RABANUS MAURUS
780 – 856

Gelehrter, Abt, Erzbischof von Mainz und Heiliger


Seine Ausbildung erhielt er an der Hofschule Karls des Großen bei Alkuin, seine Gelehrsamkeit ist bis heute in 1200 Handschriften bezeugt, ein Kloster mit über 600 Mönchen war viele Jahre seiner Leitung unterstellt und schließlich die größte Diözese und Kirchenprovinz des ostfränkischen Reiches: Mainz.


Die Rede ist von Rabanus (Hrabanus) Maurus, der um 780 als Sohn adeliger Eltern in Mainz geboren wurde. Wohl schon mit acht Jahren kam er in das Benediktinerkloster in Fulda, zu dessen Abt er 822 für zwanzig Jahre gewählt wurde. Er machte die dortige Klosterschule zu einer der bedeutendsten Bildungsstätten seiner Zeit, förderte die Schreib- und Malschule und vermehrte stark die Bestände der Klosterbibliothek. Mit den karolingischen Königen und Kaisern stand er in engem Kontakt, wurde dann aber auch in ihre Konflikte hineingezogen. Nach einem Rückzug in die Stille des Gelehrtenlebens wurde er 847 auf den erzbischöflichen Stuhl von Mainz berufen – gut 100 Jahre nach Bonifatius, für den Rabanus Maurus in Mainz ein Grabdenkmal errichten ließ.


Neun Jahre förderte Erzbischof Rabanus das kirchliche, kulturelle und soziale Leben in seiner Bischofsstadt und im ostfränkischen Reich, in dem ihm eine politisch führende Rolle zukam: durch Baumaßnahmen, durch große Bischofsversammlungen, aber auch zum Beispiel durch die Speisung von Armen in Winkel am Rhein während einer großen Hungersnot. Nach seinem Tod am 4. Februar 856 wurde er in Mainz in der (heute nicht mehr erhaltenen) Klosterkirche von St. Alban beigesetzt.


Das religiöse und literarische Werk von Rabanus Maurus umfasst das komplette Wissen seiner Zeit. Obwohl ihm später sogar der Ehrentitel „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Germaniens) beigelegt wurde, sind noch immer nicht alle Schriften von ihm gedruckt und erst sehr wenige übersetzt. Rabanus schrieb in lateinischer Sprache, doch in seinem Wirkungsbereich entstanden auch einige der ältesten deutschen Sprachzeugnisse. Am bekanntesten sind in der Gegenwart die wunderbar illustrierten Bildgedichte von Rabanus zum „Lob des heiligen Kreuzes“ und sein Hymnus „Veni creator spiritus“ (Komm, Schöpfer Geist), der bis heute in den Kirchen gesungen wird.


In Mainz tragen ein Gymnasium, ein Kloster und die benachbarte Pfarrkirche den Namen des (heiligen) Rabanus Maurus. Zum Gedenken an seinen 1150. Todestag finden an den Stätten seines Wirkens in den Bistümern Mainz, Fulda und Limburg viele Veranstaltungen, Gottesdienste und Konzerte statt