Die Glocken des Mainzer Doms
Domkirche St. Martin
Sechstürmige romanische Basilika erbaut 1009/1239; die heutige Glockenanlage befindet sich im barocken Geschoss (1775) des westlichen Hauptturmes.
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| Glocke | Martinus | Maria | Albertus | Willigis | Joseph | Bonifatius | Bilhildis | Hl. Geist | Lioba |
| Gussjahr | 1809 | 1809 | 1960 | 1960 | 1809 | 1809 | 1960 | 2002 | 1960 |
| Gießer | Josef Zechbauer | Josef Zechbauer | Fr. W. Schilling | Fr. W. Schilling | Josef Zechbauer | Josef Zechbauer | Fr. W. Schilling | Ars Liturgica Maria Laach | Fr. W. Schilling |
| Gewicht | 3.300 kg | 1.900 kg | 1.994 kg | 1.607 kg | 900 kg | 500 kg | 548 kg | 274 kg | 147 kg |
| Schlagton | b°-3 | c'-3 | d'-3 | es'-3 | f'-3 | g'-3 | b'-3 | d''-1 | f''-3 |
Holzglockenstuhl von 1809 erhalten, 1960 ergänzt; 4 Holzjoche von 1809 erhalten, 1960 und 2002 neue Holzjoche für jeweilige Ergänzungen installiert.
Geschichte und Bedeutung:
Die heutigen neun Glocken im Westturm des 1000-jährigen Mainzer Doms bilden das mittlerweile achte Hauptgeläute in der wechselvollen Geschichte des Bauwerks.
Seit der Domgründung durch Erzbischof Willigis im Jahr 975 gab es immer Glocken in den Vierungstürmen. Genauere Angaben darüber fehlen, es gibt nur die Vermutung, dass sie bei den Dombränden und Zerstörungen jeweils mit untergegangen sind. Erst ab der von Katastrophen freien Zeit nach der Domweihe 1239 gibt es erste Hinweise auf einzelne Glocken und deren Läuteort.
Der östliche Vierungsturm (Pfarrturm) beherbergte im romanischen und 1361 gotisch umgebauten Glockengeschoss das Pfarrgeläute. Bis in die Barockzeit hinein entwickelte sich hier ein Chor von mindestens neun Glocken auf der Basis der Zwölf-Uhr-Glocke mit dem Ton f'. Sie waren seit 1473 sternförmig in zwei Etagen übereinander im gotischen Holzglockenstuhl angeordnet, darunter die Gewitterglocke, eine Bretzelglocke, die Prim-, Sekund-, Quart- und Mittelquart-Glocken und das kleine Messglöckchen.
Im romanischen Westturm (Stiftsturm) über der Kuppel des Stiftschores war das Hauptgeläute untergebracht. Es bestand zunächst aus zwei Großglocken und mehreren kleinen Sologlocken. Die Basis bildete die 86 Zentner schwere Osanna mit dem Ton h° (ca. 4.500 kg), die Anton Albrech 1298 gegossen hatte. Nach Abschluss des gotischen Turmumbaus wurden 1490 noch zwei weitere Glocken hinzu gefügt, die dazu tonlich genau abgestimmt waren. Meister Jörg von Speyer goss die Marienglocke mit 180 Zentner (ca. 8.400 kg) Gewicht und dem Ton g°. Sie gehörte zu den größten im Mittelalter gegossenen Glocken und wurde nur von der Erfurter "Gloriosa" übertroffen. Die zweite Marienglocke (Salveglocke?) hatte vermutlich den Ton c'. Im Stiftsturm waren noch ein silbernes Messglöcken und eine Chorglocke, das so genannte "Bemberle", untergebracht. Diese Glocken wurden alle 1767 durch Blitzschlag und Brand des hölzernen Turmhelms zerstört.
Nach dem Neubau des steinernen barocken Turmabschlusses konnte der Mainzer Glockengießer Johann Martin Roth 1774 ein neues Hauptgeläute einrichten mit der Tonfolge:
g° (5.576 kg) - h° (2.548 kg) - d' (1.500 kg) - g' (609 kg)
und dazu noch weitere Solo- und Uhrschlagglocken.
Doch schon 1793 wurden beide Geläute im West- und Ostturm bei der Beschießung der Stadt Mainz durch Preußische Truppen wieder ein Raub der Flammen. Allein die Bonifatiusglocke des Stiftsgeläutes mit dem Ton h° überstand leicht beschädigt die Verwüstung des Doms und läutete allein bis 1809.
In diesem Jahr konnte Josef Zechbauer, Nachfolger von Roth in Mainz, vier neue Glocken im Domkreuzgang gießen. Für den Guss der größten Glocke stellte Napoleon I. drei eroberte preußische Kanonen zur Verfügung. Die Tonfolge war geplant mit a° - c' - e' - g'. Der Ton der tiefsten Glocke fiel aber zu hoch aus, so dass seitdem ein b° erklingt. Diese historischen Septimen-Glocken dokumentieren die spätbarocke Mainzer Gießertradition. Ein neuer Eichenholz-Glockenstuhl wurde errichtet, der bis heute erhalten ist. Eine Uhrglocke von 1748 (Ton d'', 148 kg) und ein Messglöcken von 1821 (Ton e'', 125 kg) hingen zusätzlich noch im Turm. Sie mussten aber in den Weltkriegen abgeliefert werden, während die großen Glocken auf dem Turm bleiben durften und die Zeiten überstanden haben. Im neuromanischen Ostturm (1879) ist keine Glockenanlage vorhanden.
1960 korrigierte klanglich FRIEDRICH WILHELM SCHILLING (Heidelberg) drei Glocken und ergänzte das historische Geläute um vier Stimmen. Hierfür musste der Holzglockenstuhl erweitert werden. 2002 wurde anstelle einer Eisenhartguss-Glocke von 1917 eine neue Bronzeglocke nach SCHILLING-Rippe in der Glockengießerei von ARS LITURGICA im Kloster Maria Laach nachgegossen.
Das heutige neunstimmige Ensemble ist zwar nicht das tontiefste, aber das umfangreichste Geläute des Bistums.
Günter Schneider, Glockensachverständiger im Bistum Mainz
(c) Stadtarchiv Mainz |
(c) Stadtarchiv Mainz |
Die Mainzer Domglocken können Sie mit 20 weiteren Geläuten auf der CD
"Glockenlandschaft Bistum Mainz"
hören. Nähere Informationen finden Sie hier.