Die "Geschichte" des Dekanates Bingen

 

Seit der Auflösung der alten kirchlichen Strukturen im Deutschen Reich durch die Säkularisation (25.7.1802) erlebten die Pfarrgemeinden im Bereich des heutigen Dekanates Bingen eine wechselvolle Geschichte der territorialen und administrativen Zuordnung.

 

Die ersten großen Veränderungen ergaben sich als das Bistum Mainz nach der Zerschlagung des alten Erzbistums neu gegründet wurde. Bedingt durch den Anschluß aller linksrheinischen Territorien an das napoleonische Frankreich war dieses neue Bistum Mainz deckungsgleich mit dem Departement Donnersberg, das aus den Regionen Rheinhessen und Pfalz (von Mainz bis Zweibrücken, von Bingen bis Germersheim) bestand. Als untergeordnete Verwaltungsstruktur traten die sogenannten Friedensgerichte, denen die einzelnen Pfarreien zugeteilt wurden. Doch hatte diese Struktur keinen langen Bestand, da schon 1811 eine neue administrative Gliederung des Bistums vorgenommen wurde und einzelne Dekanate eingerichtet wurden.

 

Mit dem Ende der französischen Herrschaft in Deutschland erfolgte jedoch wenige Jahre später eine neuerliche Umgestaltung des Bistums und der entsprechenden administrativen Untergliederungen. Am 28.11.1829 erhielt das Bistum Mainz seine heutige Gestalt. Im nördlichen Rheinhessen entstanden zeitgleich zwei Dekanate als administrative Ebene zwischen Bistum und Pfarrgemeinde: das Dekanat Bingen (mit den Gemeinden in Badenheim, Bingen, Büdesheim, Dietersheim, Dromersheim, Frei-Laubersheim, Fürfeld, Gaulsheim, Gensingen, Kempten, Ockenheim, Planig, Sprendlingen und Wöllstein) sowie das Dekanat Ober-Ingelheim (mit den Gemeinden in Budenheim, Gau-Algesheim, Heidesheim, Mombach, Nieder-Ingelheim, Ober-Ingelheim und [Sauer-]Schwabenheim).

 

Eine erste territoriale Veränderung erfolgte zum 1.7.1894, als die Pfarrgemeinde Ober-Hilbersheim (bisher Dekanat Gau-Bickelheim) dem Dekanat Ober-Ingelheim zugeordnet und gleichzeitig Mombach diesem Dekanat ausgegliedert wurden.

 

Das Dekanat Bingen wuchs am 26.6.1926 um eine Pfarrei an, als in Hackenheim eine neue Pfarrkuratie errichtet wurde.

 

Die einschneidenste Veränderung erfuhren beide Dekanate als sie am 1.5.1930 zusammengelegt wurden. Dabei erfolgte gleichzeitig eine territoriale Rundung, indem einige Gemeinden benachbarten Dekanaten zugeordnet wurden (Budenheim zum Dekanat Mainz-Land, Badenheim, Frei-Laubersheim, Fürfeld, Sprendlingen und Wöllstein zum Dekanat Gau-Bickelheim).

 

In mehreren Schritten entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg im Bereich Ingelheim zwei neue Pfarreien (1950 in Ingelheim-Nord die Gemeinde St. Michael/St. Paulus, 1965 in Ingelheim-Sporkenheim die Gemeinde Heiligstes Herz Mariä).

 

Das Dekanat Bingen
seit 1984
Eine neue Grenzziehung im südlichen Bereich des Dekanates vom 1.1.1978, als die Gemeinden Badenheim und Sprendlingen im Austausch mit den Gemeinden Hackenheim und Planig das Dekanat wechselten, hatte jedoch keinen langen Bestand: schon zum 1.6.1984 kehrten Hackenheim und Planig ins Dekanat Bingen zurück.

 

Zwischen 1980 und 1984 erfolgte im Dekanat Bingen die Errichtung von Pfarrverbänden, einem Zusammenschluß von Pfarrgemeinden zu einer kleineren, übersichtlicheren Einheit zum Zwecke der besseren Kooperation in der pastoralen Arbeit vor Ort.

So präsentiert sich heute das Dekanat Bingen als eine administrative Gliederungseinheit des Bistums, das auf eine wechselhafte, nicht immer gemeinsame Geschichte zurückblickt. Neben den heterogenen politischen (sieben politische Gemeinden liegen im Bereich des Dekanates) und wirtschaftlichen Ausrichtungen der Pfarrgemeinden erschwert auch diese unterschiedliche Geschichte ein noch intensiveres Zusammenwachsen im Dekanat. Doch gibt es auch Gemeinsamkeiten der Region, die einen solchen Prozeß fördern können.

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