Heiliges Universalgenie
„Hildegard ist endlich ins rechte Licht gerückt" - Reaktionen aus dem Bistum
Von Theresa Beck
Hildegardsstatue im Hildegardsforum der Kreuzschwestern auf dem Binger Rochusberg
© Bistum Mainz / Kinnen
Kräuterexpertin, Theologin und Klostergründerin: Hildegard von Bingen. Jetzt ist sie offiziell heilig. Menschen aus dem Bistum erzählen, was ihnen die Frau aus dem Mittelalter bedeutet.

Dorothea Busalt - alle Fotos: privat
© Kirchenzeitung
Dorothea Busalt ist Gemeindereferentin der Pfarrgruppe Sankt Hildegard und Sankt Michael in Viernheim:
„Ich bin sehr stolz, dass ich in einer Gemeinde arbeiten darf, deren Namen sie trägt. Sie war eine außergewöhnliche Frau, ich würde sagen, ein Universalgenie für ihre damalige Zeit. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass sie bis heute für viele Menschen aktuell ist, wenngleich sie oft nur mit Edelsteinen und Heilkräutern in Verbindung gebracht wird. Für mich war sie auch eine große Theologin, welche die Botschaft vom menschenfreundlichen und liebenden Gott den Menschen vermitteln wollte. Wir haben in der Hildegardkirche vieles, was an sie erinnert. In einer Nische steht eine Statue von ihr, neben der Menschen Kerzen anzünden können. Glasfenster sind in den Farben ihrer Visionen gestaltet. Ihr Patrozinium wird natürlich jedes Jahr gefeiert. Wir haben auch ein eigenes Hildegardlied. Gerüchte um die Heiligsprechung gab es ja schon seit längerem. So hat unser neuer Seelsorgerat im Frühjahr auch eine Projektgruppe gegründet, die einige Ideen ausgearbeitet hat. Diese müssen aber noch im Pastoralteam und Seelsorgerat abgestimmt werden. Die Heiligsprechung war längst überfällig. Für viele ist sie ja schon immer die heilige Hildegard."
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Barbara Wiesing ist Leiterin der Kindertagesstätte Sankt Hildegard von Bingen in Gießen, eine Einrichtung des Sozialdiensts katholischer Frauen:
„Hildegard von Bingen hat mich durch ihre außergewöhnliche Lebensform und ihre starke Persönlichkeit sehr beeindruckt. Sie hat sich für ihre Zeit ungewöhnlich viele Gedanken über Krankenpfl ege, Heilung, Ernährung und Sauberkeit gemacht. Diese Nachhaltigkeit finde ich beeindruckend. Hildegard von Bingen würde man heute als emanzipierte, engagierte, moderne Frau bezeichnen, für die ihr tägliches Tun eine besondere Erfüllung ist. Hildegard von Bingen hat sich zu ihren Lebzeiten der Menschen in ihrer Umgebung angenommen und diejenigen unterstützt, die ihre Hilfe brauchten. Dies war auch der Ansatz des damaligen Vorstands des Sozialdiensts katholischer Frauen in Gießen, der mit Unterstützung des Bistums Mainz und der Stadt Gießen die erste Kinderkrippe ins Leben rief. Ihr Ziel war es, allein erziehenden Müttern und Vätern, Eltern in einer Notsituation, eine Hilfe anzubieten, damit sie ihr persönliches Leben weiterführen können. Bis heute hat die Lebenssituation der Eltern Priorität, wenn wir die Plätze vergeben. Das Leben und Wirken von Hildegard von Bingen spielt in unserer pädagogischen Arbeit immer wieder eine Rolle. Ihr Namenstag wird in unserer Einrichtung mit allen Kindern und Eltern beim sogenannten Hildegardfest gefeiert. Über die Heiligsprechung habe ich mich sehr gefreut. Papst Benedikt XVI. hat damit zu der Anerkennung einer der besonderen, außergewöhnlichen Frauengestalten des frühen Mittelalters beigetragen. Wir als Einrichtung mit dieser Namenspatronin haben nun die Sicherheit, die Bezeichnung „St. Hildegard von Bingen" führen zu können."
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Dr. Matthias Schmandt ist Leiter des Kulturamts in Bingen und des Historischen Museums am Strom - Hildegard von Bingen:
„Mich fasziniert die Vielfalt der Begabungen Hildegards, ihre so modern wirkende Fähigkeit zum ganzheitlichen Denken und der unbedingte Wille, den Weg ihrer Berufung selbst gegen größte Widerstände unbeirrt weiter zu gehen. Als Historiker und Museumsleiter ist es meine Aufgabe, Hildegard und ihr Wirken im Zusammenhang ihrer Zeit zu erforschen und zu vermitteln. Dabei überprüfe ich kritisch auch manch populäre Legende. Gerade die Heiligsprechung ist eine große Chance für unsere Stadt, den Blick auch auf die historische Person zu lenken und spannende Begegnungen mit der vielleicht bedeutendsten Frau des Mittelalters an ihrem authentischen Wirkungsort zu ermöglichen."
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Dr. Hildegard Dziuk aus Darmstadt ist geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung.
„An Hildegard von Bingen beeindruckt mich zunächst ihre tiefe Gottesbeziehung und ihr Bemühen, ihrer Berufung zu folgen, auch gegen Widerstände. Eindrucksvoll finde ich auch ihre Bestrebungen, biologisches und medizinisches Wissen zusammenzutragen und neu zu ordnen. Für eine Frau ihrer Zeit war das sicher ungewöhnlich. Umso faszinierender ist es, dass sie damit Erfolg hatte und ihre Schriften bis heute beachtet werden. Und schließlich bewundere ich ihren Mut, theologische Werke zu verfassen, als erste Nonne öffentlich zu predigen und sich politisch zu engagieren. So wird sie als gläubige, kluge und engagierte Frau auch für mich ein Stück weit zum Vorbild."
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Schwester Ancilla-Maria Ruf ist Leiterin des Hauses am Weg der Kreuzschwestern in Bingen:
„Dass Hildegard von Bingen nun von Papst Benedikt XVI. offiziell als Heilige für die Weltkirche erklärt wurde, freut mich sehr, besonders auch, weil dies ohne große Bürokratie geschah. In meiner persönlichen Verehrung ändert sich jedoch kaum etwas. Sie ist für mich eine vorbildliche Frauengestalt, besonders in ihrer Weite, Ganzheitlichkeit und Bodenständigkeit, in ihrem Gottesund Menschenbild, in ihrem Umgang mit kirchlichen und weltlichen Machthabern, nicht zuletzt in ihrer Verbundenheit und ihren Aussagen über die Schöpfung und die Verantwortung des Menschen. Ich erhoffe mir von dieser offiziellen Erklärung unseres Papstes, dass Hildegard mehr in das Licht rückt, das ihr gebührt, aber nicht noch mehr esoterisch und kommerziell missbraucht wird. Ich wünsche mir, dass Hildegard den Menschen Wege zeigt und bei Gott Fürsprecherin ist für alle, die Heil und Heilung suchen."
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Ursula Wolf kommt aus Bermersheim, wo wahrscheinlich Hildegard von Bingen geboren wurde. Sie ist Mitglied des Pfarrgemeinderats der Sankt Hildegard Pfarrgruppe Alzey-Land:
„Aus Freude über die Nachricht habe ich in Bermersheim die Glocken geläutet. Hildegard ist eine faszinierende Frau. Sie hat aufgerüttelt und sich der Öffentlichkeit ausgesetzt. Sie hat sich dabei nicht selbst in den Mittelpunkt gestellt, sondern hat sich als Dienende gesehen. Wunderbar sind ihre Bilder. Sie zeigen, dass sie sich immer in der Gnade Gottes aufgehoben gefühlt hat. Manche Texte von ihr sind fortschrittlich, andere sind zum Kopfschütteln. Man muss bedenken, es liegen einige Jahrhunderte zwischen uns und der Hildegard von Bingen. Wir Bermersheimer sind stolz auf sie. Wir haben zusammen mit dem evangelischen Kirchenvorstand einen ökumenischen Hildegardausschuss gebildet, um Veranstaltungen in diesem Jahr rund um Hildegard von Bingen vorzubereiten."
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Chronik: Hildegards langer Weg zur Heiligen der Kirche
Seit Hildegards Tod im Jahre 1179 wurden viele Anläufe unternommen, sie zur Heiligen der Kirche zu erheben. Eine kleine Auswahl zentraler Daten aus der Chronik:
17. 9. 1179: Hildegard stirbt im Kloster Rupertsberg und wird in der Klosterkirche beigesetzt.
1226: Äbtissin und Konvent des Klosters Rupertsberg beantragen die Heiligsprechung ihrer Gründeräbtissin.
27. 1. 1227: Einleitung des Heiligsprechungsverfahrens durch Papst Gregor IX.
1233: Der Priester Bruno, Kustos von St. Peter in Straßburg, bringt einen Zeugenbericht (Kanonisationsprotokoll) nach Rom.
1237: Der Zeugenbericht genügt den formalen Ansprüchen nicht und wird zurückgewiesen.
6. 5. 1237: Gregor IX. beauftragt eine neue Kommission am Mainzer Dom, die aber vermutlich ihre Arbeit nie aufgenommen hat.
24. 11. 1243: Innozenz IV. unternimmt einen neuen Anlauf für ein Kanonisationsverfahren. Das Anliegen verläuft im Sande.
1489: Der Erzbischof von Mainz, Berthold von Henneberg, lässt Hildegards Grab öffnen. Eine Heiligsprechungsurkunde findet sich dort nicht.
15. Jahrhundert: Aufnahme Hildegards in das Martyrologium Romanum, das Verzeichnis der Heiligen der katholischen Kirche.
1632: Hildegards Gebeine kommen ins Kloster Eibingen.
1916: Im Brevier der Benediktiner wird das Fest der heiligen Hildegard am 17. September für den ganzen Orden festgelegt.
März 1979: Die Deutsche Bischofskonferenz stellt in Rom den Antrag auf Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin. Der Antrag wurde nicht bearbeitet, da noch keine Heiligsprechung erfolgt sei.
April 1979: Die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Frauenverbände richtet an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz den Antrag, Hildegard zur Kirchenlehrerin zu erheben.
1987: Die Bischofskonferenz beantragt in Rom die Heiligsprechung Hildegards und bittet noch einmal um deren Erhebung zur Kirchenlehrerin.
1988: Es wird bekannt, dass zunächst die kritische Edition aller Schriften Hildegards vorliegen müsse (seit 2010 erfolgt).
Ab 1990: Stagnation des Verfahrens aus unbekannten Gründen.
1996: Die Liturgiekommission der Bischofskonferenz versucht, das ins Stocken geratene Verfahren in Bewegung zu bringen.
2001: Erweiterung des Eintrags im Martyrologium Romanum zum 17. September: „Gedenken der heiligen Jungfrau Hildegard im Kloster auf dem Berg des Heiligen Rupertus bei Bingen in Rheinhessen, welche, kundig im Wissen der Naturdinge und der Medizin sowie in der Kunst der Musik, in Büchern auf fromme Weise auslegte und beschrieb, was sie in mystischer Betrachtung erfahren hatte."
September 2010: Benedikt XVI. hält zwei Katechesen über Hildegard von Bingen. Er bezeichnet sie als „große Prophetin".
Dezember 2010: Äbtissin und Konvent der Abtei St. Hildegard danken dem Papst für seine Katechesen und bitten ihn um die Kanonisierung Hildegards und ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin.
Januar 2011: Benedikt XVI. beauftragt die Vatikanische Kongregation für die Heiligsprechungen mit der Wiederaufnahme der Causa hildegardis.
Zum Nachlesen: Themenseiten der Kirchenzeitung als pdf-Download
Hildegard von Bingen - Heilige der Weltkirche
Erste Stellungnahme von Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, am 11. Mai 2012

Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz
© Bistum Mainz
"Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstag, 10. Mai 2012, in Rom erklären lassen, dass die liturgische Verehrung der heiligen Hildegard von Bingen ausgedehnt wird auf die Weltkirche, sodass sie in den amtlichen Heiligenkalender der Gesamtkirche aufgenommen worden ist und überall gefeiert werden kann.
Die heilige Hildegard wurde 1098 wohl in Bermersheim bei Alzey geboren und starb am 17. September 1179 im Kloster der Benediktinerinnen auf dem Rupertsberg. Diese und andere Orte lagen bis um 1800 im Erzbistum Mainz, danach verteilen sie sich auf die Bistümer Limburg, Mainz und Trier. Das Grab der heiligen Hildegard wird in der Pfarrkirche Eibingen/Rheingau verehrt. Die nahegelegene Abtei St. Hildegard hat das Gedenken und die Verehrung besonders bewahrt und gepflegt.
Hildegard wurde schon zu Lebzeiten, erst recht nach ihrem Tod, wie eine Heilige verehrt. Dies zeigen auch mehrere Lebensbeschreibungen. Sie wird nach ihrem Tod bald als „Beispiel der Heiligkeit" gerühmt und in Gottesdiensten, vor allem des Benediktinerordens, verehrt.
Eine angestrebte Heiligsprechung scheiterte wohl seinerzeit am Ungenügen einer zu allgemeinen, unbefriedigenden Lebensbeschreibung. Trotz vieler Bemühungen unterblieb eine feierliche Heiligsprechung. Die Verehrung dauerte aber besonders in den von Hildegard gegründeten Klöstern an; die Menschen strömten am 17. September an ihr Grab. Die starke Verehrung zieht sich durch das ganze Mittelalter, dennoch gab es in den liturgischen Texten und Kalendarien des Erzbistums Mainz lange Zeit keinen Festtag zu ihren Ehren.
Dies änderte sich bald im 17. Jahrhundert, als sie in das offizielle Heiligenverzeichnis der Erzdiözese Mainz aufgenommen wird. Ihre Schriften fanden immer mehr Interesse. Aus dem lokalen Kult einiger Klöster wird eine regionale Verehrung im Erzbistum Mainz. Dennoch entsteht keine weit gestreute Volksverehrung. Viele Bilder und Skulpturen bezeugen jedoch die tiefe Wertschätzung.
Im 19. Jahrhundert stieg die Verehrung sehr an, besonders im Bistum Mainz. Die Jubiläumsfeiern zu ihrem Todestag (1879, 1929) hatten einen großen Zulauf. Es gab in den Gesangbüchern der Folgezeit auch Hildegardlieder. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges kam es 1940 zu einer von Rom erlaubten Ausdehnung des Festes auf ganz Deutschland. 1941 wurde ihr Fest zum ersten Mal in ganz Deutschland gefeiert.
Beim 800. Todestag im Jahr 1979 erfolgte ein vorläufiger Höhepunkt der Anerkennung Hildegards. Eine umfangreiche Forschung stellte die große Bedeutung der „deutschen Prophetin" heraus, und zwar auf vielen Gebieten: in der Medizin und in der Musik, in der Naturkunde und in ihren Visionen, in der Dichtung und ihrer Bibelauslegung. In Mainz und Bingen fanden weit beachtete Ausstellungen statt. Hildegard findet immer mehr Verehrer und wird geradezu populär. Freilich wurde sie dadurch auch gelegentlich modisch missbraucht und geriet in den Sog von Esoterikern und New-Age-Anhängern. Versuche einer kirchlichen Höherbewertung, zum Beispiel durch die Ernennung zur Kirchenlehrerin, scheiterten an dieser Instrumentalisierung.
Wenn Papst Benedikt XVI. jetzt die Verehrung der heiligen Hildegard verbindlich auf die Weltkirche ausdehnt, schafft er nicht nur eine liturgierechtliche Klarheit für ihre weltweite Verehrung, sondern auch Voraussetzungen für eine tiefere Beschäftigung mit dieser leuchtenden Gestalt. Er hat selbst in zwei Besinnungen im September 2011 auf die Heilige aufmerksam gemacht (vgl. sein Buch „Heilige und Selige. Große Frauengestalten des Mittelalters", Rom/Illertissen 2011). Die ganzheitliche Sicht von Gott, Mensch und Welt, zur Sprache gebracht von einer geistig und spirituell hoch sensiblen Frau, gibt unserer Zeit mit ihrem Suchen und Zweifeln viele weiterführende Anstöße. Diese werden uns nach der nun erklärten Bedeutung der Heiligen unseres Landes für die ganze Welt wieder neu und unverstellt beschäftigen.
Wir danken dem Heiligen Vater für die nun gefundene Form der Bestätigung der Heiligkeit der Hildegard von Bingen, ohne dass ein förmlicher Prozess geführt werden musste."
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Zitiert
„Liebe Brüder und Schwestern, heute möchte ich die Betrachtung über die heilige Hildegard von Bingen wieder aufnehmen und fortführen. Diese war eine der wichtigen Frauengestalten des Mittelalters, die sich durch geistliche Weisheit und Heiligkeit im Leben auszeichnete.
Die mystischen Visionen der heiligen Hildegard ähneln denen der Propheten des Alten Testamentes: Sie drückte sich in den kulturellen und religiösen Begriffen ihrer Zeit aus und interpretierte die Heilige Schrift im Licht Gottes, indem sie sie auf die verschiedenen Lebensumstände anwandte.So fühlten sich alle, die sie hörten, aufgefordert, ein in sich überzeugendes und ernsthaftes christliches Leben zu führen.(...)
Die Popularität, die Hildegard genoss, hat viele Menschen dazu gebracht, bei ihr Rat zu suchen. Aus diesem Grund verfügen wir über viele ihrer Briefe. Männerund Frauenklöster, Bischöfe und Äbte wandten sich an sie. Viele Antworten bleiben auch für uns wertvoll. Zum Beispiel schrieb die heilige Hildegard an eine religiöse Gemeinschaft von Nonnen einmal: ,Das geistliche Leben muss mit viel Hingabe gepflegt werden. Am Anfang ist es mühsam und bitter. Man muss manch Äußerlichkeiten und fleischlichen Gelüsten und anderen ähnlichen Dingen entsagen. Aber wenn man sich von der Heiligkeit faszinieren lässt, dann wird eine heilige Seele die Abkehr von der Welt als süß und erfüllend empfinden. Man muss nur klug darauf achten, dass die Seele nicht verwelkt.‘ (...)
Mit der geistlichen Autorität, die sie genoss, begab sich die heilige Hildegard in den letzten Jahren ihres Lebens trotz des hohen Alters und mühseliger Umstände noch auf Reisen, um den Menschen von Gott zu erzählen. Alle hörten ihr gerne zu, auch wenn sie einen strengen Ton anschlug: Sie fanden in ihr eine Botschafterin, eine Gesandte Gottes. (...)"
Auszug einer Katechese von Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz im Vatikan am Mittwoch, dem 8. September 2010
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"Heiligsprechung"?
„Diese weitverbreitete und allgemeine Überzeugung [von Hildegards Heiligkeit] führte dazu, dass eine besondere Prozedur zur Heiligsprechung der Benediktinerin, die praktisch als bereits kanonisiert galt, unnötig oder gar überflüssig erscheinen mochte."
Benedikt griff bei der nun erfolgten, quasi nachholenden Heiligsprechung Hildegards auf eine alte Form zurück, erklärte Amato. Es handle sich um eine so genannte „gleichwertige Kanonisierung", die Papst Urban VIII. in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelt hatte und die der spätere Papst Benedikt XIV. weiterentwickelte.
„In der „gleichwertigen Kanonisierung" ordnet ein Papst an, dass ein Diener Gottes, wenn er von alters her verehrt wird und glaubwürdige Zeitzeugen seine heroische Tugend und von ihm erwirkte Wunder versichern, von der Weltkirche verehrt wird, und zwar ohne einen definitiven Richtspruch, ohne juristisches Verfahren und ohne die üblichen Zeremonien."
Aus einem Interview von Radio Vatikan mit Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, vom 14.5.2012 - zum Nachhören als mp3 (Link) Die ganze Nachricht gibt es hier (Link)