Pater Paulus lebt jetzt in Pannonhalma
Vor 60 Jahren kamen die Benediktiner nach Bad Wimpfen
Immer wieder fragen Besucher nach „den Mönchen“. Doch seit bald einem Jahr leben im ehemaligen Ritterstift in der Talstadt keine Benediktiner mehr. Mit Bruder Michael Röderer und P. Paulus Schmidt haben sich die letzten Mitglieder der Abtei Grüssau von Bad Wimpfen verabschiedet.
Über 50 Jahre hat P. Paulus Schmidt OSB (73) in Bad Wimpfen verbracht. 1952 trat Schmidt, der in Münster/Westfalen geboren ist, in die Benediktinerabtei Grüssau, die damals gerade erst das Stift St. Peter im Tal übernommen hatten. 1953 legte er in die Hände von Abt Dr. Albert Schmitt seine Mönchsprofess ab. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie an der Ordenshochschule in Beuron und der Priesterweihe 1958 übernahm Schmidt zahlreiche Aufgaben im Kloster, u. a. als Novizenmeister, Gastpater, Cantor und Prior. 2002 war er Pfarrverwalter. Als Prediger und Beichtvater wurde er in der Region bekannt. Durch Trauungen und Taufen hatte er zu vielen Menschen engen seelsorglichen Kontakt. In Mosbach war er als Religionslehrer tätig. Einer seiner Schüler ist der heutige Abt von St. Bonifaz, München, und Andechs, Dr. Johannes Eckert. In den letzten Jahren war der Liebhaber von italienischem Speiseeis und eines guten Essens sozusagen die Verkörperung der klein gewordenen Abtei. Der Abschied vom Kloster in der Talstadt nach 55 Jahren fällt dem Geistlichen nicht leicht. Nach dem Weggang von P. Odo Kiefer (74), der 2002 nach 25 Pfarrerjahren in das Benediktinerinnenkloster Kellenried wechselte, waren nur noch Schmidt und Br. Michael Röderer (40), der heute in der Abtei Neuburg bei Heidelberg lebt, in Wimpfen verblieben, um Pfr. Dr. Franziskus Eisenbach zu unterstützen. 2006 entschied sich P. Paulus, nach Pannonhalma, Ungarn, zu gehen. In der dortigen Erzabtei möchte er seinen Lebensabend verbringen. Pannonhalma (früher Martinsberg) erinnert mit Szombathely an den Ursprung des Hl. Martin von Tours, dem Patron der Diözesen Mainz und Rottenburg sowie der Beuroner Benediktiner-Kongregation. 2008 wird Pater Paulus am 24. August 2008 sein Goldenes Priesterjubiläum im Wimpfener Kloster feiern.
Vor 60 Jahren begann im Kloster in der Talstadt die jetzt beendete benediktinische Ära. Am 1. August 1947 kamen die Benediktiner, die nach der Vertreibung in Schlesien im Mai 1946 lange nach einem geeigneten Ort gesucht hatten, in Bad Wimpfen an. Unter schwierigsten Bedingungen bauten sich die Ordensleute im leer stehenden Stift ihr Kloster. Unter den Äbten Dr. Albert Schmitt und Laurentius Hoheisel (84), der heute in einem Pflegeheim in Sigmaringen lebt, entwickelte sich das Kloster zu einem religiösen Zentrum der Region. Zeitweise lebten über 30 Mönche in den Klostermauern und nahmen vielfältige Seelsorgsaufgaben wahr. Im Mittelpunkt aber stand das Chorgebet in der Stiftskirche, das Pfarrer Dr. Eisenbach von den Benediktinern übernommen hat und weiter tragen will. Das Ende des benediktinischen Lebens im Kloster am Neckar wird in Pfarrei und Region sehr bedauert. Noch in den 1990er Jahren hatten Neueintritte die Hoffnung auf eine Zukunft der Abtei genährt. Neben der Trauer um das Ende der klösterlichen Gemeinschaft ist aber in Bad Wimpfen der Wille zur Weiterentwicklung des Klosters zu einem geistlichen Zentrum zu spüren. Pfarrer Dr. Franziskus. Eisenbach betont, dass das Kloster „in benediktinischem Geist“ weitergeführt wird. Viele Menschen unterstützen den Neuanfang und hoffen auf den weiteren Bestand des Klosters. Das Stundengebet, das Gästehaus mit Exerzitienkursen und die kulturellen Angebote, vor allem die Konzerte an der 10jährigen Vleugels-Orgel, bleiben erhalten. Abt Franziskus Heereman, der als Abt von Neuburg seit über 7 Jahren auch den Grüssauer Konvent führt, unterstützt die Fortentwicklung des Klosters. Der „Verein der Freunde“ unter Leitung von Direktor Hans Hambücher ermöglicht durch erhebliche finanzielle Zuwendungen einen Ausbau der Bildungsstätte.
Markus Warsberg 07/07