PISA und die Bildung im Kindergarten
In der Weihnachts-ausgabe unserer Wurzel-post wurde Ihnen der
vorliegende Bericht angekündigt, mit dem Thema “Lernen und
Lernformen“ der Kinder im Kindergartenalter.
LERNEN
Ein Kind lernt vom ersten Tag seines
Lebens an, freiwillig, ausdauernd und mit Begeisterung nicht immer so wie
es Erwachsene wünschen, aber es lernt, es entwickelt sich weiter. Es
erfährt sich selbst, die Welt und die anderen; erst in der näheren
Umgebung, dann erweitert es seinen Radius immer mehr. Es setzt dabei alle
Sinne ein, es fasst alles an, steckt alles in den Mund, schüttelt, horcht,
untersucht alles, macht alles nach, fragt nach allem, kennt keine Furcht
und Grenzen, denn es klettert überall hoch, kriecht überall herum und
herein. Es ist neugierig, hat eine ausgeprägte Lust am experimen-tieren
und wehrt sich vehement gegen Störversuche seitens des Erwachsenen.
Lernen bedeutet für das Kind Erfahrung pur und nicht die
Wissens-aneignung ausschließlich über den Kopf. So lernt das Kind in aller
Regel laufen, sprechen, streiten, Kompromise zu schließen, zu
unterscheiden zwischen böse und gut, zwischen richtig und falsch. Es
entwickelt Fähig- und Fertigkeiten, wenn man es lässt, besser noch wenn es
unterstützt wird. Ein Kind ist von Anfang an neugierig und von einem
Forscherdrang beseelt. Das Kind ist von Natur aus mit Lernhaltungen
ausgestattet, die es befähigen, die Welt zu erkunden. Es will alles
wissen, was mit seinem Leben, seinem Lebensumfeld zu tun hat. Ganz wichtig
dabei ist; es will alles selbst ausprobieren, selber machen und zeigen,
was es schon kann. Unsere Kinder brauchen manchmal Unterstützung und
Hilfe, und wichtig Anerkennung und Ermutigung, keine Bevormundung und
Besserwisserei.
Das Kind will lernen. Dieser frühkindliche Lerncharakter muß gepflegt werden, dient er doch als Grundlage für die lebenslange Bildung!
Diese Form des Lernens, der Auseinandersetzung mit der Umwelt, diese
Art der Aneignung von Fähig- und Fertigkeiten ist die spezifische,
kindgerechte Weise. Nicht die Aneignung von Wissen nur mit dem Kopf.
Unterstützen wir unsere Kinder darin und sie werden die Lust am Lernen
beibehalten und Lernen nicht als negativ ansehen. Bieten wir unseren
Kindern Erprobungsfelder, wo sie ein-schlägige Erfahrungen sammeln
können.
Kinder, die mit Freude, Interesse und Eigeninitiative sich die
Welt erschlossen haben, die Zutrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln
konnten, die unterstützt und nicht behindert wurden, die ihre eigenen
entwicklungsentsprechenden Lernformen anwenden konnten sind gut gerüstet
für spätere Herausforderungen.
Jeder Mensch (jedes Kind) lernt
unterschiedlich, hat individuelle Lernformen.
Deshalb kann es
nicht darum gehen alle Kinder „über einen Kamm zu scheren“. Die
Individualität darf hier aber auch nicht überhand- nehmen , denn gerade in
Kindertagesstätten, Schulen, aber auch zuhause, erfolgen (müssen erfolgen)
gemeinschaftlich organisierte Lernprozesse, die einen gemeinsamen roten
Faden, Grundprinzipien in der Vorgehensweise erfordern, wie z.B.:
• Lernen als Bestandteil von Spiel und Alltagserfahrung erkennen und fördern
• Erfahrungen durch eigenes, selbstständiges Handeln ermöglichen
• Lernschritte und Lernerfolge wahrnehmen und anerkennen
• Experimentierfelder schaffen
• Herausforderungen bieten
• Wahlmöglichkeiten schaffen
• Anregung in den verschiedensten Bereichen bieten
• Verschiedene Wege und Ergebnisse zu lassen
An dieser Stelle wollen wir es
mit der Aufzählung belassen, die Liste wäre noch fortzuführen, aber zur
Verdeutlichung bestimmt ausreichend.
Lernformen
Aus
dem Lerncharakter der Kinder lassen sich also Lernformen und Bedingungen
ableiten. Lernen soll nicht im Gegensatz sondern auf der Grundlage von
Interesse, Neugierde, eigenen Erfahrungen und individuellen
Fähigkeiten erfolgen. Nicht in Konkurrenz zu anderen sondern in
Kooperation, wechselseitiger Unterstützung und Anregung. Lernen als
Einheit von Kopf, Herz und Hand (= mit allen Sinnen, dem ganzen Körper).
Dies alles trägt dazu bei die ureigene Lernmotivation, den Lernwillen des
Kindes zu erhalten und daraus ergeben sich Lernformen, auch hier wollen
wir keine vollständige Liste zum Abhaken erstellen sondern nur einige
Möglichkeiten aufzählen wie:
• Lernen mit allen Sinnen
und nicht nur über den Kopf, d.h. nicht nur abfragbares Wissen zählt,
sondern alle
fähigkeiten und Fertigen sollen und
können unterstützt werden, dazu gehören Verhaltensweisen, ebenso
wie Talente.
• Erfahrungslernen
(„learning bei doing“), d.h. die Kinder eigene Erfahrungen machen lassen,
Antworten und
Lösungen nicht vorwegnehmen,
Experimente ermöglichen
• Lernen im
Lebenszusammenhang, d.h. z.B. statt in der Puppenküche in der echten
Küche kochen, statt mit
Plastikgeschirr und Besteck
mit Porzellan und echten Besteck hantieren
• Lernen aus
eigenem Interesse
• Kooperatives Lernen, d.h. miteinander
und nicht gegeneinander, das wiederum bedeutet in unterschiedlich
großen Gruppen zu arbeiten, Erfahrungen zu
ermöglichen
Liebe Leser, diese beiden Teile sollen und können nur ein Auszug, eine
Zusammenfassung über den Bildungsbegriff, die Lernformen und das Lernen,
den Voraussetzungen von Bildung, sein. Das Gebiet ist zu breit gefächert,
vielschichtig und differenziert. Vielleicht aber sehen Sie die
Bildungsdiskussion (PISA) jetzt aus einem anderen Blickwickel und merken,
daß unser Kindergarten eine Bildungsein-richtung ist und Ihr Kind bei uns
gefördert und gebildet wird und dies nicht nur im letzten Jahr vor der
Einschulung, sondern vom Kindergarteneintritt bis zur Einschulung.
Wenn Sie noch tiefer einsteigen möchten, sprechen Sie uns auf
Fachliteratur an. Wir leihen Ihnen gerne Lesestoff aus.