Unser pädagogisches Konzept im Kiga St. Martin
In unserer Tagesstätte arbeiten wir nach dem pädagogischen Konzept der "offenen Gruppenarbeit"!
Es gibt viele Variationen dieses Konzeptes, von der Öffnung der Gruppenräume über die Auflösung des herkömmlichen Gruppenverbandes bis hin zur Öffnung der Einrichtungen für eine breitere Altersgruppe.
Der Begriff "offen" charakterisiert das Konzept sehr treffend: Die Türen öffnen sich für mehr Freiräume der Kinder. Die Kinder können spielerisch eine erweiterte Umwelt erfahren und werden offener für Neues und Anderes. Die Erzieherinnen gewinnen durch den täglichen Austausch und die gemeinsame Arbeit mit den Kolleginnen einen größeren Erfahrungsschatz und damit eine höhere Qualität ihrer Arbeit. Auch hierbei ist Offenheit für Andere Voraussetzung (Erlebnisorientiertes Lernen im offenen Kindergarten, von T. Kiihne/ G. Regel (Hrsg)).
Für uns war die Lebenssituation der Kinder und unsere Erfahrungen mit ihnen entscheidend. Viele Kinder leben Heute in einer reizarmen Umwelt ohne Aufforderungscharakter, ihre Zeit und Freizeit ist organisiert und verplant, unsere Leistungsorientierte Gesellschaft nimmt auch Einfluss auf unsere Kinder. Eine kinderfeindliche Umgebung mit fehlenden Freiräumen ist keine Seltenheit. Aus Angst vor Gefahren aller Art, leben Kinder überbehütet, und um sie zu "schützen", stehen sie unter ständiger "Aufsicht" von Erwachsenen!
Das alles bewegte uns dazu, noch einmal genau hinzuschauen: "Was brauchen unsere Kinder eigentlich?"
Kinder brauchen ...
- eine Atmosphäre von Vertrauen und Akzeptanz
- Freiräume, um Eigeninitiative zu entwickeln
- Möglichkeiten für Aktivitäten auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau .Möglichkeiten, ihre "Neugier" zu befriedigen -mit allen Sinnen, Lust und Freude
- Möglichkeiten, die Fülle der Erlebnisse auszudrücken in Spiel, Sprache, Musik und bildnerischem Gestalten
- Räume für groß-motorische Bewegungen
- Rückzugsmöglichkeiten
- eine Umgebung mit Aufforderungscharakter
Diese Überlegungen nahmen wir zum Anlass, nicht nur unser pädagogisches Konzept, sondern auch die Räume der Kindertagesstätte umzugestalten.
Unsere vier Gruppenräume wurden zu Funktionsräumen, jeder Raum mit einem "Spiel-Schwerpunkt"
Jetzt haben wir einen Rollenspielraum (zum Verkleiden, Spielen in der Puppenküche oder im Ritterzelt), einen Bauraum (zum großzügigen Bauen, zum Puzzeln und Spielen, um Steck- und Fädelspiele zu machen), einen "Snoezelraum" oder auch Ruhe- und Meditationsraum (zum Bilderbücher anschauen, um Wahrnehmungsspiele zu machen und um auszuruhen und zu entspannen) und einen Kreativraum (zum Basteln, Malen, Werken und Gestalten). Außerdem haben wir ein großes Außengelände, welches wir oft und ausgiebig nutzen, und bei schlechtem Wetter haben die Kinder die Möglichkeit, sich in der Bewegungsbaustelle auszutoben.
Den Gruppenverband haben wir jedoch nicht aufgelöst. Wir glauben, dass die Kinder einen Rahmen brauchen, in dem sie sich austauschen können und feste Bezugspersonen, bei denen sie sich sicher fühlen. Die Gruppe und die Bezugserzieherinnen geben Nähe und Geborgenheit, ebenso die Möglichkeit, Geschehnisse und Erlebnisse zu besprechen und zu verarbeiten.
Die Inhalte unserer Arbeit
Wir arbeiten "situationsorientiert", das heißt, dass sich unsere Arbeit weitgehend nach den Lebenssituationen der Kinder richtet.
Wir möchten ihnen eine reizvolle und anregende Umgebung bieten, drinnen und draußen, vielfältige Materialien, vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten.
Statt organisierter Zeit, die Möglichkeit ihre Zeit selbst zu gestalten, Angebote frei zu wählen und die Dauer ihres Spiels selbst zu bestimmen -eben Spielorientierung statt Leistungsorientierung. Statt fehlender Freiräume, Ausweitung von Spielräumen im Kindergartenbereich, z. B. großzügigere Spielmöglichkeiten in den Gruppenräumen, Bewegungsbaustelle, Nutzung aller Räumlichkeiten, Möglichkeiten des Spielens ohne ständige Aufsicht von Erwachsenen.
Was die Kinder bewegt und beschäftigt, versuchen wir, in die Themen -und Projektarbeit mit einzubeziehen, ebenso wie jahreszeitliche -und kirchliche Feste.
Situationsorientiert arbeiten bedeutet für uns auch, die Kinder ihrer Entwicklung gemäß ganzheitlich zu fördern.
Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die religiöse Früherziehung. Als kirchliche Einrichtung sind wir uns unserer Verantwortung in diesem Bereich bewusst. Beinhaltet die christliche Lebensweise schließlich auch die wichtigsten Grundsätze des sozialen Umgangs miteinander (Akzeptanz des Anderen, Verständnis, Zuwendung, Konfliktbearbeitung usw.) Hierzu gehört nicht zuletzt auch die Integration unserer ausländischen Kinder.
Die religiöse Erziehung soll jedoch nichts vom Alltag "Abgehobenes" sein, sondern sich vielmehr im alltäglichen Erlebnisbereich der Kinder vollziehen. So beten wir täglich, feiern Geburtstage und kirchliche Feste. Dies alles sind wichtige Rituale für Kinder. Auch am Gemeindeleben nehmen wir regen Anteil, z.B. durch das Gestalten von Gottesdiensten, Beteiligung an Pfarrfesten uvm.
Die Kinder zur Selbständigkeit zu führen, ist ebenfalls Ziel unserer Arbeit. Dabei geht es uns
nicht nur um die Selbständigkeit im praktischen Bereich, wie z.B. alleine Anziehen, selbständig essen, Hygiene usw., sondern auch um Eigenverantwortlichkeit im zwischenmenschlichen Bereich (Konfliktlösung, miteinander umgehen, Regeln einhalten usw.) und auch die Eigenverantwortlichkeit (Entscheidungen treffen, Konsequenzen für das eigene Handeln tragen usw.)
Bleibt noch die Partizipation zu erwähnen, die wir im Kindergarten praktizieren. Partizipation ist die "aktive Einmischung, die sich nicht darin erschöpft, Meinungen und
Vorlieben von Kindern abzufragen (aus: „Partizipation -hier entscheiden Kinder mit" von: E. Kazemi –Veisari)
Wir verstehen Partizipation so, dass die Kinder ihren Alltag im Kindergarten aktiv mitgestalten können, dass sie erfahren, wie sich Kinder und Erzieherinnen auf ihre Ideen beziehen und sie als Grundlage zur Weiterentwicklung aufgreifen. Dass die Kinder lernen, ihre Interessen zu vertreten und die Partizipation als Verantwortung erleben.
Diese Erfahrungen können unsere Kinder in der Kinderkonferenz machen. Sie findet einmal wöchentlich statt und wird von zwei Erzieherinnen unterstützt.
Unser Konzept der "offenen Gruppenarbeit" gibt
Kindern die Möglichkeit
- Geborgenheit und Zuwendung zu erfahren (durch die Gruppe und die Bezugserzieherin)
- ihr Bedürfnis nach Bewegung! Ruhe/ Kommunikation und Anerkennung zu befriedigen
- ihre Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu stärken (z.B. für Angebote und Projekte entscheiden und dann auch dabei bleiben)
- in ihrer Persönlichkeit wahr- und ernstgenommen zu werden
- konzentriert und ausdauernd zu spielen und dadurch Erfahrungen für das Leben zu sammeln(Sozial Verhalten, Alltagserfahrungen und Verantwortungsbewusstsein für das was ich tue)
- Freude am Tun zu haben, ohne Druck und Zwang
- ihren Alltag mitzuplanen und ihre Umgebung mitzugestalten, z.B. in der Kinderkonferenz
- ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen (Angebot und Nutzung von verschiedenen Materialien)
- erheblich mehr Kontakte zu Kindern und Erwachsenen knüpfen zu können
Erzieherinnen die Möglichkeit
- das Beziehungsgeflecht zwischen Kindern, Eltern und Team intensiver wahrzunehmen
- und zu gestalten
- besser zu erkennen: Wo steht das Kind? Was braucht es?
- unsere pädagogische Arbeit besser zu reflektieren
- intensiver mit den Kindern umzugehen
- motivierter, abwechslungsreicher und flexibler zu arbeiten
- die Kinder zu unterstützen sich ihrem Alter gemäß zu entwickeln
- unsere Persönlichkeit und Individualität zu entfalten
Eltern die Möglichkeit
- die flexiblen Öffnungszeiten unserer Einrichtung für ihre Lebens- und Zeitplanung zu nutzen
- durch Gespräche mit Erzieherinnen mehr über ihr Kind und die Einrichtung zu erfahren, Infos an Elternabenden zu erhalten
- sich im Elterncafe kennenzulernen und auszutauschen
- sicher zu sein, wer sich um ihr Kind kümmert
- Infos zu erhalten durch die KiGa Zeitung, Handzettel und Plakate
- im Elternausschuss mitzuarbeiten
- Ideen, Kritik und Anregungen einzubringen
- sich aktiv am pädagogischen Geschehen, der Gestaltung der Räumlichkeiten! Hof zu beteiligen