Jahrestage, das Bistumsfest und die Pfarrgemeinderats-Wahlen beschäftigen in diesem Jahr die Katholiken im Bistum
Von Anja Weiffen
Großer Männer wird in diesem Jahr gedacht. Bischöfe, bedeutend für das Bistum und darüber hinaus. Es gibt 2011 viele Gründe, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen - ohne Gegenwart und Zukunft aus den Augen zu verlieren. Geschichte ist oft aktueller als gedacht.
Fast erweckt der Blick in den Terminkalender 2011 den Eindruck, als wenn Teil 2 des Mainzer Domjubiläums gefeiert wird. Noch immer wirken die Bilder und Eindrücke von 2009 nach, als das altehrwürdige Gebäude im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. In diesem Jahr klingt vieles vom Jubiläumsjahr noch einmal an.
Wieder gibt es eine 1000-Jahr-Feier, und zwar den 1000. Todestag des Erzbischofs Willigis, der den Mainzer Dom errichten ließ. „Dieses Jubiläum wollen wir zu einer Stärkung des Wir-Gefühls in unserem Bistum nutzen", betont Generalvikar Dietmar Giebelmann und weist darauf hin, dass die wichtigsten Veranstaltungen in St. Stephan mit Kardinal Karl Lehmman stattfinden. Gedenktag ist der 23. Februar. An diesem Tag im Jahr 1011 starb der heilige Willigis. Begraben wurde er in St. Stephan in Mainz. Auch diese Kirche ließ der Erzbischof erbauen.
Quelle ist alte Handschrift aus dem Mittelalter

Reliquienbüste des Erzbischofs Willigis von 1899. Sie wird jeweils am Willigis-Tag in St. Stephan ausgestellt. In diesem Jahr ist sie außerdem in der Ausstellung „Der verschwundene Dom“ zu sehen. Foto: Archiv
© Kirchenzeitung
Am Gedenktag steht ein Pontifikalamt in St. Stephan auf dem Programm. Am Vorabend des Willigis-Gedenktags soll es eine besondere Vigil geben, die wie das Pontifikalamt von Kardinal Lehmann zelebriert wird.
Dr. Regina Heyder, Pfarrgemeinderatsmitglied aus St. Stephan, ist an der Organisation der Vigil beteiligt und erläutert: „Es ist eine Vigilfeier in Anlehnung an das lateinische Willigis-Officium. Als Quelle dient eine alte Handschrift aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts, die zur liturgischen Feier am Willigistag verwendet wurde." Die Lesungen beinhalten unter anderem Wunder-erzählungen vom heiligen Willigis, berichtet sie.Die Vigil findet am 22. Februar um 19 Uhr unter Mitwirkung der Schola des Mainzer Domchors in St. Stephan statt.
Ab April steht wieder der Dom im Rampenlicht. Die Ausstellung „Der verschwundene Dom" zeigt die vergangenen, nicht mehr vorhandenen Gesichter des Mainzer Gotteshauses. Denn wer weiß heute noch, dass der Dom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in leuchtenden Farben ausgemalt war oder welche „Raumstimmung" der mittelalterliche Bau ausstrahlte? Diese „Geheimnisse" inszeniert die Jubiläumsausstellung und will damit einen glanzvollen Schlusspunkt des Domjubiläums setzen.Sonderausstellung „Der verschwundene Dom" vom 15. April bis 16. Oktober im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum
Rund um den Mainzer Dom wird in diesem Jahr gefeiert. Katholiken von Alsfeld bis Bad Wimpfen treffen sich am 22. Mai zum Bistumsfest. Hintergrund ist der 75. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann am 16. Mai.
Für den Mainzer Bischof steht ein weiterer Jahrestag an: Am 28. Januar vor zehn Jahren wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. Die Kardinalswürde empfing Lehmann einen Monat später am 21. Februar 2001.
Heißer Wahl-Herbst im Bistum

Das neue Logo für die anstehenden Pfarrgemeinderats-Wahlen im Herbst
Wer feiert, kann auch wählen: Die Gemeinden im Mainzer Bistum, aber auch in anderen Diözesen werden in diesem Jahr wieder vor die Aufgabe gestellt, neue Pfarrgemeinderäte zu bilden. Als einheitlicher Termin der Pfarrgemeinderatswahlen 2011 für die Bistümer Fulda, Limburg, Trier und Mainz stehen der 29. und 30. Oktober fest. Das Motto der Wahlen lautet: „Im Zeichen der Zeit".Weitere Informationen zu Terminen und Ansprechpartnern sind im Internet zu finden unter: www.bistum-mainz.de/pgr
Solche „Zeitzeichen" erkennt die Bistumsleitung in Themenschwerpunkten, die bereits im vergangenen Jahr gesetzt wurden.Denn auch 2011 soll in Dekanaten und Gemeinden der Firm- und Taufpastoral ein besonderes Interesse gelten. Generalvikar Giebelmann nennt die Dekanate Mainz-Süd, Bingen und Alsfeld, in denen in der Taufpastoral exemplarisch gearbeitet werde.
Auch die „Sozialpastoral" soll weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Bereits im vergangenen Jahr hat man sich vor allem im Dekanat Rüsselsheim über Caritas und Pastoral Gedanken gemacht. „Wir wollen die beiden Themen stärker miteinander verbinden und überlegen, welche Konsequenzen sich für das gesamte Bistum ergeben", sagt Giebelmann.
Einen geschichtlichen Anknüpfungspunkt bietet der 200. Geburtstag von Bischof Ketteler. Rückblick in das Jahr 1811: Wilhelm Emmanuel von Ketteler erblickte am Weihnachtstag im westfälischen Münster das Licht der Welt. Als er 39 Jahre später zum Mainzer Bischof ernannt wurde, war sein Interesse an der „Sozialen Frage" bereits deutlich.
Einer der Höhepunkte seines Wirkens war die Predigt auf der Liebfrauenheide bei Klein-Krotzenburg vor rund 10 000 Arbeitern. „Bischof Ketteler hat Grundlegendes für die soziale Bewegung getan", sagt Albert Seelbach, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aus dem Bistum Limburg. Gemeinsam wollen die KAB-Verbände aus den Bistümern Limburg und Mainz an den „Sozialbischof" erinnern.
Ketteler als Pionier: statt Almosen Gerechtigkeit

Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler
Seelbach weist auf die fünf Punkte hin, die Ketteler in seiner Predigt auf der Liebfrauenheide für die Arbeiter forderte: Erhöhung des Lohns, verkürzte Arbeitszeit, Gewährung von Ruhetagen, Verbot der Kinderarbeit und die Abschaffung der Fabrikarbeit von Müttern und jungen Frauen.
„Ketteler war einer der ersten in der Kirche, der auf die Not der Arbeiter nicht mit Tafeln oder Kleiderkammern reagiert hat, sondern dies als eine Frage der Gerechtigkeit gesehen hat", sagt der KAB-Präses. Kettelers Forderungen seien heute wieder aktuell. Seelbach denkt vor allem an den gerechten Lohn, der etwa in der Leiharbeit mit vier bis fünf Euro pro Stunde diesem Anspruch nicht genüge. Oder an die Ein-Euro-Jobs. Auch das Thema „Ruhetage" sei durch verlängerte Ladenöffnungszeiten und die Aufweichung der Sonntagsruhe wieder in der Diskussion. Die KAB unterstützt eine kürzlich gegründete Allianz zum Schutz des Sonntags in Hessen, wie Seelbach berichtet.
Zum Ketteler-Jubiläum planen die beiden KAB-Diözesanverbände im Sommer eine Sternwallfahrt, „die voraussichtlich am 27. August nach Marienthal führt", sagt Seelbach.
Das Bistum Mainz will Ketteler unter anderem mit einer Ausstellung in der Mainzer Martinusbibliothek im September würdigen. Auch eine Akademietagung sei geplant. Welche weiteren Botschaften Wilhelm Emmanuel von Ketteler als Bischof hatte, soll die Nachwelt durch eine Zusammenstellung seiner Hirtenworte erfahren. Die Ausgabe soll in diesem Jahr erscheinen.
Diesen Text und mehr zum Thema lesen Sie in der Ausgabe Nr. 1 vom 2. Januar 2011 von "Glaube und Leben"