Wiedersehen im Himmel

Bereits in unserem irdischen Leben gilt das Sich-Wiedersehen von Menschen, die tief miteinander verwurzelt sind, als einer der wohl schönsten Vorgänge solidarischer Gemeinschaft unter den Menschen.

Gemäß der Grundüberzeugung des christlichen Glaubens, dass die Gnade Gottes die Natur des Menschen nicht zerstört, sondern vollendet und erfüllt, darf man deshalb auch im Blick auf diese menschlich schöne Seite des Sich-Wiedersehens sagen, dass das ewige Leben des Menschen bei Gott unser irdisches Leben nicht zerstört, sondern es verklärt.

Von daher hat es seinen guten Sinn, dass Menschen, die auf unserer Erde in einer besonderen Liebe miteinander verbunden sind, der Hoffnung gewiss sein dürfen, dass sie einander wiedersehen werden im ewigen Leben, freilich in ihrer vollendeten Gestalt.

Kurt Koch,
jetzt Präsident des Päpstlichen Rates
zur Einheit der Christen

 



Zur Betrachtung

O Herr, du weißt besser als ich, daß ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Therese von Avila

Erlöse mich vor der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen. Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, daß ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Heiliger sein - mit ihnen lebt es sich so schwer -, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schönste Gabe, sie auch zu erwähnen.

 

Theresa von Avila (1515 - 1585)

 


... zum Nachdenken:

 

Nun gibt es Zeiten in unserem Leben,

in denen es wichtiger ist, geduldig zu sein als tüchtig;

besser, Schmerzen gewachsen zu sein als, als zu arbeiten;

nötiger, sich in andere zu fügen, als zu befehlen;

die Einsamkeit der Nacht auszu-halten, als am Tag mitzureden.

 

Und eben diese Zeiten,

die uns so fremd geworden sind,

sind es, in denen sich zeigt,

wer wir in Wahrheit sind.

 

(Jörg Zink)

 


 

 

Gebetszeitschrift TEDEUM der Benediktinerabtei Maria Laach

Täglich aktuell: 

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