Am 7. Juli 2011 konnte Katharina Bauer, unsere älteste Mitarbeiterin, ihren 90. Geburtstag feiern. Am 23. Januar 2012  ist sie plötzlich und unerwartet verstorben. Katharina Bauer war über 16 Jahre lang aktiv in der Ausleihe der Bücherscheune tätig und hat jede Woche Donnerstags von 17 bis 19.30 Uhr unsere Leserinnen und Leser bedient. Im hohen Alter hat sie sich noch mit dem Computer vertraut gemacht und in kompetenter Art und Weise die anfallenden Tätigkeiten damit erledigt.

Wir alle vom Team der Bücherscheune vermissen Katharina Bauer und werden sie in guter Erinnerung bewahren.

 

Pressebericht der Odenwälder Zeitung vom 7. Juli 2011

 

Geburtstag: Katharina Bauer wird heute 90 Jahre alt / In hohem Alter zur Ahnenforscherin geworden

Ein politischer Mensch, der die Bücher liebt

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FÜRTH. „Bücher, Bücher, Bücher..." Wenn Katharina Bauer auf ihre Hobbys und Leidenschaften ange­sprochen wird, dann muss sie nicht lange nachdenken. Lesen ist seit ih­rer Jugend ein wesentlicher Lebens­inhalt und sicher auch einer der Faktoren, die sie jung gehalten ha­ben. Denn wer Katharina Bauer ge­genüber sitzt, der mag es nicht glau­ben, dass sie heute 90 Jahre alt wird. Eine bemerkenswerte geistige und körperliche Frische zeichnet die Ju­bilarin aus, die selbst längst nicht daran denkt, sich „aufs Altenteil" zurückzuziehen.

So gehört Katharina Bauer nach wie vor zum Team der Fürther Bü­cherscheune und macht in dieser Einrichtung regelmäßig Dienst -auch mit 90 Jahren noch. Ihr erstes Buch - erinnert sie sich - hat sie sich von ihrem ersten Lohn bestellt, den sie 1939 erhielt, nachdem sie bei der Post in Fürth eine Stelle bekommen hatte. „Am liebsten habe ich immer Karl May gelesen", sagt Katharina Bauer - und wirkt dabei fast ein we­nig verlegen.

Denn die „leichte Unterhaltung" ist eigentlich ihre Sache nicht. Egal ob beim Fernsehen oder beim Rei­sen: Katharina Bauer legt immer wert darauf, nicht nur wahllos zu konsumieren. Sie will sich informie­ren und dazulernen. „Ich habe im­mer Bildungsreisen unternommen, nie Erholungsreisen", sagt die Jubi­larin, die fast alle europäischen Län­der gesehen hat.

Katharina Bauer bezeichnet sich selbst als einen „politischen Men­schen". Ihre Heimat in dieser Hin­sicht ist die CDU. Seit über 50 Jahren ist sie Mitglied bei den Christdemo­kraten, in Fürth gehörte sie in jun­gen Jahren zu den Gründern der Jungen Union und war lange Jahre Vorstandsmitglied beim CDU-Orts­verband.


In der Fahrenbacher Straße in Fürth erblickte Katharina Bauer als Erstes von vier Kindern der Familie Maisch das Licht der Welt. Im An-schluss an die Volksschule besuchte sie die höhere Handelsschule in Weinheim. Nach vier Jahren am Schalter bei der Post in Fürth fand sie bei einer Fruchtsaftkelte­rei in Weinheim Anstellung als Buchhalterin. „Das ist mein ei­gentlicher Beruf', sagt sie. Der Umgang mit Zahlen habe immer ihr Leben bestimmt. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr Mann Adam Bauer, den sie am 30. Oktober 1949 ehelichte, als Inhaber eines Elektrogeschäftes in Litzel-bach immer sagte: „Ich habe es rich­tig gemacht, und gleich eine gute Buchhalterin mitgeheiratet." Neben dem Elektrobetrieb hatte die Fami­lie auch eine Gastwirtschaft und eine Pension. „Das war immer sehr viel Arbeit", erinnert sich Katharina Bauer.

Aber ihr Herz hing an diesen Be­trieben, weshalb sie auch nach dem Tod ihres Mannes 1974 versuchte, diese am Leben zu halten. Fünf Jah­re hielt sie durch, ehe 1979 ihre Kräf­te und finanziellen Mittel erschöpft waren.

Die Entscheidung, von Litzel-bach wieder nach Fürth zurückzu­kehren fiel ihr damals nicht schwer. „Wenn man aus Fürth ist, fühlt man sich nur dort so richtig wohl", sagt sie. Nach der Rückkehr in ihre Hei­matgemeinde begann Katharina Bauer wieder, sich in den dortigen Vereinen zu engagieren. Aktiv war sie im Liederkranz und im Kirchen­chor - „leider musste ich das Singen inzwischen aufgeben", bedauert sie. Aktiv ist sie aber noch bei der Strick­gruppe des Frauenbundes, in einer Seniorengruppe, die sich monatlich trifft - und natürlich im Team der Bücherscheune.

Und Katharina Bauer hat inzwi­schen eine weitere Leidenschaft entdeckt, die sie fesselt und nicht mehr loslässt: die Familienforschung. Bis ins 16. Jahrhundert hat sie einzelne Linien ihrer Ahnen zu­ rückverfolgt - nach ungezählten Stunden in Kirchen- und Gemein­dearchiven. Dass die Familienge­schichte auch in Zukunft weitergeschrieben wird, dafür sollen drei  Söhne, sechs Enkel und drei Urenkel sorgen. „Ich hoffe nicht, dass die
alles einfach wegwerfen", sagt Ka­tharina Bauer mit einem Lachen, das bezeichnend ist für ihre Lebens­freude, die sie sich neun Jahrzehnte lang über alle Widrigkeiten hinweg bewahrt hat.                                                                                                                              am