Wallfahrt zum Heiligen Kreuz in Bad Wimpfen
Domkapitular Nabbefeld: „Der Kreuzträger ist der Hoffnungsträger in unser Welt“
Bad Wimpfen. „In dem Maße, wie wir es wagen, aus uns selbst heraus zu gehen und uns zu verschenken, lassen wir jetzt schon den Tod hinter uns. Das sagt mir das Kreuz, das in meinem Zimmer hängt.“ Das sagte der Mainzer Domkapitular, Prälat Jürgen Nabbefeld, am Donnerstag, 14. September, bei der traditionellen Wallfahrt zum Heiligen Kreuz in Bad Wimpfen am Fest der Kreuzerhöhung. Gott sei dem Menschen auch im Leid ganz nah, sagte Nabbefeld. „Der Kreuzträger ist der Hoffnungsträger in unserer Welt.“ Nabbefeld, der im Bischöflichen Ordinariat Mainz das Dezernat Weiterbildung leitet, zelebrierte den Gottesdienst zusammen mit Weihbischof em. Franziskus Eisenbach, Pfarrer der Gemeinde Heilig Kreuz, und Pfarrer Bernhard Schüpke aus Hirschhorn.
Weiter sagte Domkapitular Nabbefeld: „Am christlichen Glauben überzeugt mich vor allem dies: Der Gott, an den ich glaube, geht an den offenen Wunden nicht vorbei, er trägt sie selbst und er hat die Kraft sie zu verwandeln.“ Er berichtete von schweren Schicksalsschlägen in der eigenen Familie. Wörtlich sagte er: „Und ich habe erfahren, da, wo es einem das Herz zerreißt, wo es zum Heulen ist, dort steht das Kreuz, mitten in der Lebensrealität. Nicht als ein frommer Gebrauchsartikel, sondern als ein Stück unseres Lebens. Wo immer ich ein Kreuz sehe, höre ich diesen Schrei nach Gott, und ich spüre, dass Christus Gottes Nähe in die Abgründe der Gottverlassenheit gebracht hat.“ Pfarrer Eisenbach hatte den Gläubigen die Reliquie nach der Predigt von Domkapitular Nabbefeld präsentiert und zur Verehrung auf den Altar gestellt. Zu dem Wallfahrtsgottesdienst waren unter anderem Pilgergruppen aus Bad Rappenau, Höchstberg, Offenbach, Neckarsteinach und Hirschhorn angereist.
Die Kreuzwallfahrt in Bad Wimpfen fand erstmals im Jahr 1719 zum Fest Kreuzauffindung (3. Mai) statt, als der Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg die Barockkirche weihte. Beim Umbau (1715-1719) der im 13. Jahrhundert erbauten Kirche wurde im Altar eine Kreuzreliquie entdeckt. Es handelt sich um ein kleines Metallkreuz aus dem 13. Jahrhundert. In das mit vier Edelsteinen geschmückte Kreuz ist ein Splitter des Kreuzes Jesu Christi eingefasst. Die Inschrift auf der Rückseite lautet: „De ligno Domini“ - „Vom Kreuz des Herrn“. Der Überlieferung nach soll die Altarreliquie vom Regensburger Bischof Albertus Magnus (1200-1280) stammen. Der später heilig gesprochene Dominikanermönch und Kirchenlehrer soll es als Bischofskreuz getragen haben. Das Kreuz wurde in eine Barockmonstranz eingefasst, in der es bis heute den Gläubigen am Wallfahrtstag gezeigt wird.
Die Stadt Bad Wimpfen gehört seit der Säkularisierung 1803 als einzige Gemeinde im heutigen Baden-Württemberg zum Bistum Mainz. Etwa 2.000 der rund 7.000 Einwohner sind katholisch. Nach dem Ende des Erzbistums Mainz wurde Bad Wimpfen als Exklave Teil des neu gegründeten Bistums Mainz. Die 1821 gezogenen Mainzer Kirchengrenzen decken sich bis heute mit dem Gebiet des ehemaligen Großherzogtums Hessen-Darmstadt, zu dem Bad Wimpfen als Exklave gehörte. Lange Zeit hatte auch die evangelische Pfarrei des Ortes als Exklave zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gehört, bis sie 1968 Teil der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wurde. Bei einer Volksabstimmung im Jahr 1951 votierte eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Zugehörigkeit zum heutigen Baden-Württemberg, die heute de facto gegeben ist. Staatsrechtlich gehört Bad Wimpfen nach wie vor zu Hessen, da kein Staatsvertrag zwischen Hessen und Baden-Württemberg geschlossen wurde. Vor der Säkularisierung war Bad Wimpfen Teil des untergegangenen Bistums Worms.
Markus Warsberg

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