Predigtreihe zu den Kardinaltugenden: Maßheit
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria führt uns zu der eigentlich erst am Ende der Predigtreihe zu betrachtenden Tugend des Maßes. Die Erbsünde berichtet davon, dass der Mensch, im Vertrauen auf das eigene Urteil selbst entscheidet, was für ihn das rechte Maß ist. Dabei ergeht es dem Menschen wie Phaeton, dem Sohn des Sonnengottes Helios: er hat die Zügel des Sonnenwagens dem Vater entrissen, will ihn unbedingt selbst lenken, vermag es aber nicht. Die Pferde des Sonnenwagens durchrasen die ganze Welt. Unter ihre Hufen verdampfen die Wälder, die Wasser der Meere kochen und die Städte gehen in lodernden Flammen auf.
Das sind wir. Noch haben wir die Schäden und Sünden der vorhergehenden Generation nicht im Griff, schon überscheiten wir mit neuen Techniken die alten Grenzen. Eine Generation erbt von der vorhergehenden die Sünden, und jedes Kind, das in aller Unschuld, in diese Welt hineingeboren wird, profitiert doch am Fortschritt der vorhergehenden Generation, trägt damit aber auch Anteil an der Maßlosigkeit, die dieser Fortschritt kostet. Das ist Erbsünde.
Indem Gott Maria aus dieser Entwicklung herausreißt und damit ein ganz neues Maß setzt, stellt er uns die Frage, wie wir es mit der Tugend des Maßes halten. Uns allen ist ein Grundstreben eigen: das Verlangen nach Speise und Trank, nach gesellschaftlicher Geltung, nach Wissen, nach Gerechtigkeit und nach Sexualität. All diese Grundsehnsüchte sind gut und richtig. Sie gehören von Natur aus zum Menschen und damit auch zu Maria: ihr ganzes Leben lang hat Maria immer wieder nach dem rechten Maß ihrer Grundsehnsüchte geschaut. Bei der Hochzeit zu Kana sorgt sie sich um das leibliche Wohl und akzeptiert doch, die Grenze, die ihr Sohn ihr setzt.
Die Worte der Hirten, der Magier, von Gabriel nimmt sie auf, läßt sich aber Zeit im Herzen sie zu verstehen. Sie hält den Sohn von Sinnen, sorgt sich um ihn und muss wieder ihre Grenze vom Sohn her hören und akzeptiert sie. Der Besuch bei Elisabeth, die von ihrer Größe spricht, verhindert auf der anderen Seite, dass Maria zu klein von sich denkt, das Maß zu eng setzt.
Ihre Stellung in der Runde der Apostel erwirbt sie sich nicht durch ihre Mutterschaft, sondern indem sie selbst eine Hörende des Sohnes wird, vom Kreuz her ihre Berufung zugesprochen bekommt. Maria ergründet ihr Maß. Maria lebt uns vor, daß der Mensch mit Hilfe der Gnade Gottes nicht der Gefahr erliegen muß, dass unsere Sehnsüchte ins Extreme umschlagen können, dadurch alles Maß verlieren und zur Sucht werden, sondern wir unser Maß finden können, wenn wir bereit sind, Grenzen nicht einfach zu überschreiten, sondern sie auszuloten.
Am Tag unserer Taufe, ist an uns dasselbe geschehen wie an Maria. Gott hat die Erbschuld bereinigt. Er gibt uns die Chance, nicht mehr Maß zu nehmen, an dem wie es alle gemacht haben und machen, sondern unser Maß zu finden, das weder unseren Leib noch unsere Seele von der Sehnsucht, zur Sucht führt. Er hilft uns mit seinem Wort und seinen Sakramenten, jenes Maß zu finden, das uns dankbar am Ende unseres Lebens sagen läßt: meine Seele preist die Größe des Herrn, denn sein Maß hat mich nicht klein gemacht, sondern groß. Er hat geschaut auf mich. Amen.
das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria führt uns zu der eigentlich erst am Ende der Predigtreihe zu betrachtenden Tugend des Maßes. Die Erbsünde berichtet davon, dass der Mensch, im Vertrauen auf das eigene Urteil selbst entscheidet, was für ihn das rechte Maß ist. Dabei ergeht es dem Menschen wie Phaeton, dem Sohn des Sonnengottes Helios: er hat die Zügel des Sonnenwagens dem Vater entrissen, will ihn unbedingt selbst lenken, vermag es aber nicht. Die Pferde des Sonnenwagens durchrasen die ganze Welt. Unter ihre Hufen verdampfen die Wälder, die Wasser der Meere kochen und die Städte gehen in lodernden Flammen auf.
Das sind wir. Noch haben wir die Schäden und Sünden der vorhergehenden Generation nicht im Griff, schon überscheiten wir mit neuen Techniken die alten Grenzen. Eine Generation erbt von der vorhergehenden die Sünden, und jedes Kind, das in aller Unschuld, in diese Welt hineingeboren wird, profitiert doch am Fortschritt der vorhergehenden Generation, trägt damit aber auch Anteil an der Maßlosigkeit, die dieser Fortschritt kostet. Das ist Erbsünde.
Indem Gott Maria aus dieser Entwicklung herausreißt und damit ein ganz neues Maß setzt, stellt er uns die Frage, wie wir es mit der Tugend des Maßes halten. Uns allen ist ein Grundstreben eigen: das Verlangen nach Speise und Trank, nach gesellschaftlicher Geltung, nach Wissen, nach Gerechtigkeit und nach Sexualität. All diese Grundsehnsüchte sind gut und richtig. Sie gehören von Natur aus zum Menschen und damit auch zu Maria: ihr ganzes Leben lang hat Maria immer wieder nach dem rechten Maß ihrer Grundsehnsüchte geschaut. Bei der Hochzeit zu Kana sorgt sie sich um das leibliche Wohl und akzeptiert doch, die Grenze, die ihr Sohn ihr setzt.
Die Worte der Hirten, der Magier, von Gabriel nimmt sie auf, läßt sich aber Zeit im Herzen sie zu verstehen. Sie hält den Sohn von Sinnen, sorgt sich um ihn und muss wieder ihre Grenze vom Sohn her hören und akzeptiert sie. Der Besuch bei Elisabeth, die von ihrer Größe spricht, verhindert auf der anderen Seite, dass Maria zu klein von sich denkt, das Maß zu eng setzt.
Ihre Stellung in der Runde der Apostel erwirbt sie sich nicht durch ihre Mutterschaft, sondern indem sie selbst eine Hörende des Sohnes wird, vom Kreuz her ihre Berufung zugesprochen bekommt. Maria ergründet ihr Maß. Maria lebt uns vor, daß der Mensch mit Hilfe der Gnade Gottes nicht der Gefahr erliegen muß, dass unsere Sehnsüchte ins Extreme umschlagen können, dadurch alles Maß verlieren und zur Sucht werden, sondern wir unser Maß finden können, wenn wir bereit sind, Grenzen nicht einfach zu überschreiten, sondern sie auszuloten.
Am Tag unserer Taufe, ist an uns dasselbe geschehen wie an Maria. Gott hat die Erbschuld bereinigt. Er gibt uns die Chance, nicht mehr Maß zu nehmen, an dem wie es alle gemacht haben und machen, sondern unser Maß zu finden, das weder unseren Leib noch unsere Seele von der Sehnsucht, zur Sucht führt. Er hilft uns mit seinem Wort und seinen Sakramenten, jenes Maß zu finden, das uns dankbar am Ende unseres Lebens sagen läßt: meine Seele preist die Größe des Herrn, denn sein Maß hat mich nicht klein gemacht, sondern groß. Er hat geschaut auf mich. Amen.
Pfarrer Dr. Ronald Givens