Entstehung
der katholischen Pfarrei Michelstadt
Ein Rückblick in die Vergangenheit
1946 Heimatvertriebene verändern entscheidend
die seelsorgerische Situation in Michelstadt
Als nach Kriegende, im Jahr 1946, der Strom der Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten einsetzte, kamen etwa 9000 Heimatvertriebene in den Kreis Erbach. Achtzig Prozent von ihnen waren katholischen laubens. Die Pfarrkirche in Erbach reichte daher für die Gläubigen, die aus nah und fern zum Gottesdienst kamen, nicht mehr aus. Die neue Situation machte deshalb eine Aufteilung der Pfarrei Erbach dringend notwendig. Man versuchte daher, soweit es möglich war, umgehend Abhilfe zu schaffen. Da die Gläubigenzahl in Michelstadt besonders stark angewachsen war, kam der Unternehmer Bernhard Koziol zu Hilfe und stellte den Gemeinschaftsraum seines Betriebes in der Frankfurter-Straße zur Feier des sonntäglichen Gottesdienstes zur Verfügung.
1953 Michelstadt wird wieder eine selbständige Pfarrei
Die Gottesdienste im Gemeinschaftsraum der Firma Bernhard Koziol fanden zunächst nur alle vier Wochen, ab 1948 alle 14 Tage und ab 1952 regelmäßig an allen Sonn- und Feiertagen statt. So wurde Michelstadt langsam eine selbständige Seelsorgestelle, so daß es notwendig erschien, Michelstadt aus der Pfarrei Erbach herauszunehmen und wieder zur Pfarrei zu erheben. Dies geschah zum 15. Oktober 1953 mit der Einsetzung des Pfarrers Hans Becker. Der Geistliche bezog zuerst im Gasthaus „Zum Grünen Baum" in der Großen Gasse 17 eine Zweizimmerwohnung. Bald danach verlegte er seinen Wohnsitz in die Rudolf-Marburg-Straße14. Dort feierte er, ebenso ie in seiner ersten Wohnung, in seinem Arbeitszimmer werktags die heilige Messe.
1959 Sankt Sebastian wird Schutzpatron der
neuen Pfarrgemeinde Michelstadt

Pfarrer Hans Becker und seine junge Pfarrgemeinde setzten alles in Bewegung, damit ihr lang gehegter Wunsch, ein eigenes Gotteshaus, in Erfüllung ging. Dank der Unterstützung durch die Diözese Mainz, des Bonifatiusvereins, des Verbandes der deutschen Schützenbruderschaften und dank der großen Opferbereitschaft zahlreicher freiwilliger Helfer und Spender konnte der Bau auf dem neu erworbenen Grundstück in der d`Orville Straße vollendet werden. Am 23. April 1957 erfolgte der erste Spatenstich. Zwei Monate später, am 23. Juni 1957, wurde auf dem Bauplatzgelände das erste Hochamt gefeiert und anschließend die Weihe der Fundamente und des Grundsteins durch den Generalvikar Haenlein vorgenommen. Am 4. Juli 1958 war das Richtfest und am 5. Juli 1959 die feierliche Konsekration der neuerbauten Kirche durch den Oberhirten der Diözese Mainz, Bischof Dr. Albert Stohr. Zahlreiche Abordnungen der historischen deutschen Schützenbruderschaften, mit deren Hilfe die Kirche erbaut wurde, waren zu diesem großen Ereignis nach Michelstadt gekommen. Von ihnen kam die Anregung, der neu erbauten Kirche den Namen ihres Schutzpatrons „Sankt Sebastian" zu geben. Mit dem Bau der St. Sebastian-Kirche wurde somit die Verbindung mit der katholischen Vergangenheit wieder hergestellt.