Aus den Erfahrungen einer Fusion
in Mainz-Mombach, St. Nikolaus
Nachfolgender Text enthält Auszüge aus einem schriftlich festgehaltenen Gespräch, das der damalige PGR-Vorsitzende von Rüsselsheim, St. Christophorus, Peter Berg, mit Pfarrer Keindl von Mainz-Mombach, St. Nikolaus im März 2009 geführt hat, um dessen Erfahrungen für die eigenen Fusionsüberlegungen zu nutzen.
Die Initiative zur Fusion der drei Mombacher Pfarreien Heilig Geist, Herz Jesu und St. Nikolaus zur Pfarrei St. Nikolaus am 1. 9. 2006 ging vom Pfarrer aus, der seine Überlegungen zuerst in die drei Pfarrgemeinderäte einbrachte. Nächste Schritte waren dann sehr schnell gemeinsame Pfarrgemeinderatssitzungen und ein Einkehrtag aller Räte, um den Weg zur Fusion offen zu diskutieren und abzustimmen.
Diesem Einkehrtag kam eine Schlüsselfunktion zu, da er das klare Zielbild ergab: „Da wollen wir hin." Inhaltlich überzeugte das Argument, zu diesem Zeitpunkt die Zukunft selbst gestalten zu können, bevor sie etwa von der Bistumsleitung vorgegeben würde. Die Fusion wurde zudem vermittelt als ein Schritt nach vorne, der nicht versucht zu bewahren, was keine Zukunft hat. Das gemeinsame Wollen hat ein Wir-Gefühl erzeugt und damit entscheidend zum Gelingen der Fusion beigetragen.
Wichtige Meilensteine im weiteren Verlauf des Zusammenwachsens waren die Bildung des neuen PGR nicht nach dem Proporz der alten Gemeinden. Zwar konnten alle ehemaligen PGR-Mitglieder auch für den neuen PGR kandidieren, die Wahl sollte aber einzig nach Inhalten erfolgen. Die Herkunftspfarrei spielte keine Rolle.
Bei den liturgischen Diensten (Messdiener, Lektoren, Kommunionhelfer) wurden jeweils Vollversammlungen durchgeführt mit dem Angebot weiterzumachen unter der Bedingung, dass jeder bereit sei, auch in den anderen Kirchen Dienst zu tun.
Schließlich wurde ein gemeinsames Pfarrfest eingeführt bei gleichzeitiger stärkerer Betonung der einzelnen Patrozinien, jeweils mit kleinem Fest.
Die finanzielle Situation hat sich nicht wesentlich verändert: weder nahmen die Kollekten ab, noch wurden große Einspareffekte erzielt. Der neue Haushalt besteht aus den drei Vorgängerhaushalten. Die Zuteilung erfolgt nun themenorientiert und nicht ortsgebunden. Die zentralisierte Verwaltung vereinfacht die Koordination der Räumlichkeiten (Verkauf, Vermietung, Belegung).
In der Rückschau auf den Fusionsprozess zieht Pfarrer Keindl folgendes Fazit:
Die juristische Abwicklung des Gesamtprozesses braucht mehr Geduld und Zeit.
Für Einzelpersonen, die sich dem Prozess verweigern, sollte nicht zuviel Verständnis aufgebracht werden.
Es ist wichtig, die Entscheidungen als Beschlusslage des PGR darzustellen, der das Mandat der Gesamtgemeinde hat.
Die Positionen müssen begründet sein, in Diskussionen vertreten werden und ggf. auch korrigiert werden können.
Es gibt weniger Gottesdienste, die aber merklich besser besucht sind und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl ermöglichen.
Die größere Gemeinde hat mehr Gewicht in lokalpolitischen Themen. Kommunale Gremien finden leichter den katholischen Ansprechpartner.
