Adventsimpuls von Karl Kardinal Lehmann - Bischof von Mainz
Adventskalender 2009 - Domradio Köln
Mit dem Advent verbinde ich immer, eigentlich schon seit den Kindertagen, die Erfahrungen der Dunkelheit und des Lichtes. Am frühen Morgen gehen wir auch heute noch in der tiefsten Dunkelheit des Jahres zu den Gottesdiensten. Selbst ein kleines Licht macht dabei besonders hell. Finsternis und Licht sprechen darum mehr als sonst aus, was sie bedeuten.
Bei der Finsternis denke ich immer an die vielen Menschen in einer langen Geschichte, die mühsam und beladen, ausgehungert und fragend-zweifelnd auf den staubigen Straßen unserer Welt dahinziehen, nicht selten vertrieben, jedenfalls suchend. Es können auch gefährliche Wasserstraßen sein, wenn in unseren Tagen so viele Menschen von Afrika über das Mittelmeer in Europa eine bessere Zukunft suchen.
In diesem Jahr kommen besonders viele Menschen aber auch aus der Finsternis der Wirtschafts-, Banken- und Finanzkrise. Sie haben viel verloren und suchen nach einem Ausweg. Manche haben aber auch, vielleicht schon länger, Schuld auf sich geladen, indem sie andere betrogen haben. Mancher wandert mit, den ein persönliches Unglück getroffen hat, schwere Krankheit, Verlust des eigenen Hauses, Abschied von einem lieben Menschen für immer. Schließlich gibt es das undurchdringliche Dunkel von Menschen, die keine Zukunft mehr für sich sehen und ihrem Leben ein Ende machen, wie wir vor kurzem an der Geschichte des Nationaltorwarts Robert Enke erlebt haben.
Schon das Alte Testament hat den Menschen immer wieder Mut gemacht, auf diesen Straßen zu wandern und nicht aufzugeben. Der Tunnel der Dunkelheit war manchmal sehr lang. Es war nur ein kleines Licht, das am Ende flackerte. Dabei gibt es ja schließlich auch Irrlichter, die uns täuschen. Mancher sieht ein Licht, geht ihm nach und kommt dann in einen Sumpf. Deshalb müssen wir die Lichter unterscheiden. Wahres Licht kommt von Gott. Es täuscht uns nicht und geht auch nicht aus, wenn ein Windhauch kommt. Auf dem Weg von der Finsternis zum Licht brauchen wir immer wieder Winke und Zeichen, Symbole und Wegweiser, vor allem aber Propheten und Menschen, die uns nahe sind: Johannes der Täufer, die großen Propheten, Maria. Sie führen uns nach Bethlehem, wo es jedes Jahr besonders hell wird. Er, den alle suchen, kommt. Er ist das Licht der Welt.
Gehen wir eine Wegstrecke im Advent mit ihm und auf ihn zu. So lässt er sich besser entdecken.