EIN BESUCH IN DER RESTAURIERUNGSWERKSTATT FÜR KIRCHENFENSTER

 

Ende Juli begannen die Innenrestaurierungsarbeiten in St. Cosmas und Damian mit dem Josefschor. Zuerst wurden die vier Fenster mit den Darstellungen der Verlobung Mariens über dem Josefsaltar, die Flucht nach Ägypten, der Tod des hl. Josefs in den Armen Jesu, der hl. Antonius mit dem Jesuskind zusammen mit dem hl. Franziskus von einer Würzburger Firma für Glasrestaurierungen herausgenommen.

Am Samstag, den 6. September fuhren Pfarrer Henning Priesel mit Mitgliedern des Verwaltungsrats, des Bauausschusses und des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit nach Würzburg zur Firma Rothkegel, einem Spezialunternehmen für Restaurierungen historischer Kirchenfenster, um vor Ort die zuständige Diplom-Restauratorin Frau Anne Kaiser zu treffen, die sich der Gau- Algesheimer Kirchenfenster in den nächsten Wochen annehmen wird.

 

v.l.: Pfarrer Priesel, Anne Kaiser (Diplom-Restauratorin)

v.l.: Pfarrer Priesel, Anne Kaiser (Diplom-Restauratorin)

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Zunächst erläuterte Frau Kaiser anhand des Fensters mit der Darstellung vom Tod des hl. Josef den Zustand und bestätigte begeistert die Schönheit und Aussagekraft der Fenster. Die Fenster sind vom Glaskünstler mit vielen kleinen liebevollen Details um die jeweilige eigentliche bildliche Darstellung versehen und stellen ein ausdrucksvolles Zeugnis der Glaskunst des 19. Jahrhunderts dar. Der Glaskünstler war Joseph Machhausen aus Koblenz, vom Architekten unserer Kirche Max Meckel empfohlen. Die Farben sind noch relativ gut erhalten. Kerzenruß und Staub haben in Verbindung mit Kondenswasser und aufgewirbelten Schmutzpartikeln auf den Scheiben eine dicke Schmierschicht hinterlassen, Nährboden für einen Pils, der sich an vielen Stellen mit der Bildung von Bläschen niedergelassen hat. Werden die Scheiben nicht in einer Spezialbehandlung vorsichtig und gründlich gereinigt, würde dieser Pils nach einiger Zeit zu einer Ablösung der Farbe vom Glas führen. Auf den Glasfeldern sind ebenso Veränderungen in den Farben zu beobachten, was, wie die Restauratorin ausführte, auch auf die Technik des Brennens zurückzuführen ist. Beim Aufsetzen bzw. Wegnehmen des Pinsels bildeten sich dickere Farbschichten, die beim Brennen des Glases zum übrigen Malfeld unterschiedlich im Brennvorgang reagierten. Besonders positiv auffallend ist die sorgfältige und künstlerisch hervorragende Pinselführung des Künstlers beim Auftragen der Farbe gewesen. Farbveränderungen ergeben sich auch massiv durch ultraviolette Einstrahlung des Sonnenlichts. Daneben sind die Fenster Wind, Regen und vielen weiteren äußeren Einwirkungen ausgesetzt, z. B. wenn Vögel unterschiedlicher Größe dagegen fliegen oder auch Steine dagegen geworfen werden. Alle diese Einflüsse hinterlassen ihre Spuren. Festgestellt wurde auch, dass sämtliche Fenster nach außen „gebaucht" d. h. gewölbt sind, was durch Temperaturschwankungen und Windeinfluss verursacht wurde. Die einzelnen Fensterflächen sind zu dem sehr groß. Es fehlen dazwischen zusätzliche Windeisen, die der jeweiligen Fensterfläche mehr Stabilität verleihen, was aber in Zukunft durch die Fensterschutzverglasung nicht mehr notwendig sein wird. Durch die großen Freiflächen und die Ausbuchtungen entstanden auch Spannungen innerhalb der Scheiben was zu Rissen führte, die sorgfältig wieder verklebt und farblich retuschiert werden. Die Bleifassungen bezeichnete die Restauratorin als durchgehend intakt. Wo bei bisherigen Ausbesserungen von Rissen im Glas der Einfachheit halber mit Bleifassungen ausgebessert wurde, die beispielsweise ein Gesicht oder andere wesentliche Ansichten eines Bildes zerteilen, werden diese bei der Restaurierung weggenommen bzw. bei der Schwierigkeit besonders große Risse mittels Bleifassung zu beheben auch nicht angewendet.

Alle die jetzt geschilderten Schäden und Mängel werden nach ihrer Beseitigung durch die außen vor den Fenstern anzubringende Fensterschutzverglasung in Zukunft vermieden. Die Außenschutzverglasung ist so konstruiert, dass eine sorgfältige Entlüftung gewährleistet wird. Außeneinflüsse geraten an die eigentlichen Kirchenfenster nicht mehr heran. Von innen werden die restaurierten Fenster erst dann eingesetzt, wenn alle übrigen Installations- und Malerarbeiten in diesem Chorbereich abgeschlossen sind. Überraschend war auch folgende Erläuterung der Restauratorin: Bei den bisher erfolgten Fensterüberholungen wurde bei diesem Fenster durch die vormals ausführende Glasfirma eine Scheibe verdreht und eingebaut.

Was nach innen gehört, war nach außen montiert - die beiden Fenster im Vordergrund.

Was nach innen gehört, war nach außen montiert - die beiden Fenster im Vordergrund.

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Was nach innen gehört, war nach außen montiert. Da es kein Teil der bildlichen Darstellung war, sondern ein dekoratives Schmuckteil im oberen Fensterbereich, fiel der Fehler auch aus der Entfernung gesehen niemandem besonders auf.

Sehr fehlerhaft allerdings war das wieder Einbauen nach der einmal in 1966 und ein zweites Mal in den achtziger Jahren erfolgten Herausnahme der Fenster. Dabei wurde mit Zement und Silikon gearbeitet; die einzeln Glasscheiben mit Fensterkitt dort abgedichtet, wo das Blei nicht direkt abschloss. Alles Materialien, die an einem solchen Objekt absolut nichts zu suchen haben, da sie sowohl am Sandsteingewände wie auch an den Glasfenstern selbst Schäden verursachen! Die Folge sind ausgebrochene Glasränder und Schäden an den Farben.

 

Am Rand zu sehen die verbliebenen Zement- und verhärteten Silikon- und Leinölkittreste

Am Rand zu sehen die verbliebenen Zement- und verhärteten Silikon- und Leinölkittreste

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Die Restauratorin muss jetzt mühsam und sorgfältig die verbliebenen Zement- und verhärteten Silikon- und Leinölkittreste zuerst aufweichen und dann vorsichtig wegnehmen und die Schadstellen mit Glaspuzzeln wieder ergänzen und einbleien bzw. in die Windeisen einfügen. Weiter zu beobachten sind auffallend viele Beschädigungen aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere bei den Gesichtern der dargestellten Heiligen in den Fenstern. Vermutlich mit Zwille waren Köpfe und Gesichter in dieser Zeit aus den Fenstern herausgeschossen und dann wieder mit den begrenzten Möglichkeiten der damaligen Zeit ergänzt worden. Das verwendete Glasmaterial ist einfacher Natur und die Pinselstriche zumindest bei dem begutachteten Fenster sind einfach gehalten. Die Teilnehmer waren sich einig, diese Stellen, da inzwischen auch von historischem Wert, zu belassen und nicht zu ersetzen. Begründung: Der damalige Glaskünstler konnte sich eventuell anhand der verblieben Glassplitter an den Originalzustand bei der Rekonstruktion anlehnen. Diese müsste heute nach freier Empfindung erfolgen.

Die Gemeinde darf sich auf eine sorgfältige Restaurierung der ersten Fenstergruppe freuen. Wir hoffen zu Weihnachten die restaurierten Fenster und den restaurierten Josefschor der Gemeinde zeigen zu können. Die Teilnehmer wissen die Fenster nach dem Besuch in der Restaurierungswerkstatt und dem Gespräch mit der diplomierten Restauratorin in guten Händen. Durch diese Arbeiten, die übrigens erstmals nach den früheren Arbeiten in dieser Sorgfalt erfolgen, werden die Fenster in alter Farbenfreude wieder hell erscheinen und wieder mehr Licht in das Kircheninnere einfallen lassen. Nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass notwendige Sandsteinsanierungen im Zusammenhang mit der Fensterrestaurierung Hand in Hand gehen.
 

Manfred Wantzen

 

Weitere Bilder aus der Würzburger Werkstatt

 

Bildmitte: Die Restauratorin Anne Kaiser

Bildmitte: Die Restauratorin Anne Kaiser

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Das Kirchenfenster vor dem Ausbau

Das Kirchenfenster vor dem Ausbau

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Das Kirchenfenster vor dem Ausbau

Das Kirchenfenster vor dem Ausbau

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viel Arbeit für die Restauratorin

viel Arbeit für die Restauratorin

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noch viel Arbeit ...

noch viel Arbeit ...

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