Berufung wächst in Begegnungen

Kardinal Karl Lehmann sendet drei Theologinnen in ihren Dienst im Bistum Mainz

Treffen mit Kardinal Karl Lehmann, der die neuen Pastoralreferentinnen auch senden wird. Von links: Claudia Dahmen, Eva Reuter und Stefanie Erbs. Foto: Claudia Sticher

Treffen mit Kardinal Karl Lehmann, der die neuen Pastoralreferentinnen auch senden wird. Von links: Claudia Dahmen, Eva Reuter und Stefanie Erbs. Foto: Claudia Sticher

 

Drei Frauen sendet Kardinal Karl Lehmann am 3. September in ihren Dienst als Pastoralreferentinnen im Bistum Mainz. Es waren Begegnungen mit Menschen, die sie geprägt haben: Wegbegleiter, die glaubwürdig und einladend der Kirche ein Gesicht gegeben haben.

Jeder der drei Frauen fallen solche Namen ein: Für Claudia Dahmen ist es der Religionslehrer Thomas Lelle vom Gymnasium in Nieder-Olm, der sie beeindruckt und geprägt hat. Die 30-Jährige erinnert sich an eine „klassische Kindheit in Zornheim", die viele Kontakte zur Gemeinde brachte: Die Blockflötengruppe im Kindergottesdienst ebenso wie später die Katholische Landjugendbewegung KLJB mit dem „Glaube-lebt-Team". Ausgerüstet mit guten Erfahrungen zu Hause hat sie nach dem Abitur als „Missionarin auf Zeit" in Brasilien gearbeitet. Auch das hat sie im Glauben geprägt und „erwachsen werden lassen", wie sie sagt. „Es war zunächst der Idealismus: Ich tue etwas Gutes. Doch dann habe ich schnell gemerkt: Ich bin es, die beschenkt wird", erinnert sich Dahmen: bereichert durch die Begegnungen an der Basis, in der Gemeinde, mit Menschen, die der Kirche Namen und Gesicht geben, den Glaubensweg begleiten.

Fasziniert von der Befreiungstheologie Fasziniert sei sie von der Befreiungstheologie, wie sie sie in Brasilien kennen gelernt habe: als Theologiestudentin in Porto Alegre, aber auch in der Landpastoral vor Ort. So hat sie auch ihre Diplomarbeit über die Arbeit von Schwester Dorothy Stang geschrieben, die sich für die Landlosen in Brasilien eingesetzt hatte und wegen ihres Einsatzes ermordet wurde. Solche Menschen hinterlassen Spuren. Auch wenn die Situation der Kirche in Deutschland eine andere ist als in Brasilien, so sieht Claudia Dahmen doch auch Parallelen, die sie nun auch in ihre Arbeit als Pastoralreferentin einbringen will: „Es ist die Suche nach einem erfüllten Leben, nach Angenommensein und Gerechtigkeit." So engagiert sie sich hier in der Pfarrer-Landvogt-Hilfe in Mainz und trifft dort Menschen, die sie weiter prägen auf ihrem Weg.

Für Stefanie Erbs ist eine solche prägende Person der damalige Pastoralreferent ihrer  Heimatgemeinde, Guntram König: Bei Firmwochenenden, in den Aktionen der Katholischen jungen Gemeinde KjG oder im Leben der Gemeinde im Ort hat sie ihn erlebt. Mit dem Freiwilligendienst der Jesuiten war Stefanie Erbs nach dem Abitur ein Jahr in Brüssel und hat dort mit anderen in einer Wohngemeinschaft gelebt, mit gemeinsamen Leitsätzen wie „Einsatz für Gerechtigkeit", „einfacher Lebensstil", „gelebter Glaube" und „Leben in Gemeinschaft". Bei den Jesuiten hat sie die Spiritualität des Ordensgründers Ignatius von Loyola kennen und schätzen gelernt und dann bei ihrem Studium der Theologie in der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt vertieft. In Spanien hat sie auch die Gelassenheit gelernt Die Einfachheit des Lebens, wie sie es in der Wohngemeinschaft in Brüssel erlebte, und die Erfahrungen in ihrem Auslandsstudium in Granada sind andere als das, was sie nun wieder in Deutschland erlebt: „Pünktlichkeit, Strukturiertheit und so weiter: Ich habe in Spanien dagegen auch die Gelassenheit gelernt", sagt sie. Und dass der Glaube in Spanien viel körperlicher zum Ausdruck gebracht werde als hier, wo es doch oft „verkopft" zugehe. So wünscht sie sich für ihre kommende Aufgabe in der Klinikseelsorge auch, „viel Platz für die eigentliche Seelsorge" zu haben und nicht nur mit Organisationsaufgaben betraut zu sein.

Schon in ihren Praktikumsgemeinden hat sie darauf Wert gelegt: „Ich habe etwa zur  Erstkommunionvorbereitung die Familien der Kinder besucht und dabei viele gute Begegnungen gehabt, bei denen ich viel erfahren und gelernt habe", berichtet Erbs. Viele seien verunsichert und hätten Sorge, „etwas falsch zu machen", weil sie sich im kirchlichen Leben nicht mehr so auskennen. „Die Besuche haben geholfen, solche Distanz abzubauen": Prägende Erfahrungen durch persönliche Begegnungen.

Eva Reuter nennt die Gemeindereferentin Erika Ochs, die sie auf ihrem Weg geprägt hat. In einer Diasporasituation, in der der Glaube nicht selbstverständlich sei, habe gerade sie es verstanden, authentisch und glaubwürdig Zeugnis zu geben, indem sie sehr persönlich von ihrem Glauben  erzählt habe. Das hat Eva Reuter so beeindruckt, dass sie später neben der Theologie auch ein Zusatzstudium „Medien und öffentliche Kommunikation" belegt hat. Glauben zwischen Markisen, Stühlen und Tupperware „Wie kann ich den Glauben heute kommunizieren?", ist eine Frage, die sie dabei bewegt hat. So hat sie auch in der Internetarbeit des Bistums schon Erfahrungen gesammelt, oder auch am Bistumsstand bei Verbrauchermessen mitgeholfen, bei denen sie „zwischen Markisen, Gartenstühlen und Tupperware" vom Glauben erzählt hat. Sie sieht aber auch, wie sie als Mutter einer vierjährigen Tochter im Kreis von anderen Eltern in allen Alltagserfahrungen „den Glauben ins Spiel bringen" kann. „Ich bin ja nicht nur ‚Seelsorgerin‘, sondern auch Frau und Mutter und Theologin und Nachbarin und vieles mehr."

Es waren Menschen, die für die drei neuen Pastoralreferentinnen Begleiter waren: die Eltern, Lehrer, Mitstudenten, Haupt- und Ehrenamtliche aus den Gemeinden. Menschen, die sie bestärkt haben. Menschen, die die Kirche liebenswerter und authentischer gemacht haben. Und was wünschen sich die drei Frauen für ihren eigenen Dienst als Pastoralreferentinnen? Da sind sie sich schnell einig: „Dass am Ende jemand von mir sagen kann: Das waren Begegnungen, die mich im Glauben und Leben weiter gebracht haben, weil sie glaubwürdige Wegbegleiterinnen sind." (mik)

 

Zur Sache

Lasst euch entflammen

„Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!" So fordert der Apostel Paulus die Christen in Rom auf. Die neuen Pastoralreferentinnen haben den Satz für die Einladung zu ihrer Sendung ausgesucht und dazu das Bild der Künstlerin Ruth Wild gefunden, das den Titel trägt: „Lasst euch vom Geist entflammen."

„So unterschiedlich wie wir sind, war es gar nicht so einfach, eine Wahl zu treffen", erinnert sich Claudia Dahmen lachend. Doch die Erfahrung, dass der Eifer nachzulassen droht, sei keiner der Frauen fremd: Zeiten hoher Beanspruchung haben sie in ihrer Assistenzzeit durchaus erlebt - dann gilt es, sich neu entflammen zu lassen. (mw)

 

 

 

Themenseite: Pastoralreferent/in in der Kirchenzeitung

Diese Beiträge und mehr lesen Sie auch auf der Themenseite der Kirchenzeitung "Glaube und Leben" vom 28. August 2011.

Die Themenseite können Sie hier ansehen und herunterladen:

Copyright: Kirchenzeitung
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Sie müssen jedem Rede und Antwort stehen können

Fragen an Albert Baumann, Bischöflicher Beauftragter für die Berufsgruppe der Pastoralreferentinnen und -referenten sowie die Pastoralassistentinnen und -assistenten im Bistum.

Warum sind Pastoralreferentinnen und -referenten wichtig für das Bistum Mainz?

Die Berufsgruppe der Pastoralreferenten hat bei der in den letzten Jahrzehnten erfolgten Ausdifferenzierung der Seelsorge, die sich an den unterschiedlichen gesellschaftlichen Lebenswelten orientierte, eine wichtige Rolle gespielt. Bis heute sind im Bistum Mainz diese Bereiche der so genannten Sonderseelsorge (zum Beispiel die Krankenhaus-, Betriebs-, Hochschul-, oder Telefonseelsorge) und der Einsatz in Schulen die bevorzugten Einsatzfelder für Pastoralreferenten.

Sie sind aber auch deshalb wichtig, weil die Herausforderung, den Glauben in heutiger Zeit den Menschen plausibel zu machen, nicht geringer, sondern größer wird. Deshalb braucht es Seelsorgerinnen und Seelsorger, die nicht nur selbst glaubwürdige Zeugen sind, sondern auch eine gründliche theologische Ausbildung mitbringen, um so in der Lage sein zu können, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach dem Grund ihrer Hoffnung fragt", wie es im 1. Petrusbrief heißt (Kapitel 3, Vers 15).

Welche Bilanz ziehen Sie nach mehr als drei Jahrzehnten als Pastoralreferent im Bistum?

Anfänglich konnte man den Eindruck haben, diese neue Berufsgruppe sei nur aus der Not des Priestermangels geboren und würde vielleicht nur eine Episode in der Kirche sein. Erst später konnten sich die eigentlichen und tieferen Gründe für die Entstehung dieses pastoralen Laienberufs im Bewusstsein der Menschen durchsetzen, nämlich die durch das Zweite Vatikanische Konzil betonte und durch die Würzburger Synode für Deutschland konkretisierte Verantwortung der Laien für und ihre Teilhabe an seelsorglichen Aufgaben.

Gewiss haben dabei auch die guten Erfahrungen mit den Pastoralreferenten - ähnlich wie mit der viel älteren Berufsgruppe der Gemeindereferentinnen und -referenten - eine Rolle gespielt. Im Bistum Mainz haben die Laienberufe, gestützt durch die Wertschätzung unseres Bischofs und der Bistumsleitung, einen guten und anerkannten Status. Der Beruf Pastoralreferent ist nach den inzwischen 38 Jahren seines Bestehens in der Seelsorge des Bistums Mainz strukturell gesichert und inhaltlich profiliert.

Was waren für Sie die prägendsten Eindrücke in dieserZeit?

Zum einen, dass ich im Laufe meiner eigenen Berufsgeschichte mit Priestern zusammenarbeiten konnte, die den hauptberuflichen Dienst eines Laientheologen nicht als Konkurrenz empfanden, sondern ihn wertschätzten und förderten. Hier möchte ich besonders den damaligen Bischöflichen Beauftragten für die Pastoralreferenten, Monsignore Karlhermann Hiß, erwähnen, der für die erste Generation der Pastoralreferenten und die Berufsgruppe bis 1994 durch seine menschenfreundliche und verständnisvolle Begleitung und eigene Lernbereitschaft ein wichtiger Promotor für die Entwicklung des Berufs war.

Zum andern war es so manche Begegnung mit den jungen Studierenden mit dem Berufsziel Pastoralreferent oder -referentin, für deren Begleitung ich in meiner Funktion auch zuständig war. Immer wieder war ich von der Begeisterung und festen Zuversicht beeindruckt, die sie mit- und einbrachten. Sie waren für mich gerade in Zeiten eigener Müdigkeit oder Verzagtheit mutmachend und inspirierend. Nicht zuletzt waren die jährlichen Sendungsfeiern prägende Eindrücke. Die schöne und würdige Form dieser Feiern,  die wir in Mainz seit Jahren pflegen, verdeutlicht immer wieder, dass es bei diesem Dienst nicht nur um ein Angestelltenverhältnis geht, sondern um Sendung im Auftrag des Bischofs, der auch fast immer die Sendung selbst vornimmt.

Was möchten Sie aus Ihrer langjährigen Berufserfahrung den „Berufseinsteigerinnen" heute als Wunsch mit auf den Weg geben?

Zuallererst den Wunsch, dass es ihnen gelingen möge, sich die Freude am und aus dem Glauben zu bewahren, um glaubwürdige Zeuginnen der Frohen Botschaft sein zu können. Außerdem möchte ich ihnen empfehlen, offen und wach zu sein für all das, was Menschen heute bewegt, die „Zeichen der Zeit"  wahrzunehmen und am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen. Von Pastoralreferenten erhoffen wir uns, dass sie so etwas wie „Brückenbauer" oder „Grenzgängerinnen" zwischen Kirche und Gesellschaft sein können. Vor allem aber wünsche ich ihnen, dass sie selbst in der Begegnung mit Menschen in ihrem eigenen Zutrauen zur Welt und Vertrauen auf Gott gestärkt und getragen werden.

(mik)

 

Albert Baumann war einer der ersten Pastoralreferenten im Bistum Mainz

Albert Baumann war einer der ersten Pastoralreferenten im Bistum Mainz

 

 

Zur Person: Albert Baumann

Bei der ersten Sendung 1978 wurde er ausgesendet. Als Bischöflicher Beauftragter hat er mehr als 16 Jahre Studierende, Berufsanfänger und die Berufsgruppe begleitet. Im Herbst 2011 geht er in den Ruhestand.