte sie als Lektorin des Einaudi-Verlags in Mailand und ab 1950 in Rom, wo sie 1991 starb. Sie erlangte Ruhm mit ihrer gefühlvollen Schilderung italienischer Kinder und Frauen, die in der Familie isoliert sind (Le voci della sera, 1961, Die Stimmen des Abends), und der Autobiographie Lessico famigliare (1963, Mein Familienlexikon) mit Essays über die eigene Jugend in Turin.
  • Carlo Manzoni  italienischer Schriftsteller (1909-1975) 1909 in Mailand geboren, studierte zunächst Medizin, dann in Abendkursen Architektur und Zeichnen an verschiedenen Hochschulen. Als Maler nahm er aktiven Anteil an der Bewegung des Futurismus. 1936 begann er zu schreiben, zunächst satirische und humoristische Aufsätze für Zeitungen und Zeitschriften, später auch Stücke für Theater und Fernsehen. Er ist Mitbegründer der satirischen Zeitschrift >Bertoldo<. Berühmt geworden ist er vor allem durch eine Reihe humoristischer Kriminalromane, in denen er auf amüsante Weise diese literarische Gattung parodiert.
  • Andrea Camilleri, 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle (Provinz Agrigento) geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Sein literarisches Werk, in dem er sich vornehmlich mit seiner Heimat Sizilien auseinandersetzt, umfasst mehrere historische Romane sowie vier Kriminalromane um den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano.
  • Dino Buzzati ist am 16. Oktober 1906 in Belluno (Venetien) geboren und am 28. Januar 1972 in Mailand gestorben. Er war promovierter Jurist, wurde aber Journalist. Von 1928 bis zum Krieg und nach dem Krieg bis zu seinem Tode war er Redakteur beim Corriere della Sera. Im Krieg war er Marineoffizier und Kriegsberichterstatter in Nordafrika und auf Sizilien. Dino Buzzati (1906-1972) gilt als einer der herausragenden Erzähler der italienischen Moderne. Bekannt wurde er durch seine phantastischen Erzählungen und den Roman Il deserto dei Tartari (1940, Die Tatarenwüste). bedeutende Romanciers der Nachkriegszeit sind Dino Buzzati, zu dessen an Franz Kafka gemahnenden allegorisch-parabolischen Werken der Roman Il deserto dei Tartari (1940, Die Tatarenwüste) und das Drama Un caso clinico (1953, Das Haus mit den sieben Stockwerken) zählen.