Bistum fährt strikten Sparkurs

Generalvikar Dietmar Giebelmann im Katholikenrat über Perspektiven für die Zukunft

Von Maria Weißenberger

 

Er ging ausführlich auf die Fragen der Ratsmitglieder ein: Generalvikar Dietmar Giebelmann. Foto: Tobias Blum

Er ging ausführlich auf die Fragen der Ratsmitglieder ein: Generalvikar Dietmar Giebelmann. Foto: Tobias Blum

 

Acht Millionen Euro will das Bistum 2011 einsparen. Dies sagte Generalvikar Dietmar Giebelmann bei der Herbstvollversammlung des Katholikenrats in Mainz. Unter dem Thema „Nach einem bewegten Jahr - Perspektiven für die Zukunft der Kirche im Bistum Mainz" stellte er sich den Fragen der Mitglieder.

Der Haushaltsplan für 2011 sehe erstmals keine Entnahme aus den Rücklagen vor, sagte Giebelmann weiter. Der Kirchensteuerrat wird den Haushaltsplan in seiner Sitzung am 11. Dezember verabschieden.

Ziel des Sparprozesses, den das Bistum in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Egger und Dreher begonnen hat, ist es, die jährlichen Ausgaben um 25 Millionen zu senken. „Das schaffen wir natürlich nicht in einem Schritt", erklärte der Generalvikar. Vorgesehen sei ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren.

Personalkosten senken - aber ohne Entlassungen

 

Betroffen von den Sparmaßnahmen seien zunächst das Bischöfliche Ordinariat und die Dienststellen des Bistums, nicht jedoch die Pfarreien, die Caritas und die Kindertagesstätten. Hauptsächlich müssten die Personalkosten gesenkt werden. „Dabei stehen wir im Wort, dass wir die Reduzierung ohne Entlassungen und Kündigungen vornehmen", betonte Giebelmann. Jedes Jahr, sagte er, gehen etwa 40 Mitarbeiter in den Ruhestand oder scheiden aus. Geplant sei, die frei werdenden Stellen nicht wieder zu besetzen. Sollte dies nicht möglich sein, werde eine „interne Wiederbesetzung" angestrebt.

Gegebenenfalls müssten Mitarbeiter durch Qualifizierungsmaßnahmen in die Lage versetzt werden, eine andere Tätigkeit zu übernehmen. Außerdem komme auch ein Wechsel in Einrichtungen eines anderen katholischen Trägers in Frage, beispielsweise zur Katholischen Fachhochschule oder zum Katholischen Klinikum.

Ein weiterer erheblicher Kostenfaktor seien die Tagungshäuser. Hier gelte es Wege zu finden, um die Einnahmen zu steigern und die Kosten zu senken. Außerdem würden die Zuschüsse für Vereine und Verbände um zehn Prozent gesenkt, die Baukosten für die Jahre 2011 und 2012 würden budgetiert.

Bei den Schulen versuche das Bistum zunächst, durch „verbindliche Elternspenden" die Einnahmen zu erhöhen. Gerade hätten rund 10000 Eltern von Schülern katholischer Schulen einen Brief des Bistums bekommen, in dem sie um eine solche verlässliche Unterstützung gebeten werden. Eine Elternspende habe den Vorteil, dass sie für die Spender steuerlich absetzbar sei. Eine Alternative, erklärte Giebelmann, sei die Einführung eines Schulgelds. Dies gehe allerdings nur in den hessischen Gebieten des Bistums, in Rheinland-Pfalz sei es rechtlich nicht möglich.

Auch die Pfarrgemeinden sind gefordert

 

Trotz der unveränderten Haushaltszuweisungen an die Pfarrgemeinden stehen auch diese vor großen Herausforderungen, wie der Generalvikar deutlich machte: „Es bleibt eine dringende Aufgabe der Gemeinden, Lösungen zu finden, um den Erhalt ihrer Gebäude künftig zu sichern."

„Wir sparen in einem Augenblick, in dem es noch geht", betonte Giebelmann. Glücklicherweise habe das Bistum Mainz für die Altersversorgung der Priester und Kirchenbeamten ausreichend Rücklagen gebildet, ebenso seien für die Unterhaltung der Dome und Bistumsbauten Rücklagen aufgebaut worden.

Dem Missbrauch vorbeugen: Kinder stark machen

 

Was die Debatte um sexuellen Missbrauch betrifft, so erklärte Giebelmann, dass das Bistum Mainz nach den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz handle. Alle gemeldeten Vorfälle seien den zuständigen staatlichen Stellen zugeleitet worden, die Akten auf entsprechende Hinweise überprüft worden. Zurzeit werde im Bistum daran gearbeitet, geeignete Maßnahmen zur Prävention umzusetzen. „Wir brauchen Strukturen, die sexuellen Missbrauch verhindern, und eine Erziehung, die Kinder stark macht", sagte Giebelmann.

 

Zur Sache

Klarer Wille zum Dialog

Mit großer Mehrheit haben sich die Mitglieder des Katholikenrats dafür ausgesprochen, sich am Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland zu beteiligen. An den beiden Tagen vor der Sitzung des Gremiums hatte in Bensberg eine gemeinsame Tagung von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) stattgefunden. An deren Abschluss stand die gegenseitige Zusicherung, den Dialogprozess konstruktiv fortzusetzen. Für die kommende Zeit wurden in Bensberg zwei Projekte vereinbart. Unter dem Thema „Die Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Staat" soll eine Bestandsaufnahme der kirchlichen Situation in der Gesellschaft vorbereitet werden. Das zweite Projekt betrifft das Zusammenwirken von Priestern und Laien in der Kirche. (mw)

 

Stichwort

Katholikenrat

 

Im Hildegard-Saal des Erbacher Hofs in Mainz trafen sich die Mitglieder des Katholikenrats zu ihrer Herbstvollversammlung. Foto: Maria Weißenberger

Im Hildegard-Saal des Erbacher Hofs in Mainz trafen sich die Mitglieder des Katholikenrats zu ihrer Herbstvollversammlung. Foto: Maria Weißenberger

 

Der Katholikenrat ist das höchste Laiengremium im Bistum. Mitglieder sind Laienvertreter aus den 20 Dekanaten, den katholischen Verbänden und dem Beirat von Katholiken anderer Muttersprache. Das Gremium tagt zweimal im Jahr. Sprecherin des Katholikenrats ist Dr. Hildegard Dziuk, ihre Stellvertreter sind Dr. Gloria Behrens und Roland Hohenstein. (mbn)

Zur Sache

Allianz für den freien Sonntag

Der Katholikenrat hat sich dafür ausgesprochen, die „Allianz für den freien Sonntag" in Rheinland-Pfalz und Hessen zu unterstützen. Zu den Zielen der Allianz gehören unter anderem die „Einhaltung des Sonn- und Feiertagsschutzes", die „Begrenzung der Ladenöffnungszeiten" sowie die „Thematisierung der gesundheitlichen, sozialen und kulturellen Folgen einer ,Rund um die Uhr-Konsum- und Kommerzgesellschaft‘".

Die bundesweite Allianz für den freien Sonntag wurde 2006 gegründet. Trägerorganisationen sind die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA), die Katholische Betriebsseelsorge und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der EKD (KDA). (mbn)

 

Stichwort

Centrum der Begegnung

Als Reaktion auf eine Sozialraumanalyse 2006, die für das Mainzer „Quartier Marienborn-Nord" dringend Handlungsbedarf sah, gründeten die beiden Marienborner Kirchengemeinden die „Initiatve Soziales Marienborn". Im gleichen Jahr wurde von der ökumenischen Initiative das „Centrum der Begegnung" für Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen eröffnet. Im „Centrum der Begegnung" wird unter anderem das „Kinderfrühstück" angeboten, das 2009 mit dem ersten Preis beim Wettbewerb der Wilhelm Emmanuel von Ketteler-Stiftung ausgezeichnet wurde. Weitere Angebote sind die Hausaufgabenhilfe ab der fünften Klasse, Bewegungsangebote, das Internetcafé und gemeinsames Backen und Kochen.(pm)

Centrum der Begegnung, Telefon 0 61 31 / 5 86 26 86, E-Mail: cdb-marienborn(at)arcor.de

 

Erschienen in der Kirchenzeitung "Glaube und Leben",  Ausgabe Nr. 46 vom 14. November 2010