Impuls zum Einstieg in die Beratung auf der Ebene der künftigen Kooperationseinheiten Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde

Bibeltext aus dem Johannesevangelium

Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet? Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.

Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

(Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 25-34)

Auslegung

Wir sind nicht Christus. Weder die Kirche als ganze, noch eine einzelne Pfarrgemeinde darf sich einfach an die Stelle Christi setzen oder so wichtig nehmen. Kirche, Pfarrgemeinde, letztlich jeder einzelne Christ ist „Zeichen und Werkzeug“, um die Menschen mit Gott bekannt zu machen, wie Johannes der Täufer. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sind nicht der Messias, und das Heil liegt nicht in bestimmten Strukturen. Das sich bewusst zu machen, kann sehr entlastend sein. Es gilt, sich darauf zu besinnen, was unser Auftrag als Kirche, als Christen in dieser Welt ist, und die Strukturen dem Auftrag anzupassen.

Johannes der Täufer und die Art, wie er auftritt, ist ein gutes Bild für unseren Auftrag als Kirche in dieser Zeit. Es ist unsere Aufgabe, auf Christus hinzuweisen, ihn zu entdecken. Und zwar gerade bei den Menschen, die ihn (noch) nicht kennen: „Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt!“ Nicht zuerst im Kreis der angestammten Gemeinde, sondern mitten unter den Fremden, den „Fernstehenden“, den eher Gleichgültigen, denen, die nur gelegentlich bei uns einmal vorbei schauen, mitten unter denen ist Christus längst schon gegenwärtig. Wir müssen ihn nicht erst zu den Menschen hintragen, er ist schon dort.

Christen sind Menschen, die einen Blick dafür haben, wo überall in der Welt Gottes Geist schon am Werk ist. Die entdecken, wo im Leben der Menschen, die ihn scheinbar gar nicht kennen, Gottes Geist bereits wirkt. Und die darauf – wie Johannes – hindeuten und Zeugnis ablegen: „Seht, das Lamm Gottes!“

Tobias Schäfer
(Dekan des Dekanates Alzey / Gau-Bickelheim)

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