Wer beschützt den Papst?

Sternsinger aus Mainz-Gonsenheim reisen über den Jahreswechsel nach Rom

Von links: Carolin Friedl, Lina Ludwig und Janek Spaderna aus Mainz-Gonsenheim beteiligten sich an der Gabenprozession im Petersdom. Foto: Romano Siciliani

Von links: Carolin Friedl, Lina Ludwig und Janek Spaderna aus Mainz-Gonsenheim beteiligten sich an der Gabenprozession im Petersdom. Foto: Romano Siciliani

Die Schuhe des Papstes, das Kolosseum und ein Schweizergardist beeindruckten die kleinen Romreisenden am meisten. Als Sternsinger waren 22 Kinder aus Mainz-Gonsenheim im Vatikan zu Gast. Ein paar von ihnen kamen Benedikt XVI. besonders nahe.

Ein kleines Holzkreuz aus Kambodscha war das Geschenk, das die drei kleinen Könige aus Mainz dem Papst überreichen durften. „Ich war total aufgeregt und hatte Angst, dass ich stolpere. Aber zum Glück ist nichts passiert", schildert Lina Ludwig die Situation und erzählt weiter: „Der Papst hat mich berührt und mich gesegnet, und es war sehr aufregend."

Gemeinsam mit 21 weiteren Sternsingern aus der Gemeinde St. Petrus Canisius im Pfarreienverbund Mainz-Gonsenheim feierte sie im Vatikan den Neujahrsgottesdienst mit dem Papst im Petersdom. Mit ihren Kronen und in ihren Gewändern nahmen Lina Ludwig (12), Janek Spaderna (12) und Carolin Friedl (11) zudem an der Gabenprozession im Petersdom teil.

„Am Ende war ich richtig stolz auf mich"

Das kambodschanische Holzkreuz, das die Gonsenheimer Kinder überreichten, zeigt eine Christusfigur mit nur einem Bein, den „Handicapped Jesus". Die Figur ist ein Symbol für die zahlreichen Menschen mit Behinderungen in Kambodscha, dem Beispielland der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen.

„Als ich vor dem Papst kniete, hat er mich gefragt, was in dem Geschenk ist. Da habe ich gesagt, dass es ein Kreuz aus Kambodscha ist, das von behinderten Kindern kommt", erzählt Carolin. Und Janek ergänzt: „Bei der Probe war ich schon total aufgeregt und heute morgen noch mehr. Aber als ich vorhin im Petersdom saß, wurde es immer besser, und beim Papst hat es mir richtig gut gefallen. Es war ein tolles Gefühl, ihm mal so nah zu sein. Am Ende war ich richtig stolz auf mich."

Eindrücke live im Internet zu lesen

BDKJ-Präses und Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Markus Konrad begleitete die Gruppe aus Mainz. „Die Kinder haben die Begegnung mit dem Papst als große Wertschätzung ihres Engagements erfahren. Den Dank geben sie gerne weiter an alle 10 000 Sternsingerinnen und Sternsinger im Bistum Mainz", sagt Konrad.

Beim Segen auf dem Petersplatz begrüßte Benedikt XVI. die Sternsinger noch einmal besonders: „Einen frohen Neujahrsgruß richte ich an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Gern heiße ich heute die Sternsinger aus Mainz willkommen und grüße mit ihnen alle, die in den Pfarreien am Dreikönigssingen teilnehmen, um den Menschen das Ereignis der Geburt Christi zu künden."

Schon am Vorabend des Neujahrstags hatte die Gruppe auf dem Peterplatz Silvester gefeiert und ein Feuerwerk vor der prachtvollen Kulisse des Petersdoms erlebt. „Manch einer meinte, die Wunderkerze des Papstes gesehen zu haben", berichtete Pfarrer Konrad live in Facebook. In dem Internet-Netzwerk gab die Gruppe ihre Eindrücke gleich weltweit kund.

Zwar war die 14-jährige Maryan Unger nicht unter den drei Gabenträgern, trotzdem nah dran am Papst. „Ich fand es toll, den Papst so richtig gut sehen zu können", sagt sie. Begeistert war sie außerdem davon, dass Pfarrer Konrad den Kindern einiges über die Stadt Rom erzählt hat. „Wir haben viel gesehen, zum Beispiel das Kolosseum, das ich ziemlich cool fand." Außerdem haben sie noch viele andere Kinder aus unterschiedlichen Ländern getroffen, die zu Besuch im Vatikan waren, erzählt das Mädchen.

Mit Sonnenbrille auf der Nase und Kabel im Ohr

Zwei Jungen der Mainzer Gruppe interessierten sich dagegen für die Papstmode. „Er hatte rote Lederschuhe an", weiß der neunjährige Frederick Farhat zu berichten. Auch dem elfjährigen Joscha Marzi fielen gleich die Schuhe des Kirchenoberhaupts auf.

So beeindruckt, dass sie Spiele erfanden, waren die Kinder von einem Schweizergardisten. Durch einen Kontakt von Pfarrer Konrad hatte die Gruppe die Möglichkeit, mehr als eine Stunde lang einen der Wachmänner im Vatikan zu sprechen. Wie bewacht man den Papst? Oder: Welche Uniformen gibt es?, nennt Diözesanjugendseelsorger Markus Konrad die Fragen der Sternsinger.

Joscha Marzi erzählt: „Wir haben danach im Hotel gespielt: Einer ist der Papst, eine Gruppe ist Angreifer, die andere Gruppe Beschützer." Er habe zu den Beschützern gehört, „mit Sonnenbrille und Kabel im Ohr", wie der Junge erzählt.

Damit ihm und den anderen Sternsingern aus Mainz-Gonsenheim zuhause noch eine handfeste Erinnerung vom Vatikanerlebnis bleibt, haben die Kinder lustige Souvenirs erstanden: Wackelkopfpäpste - Papstfiguren mit wackelndem Kopf. (wei/pm)