Lebendige Gemeinden – und die Schule(n)?

Ob Tageszeitung oder Fernsehnachrichten, zum Thema Schule und Bildung gibt es ständig Meldungen. Die öffentlich geführte Bildungsdiskussion streift manches, was jetzt schon oder bald auch kirchliche Einrichtungen oder den Religionsunterricht betrifft.

Eltern schulpflichtiger Kinder stehen schon mitten drin. Es ist offenkundig, dass sich durch Ganztagsschulen und achtjähriges Gymnasium (in Hessen ab diesem Sommer) die Zeitrhythmen unserer Kinder und Jugendlichen einschneidend verändern. Weit mehr Nachmittage als bisher werden in der Schule verbracht. Betrifft das unseren Bistumsprozess - missionarisch Kirche sein in lebendigen Gemeinden? In diesem Prozess sind Strukturfragen und pastorale Konzeption arbeitsmethodisch zwar trennbar, gehören sachlich aber doch eng zusammen.

So stellen sich in den gegenwärtigen Gesprächen vielerorts auch schon Fragen nach dem Stellenwert von Religionsunterricht und damit dem Einsatz pastoraler Mitarbeiter/innen in der Schule. Der unverzichtbare Wert von schulischem Religionsunterricht wird evident, wenn über Gottesdienst und Sakramenten-katechese Jugendliche nur noch punktuell erreicht werden. Es gehört zum Berufsbild des Priesters und der pastoralen Laienmitarbeiter/innen junge Menschen gerade auch in der Schule anzusprechen. In manchen Fällen gibt es Grund, diesen Dienst in Absprache mit den Zuständigen im Bischöflichen Ordinariat gesondert zu regeln. Dass Präsenz in der Schule aber nicht verzichtbar ist, sondern immer wichtiger wird, liegt in der Logik unseres gegenwärtigen Prozesses.

Eine missionarische Gemeinde, die nicht Kinder, Jugendliche und deren Eltern sucht, wird auf Zukunft hin wenig bewegen. Sie kann sich dabei nicht nur auf die konzentrieren, die Gott sei Dank noch aktiv dazugehören, zumal selbst für diese Schule mehr Gewicht bekommt und zum prägenden Lebensraum wird. Freizeit wird knapper. Was heißt das für die Jugendarbeit in den Gemeinden, für die Kommunion- und Firmkatechese und für diejenigen, die sich in diesen Bereichen haupt- und ehrenamtlich engagieren? Warten Gruppenleiter/innen (die oft auch selbst länger die Schulbank drücken), warten pastorale Mitarbeiter/innen bis Kinder und Jugendliche dann abends doch noch irgendwie zu Pfarreiangeboten kommen oder wird der Samstag zum Großkampftag im Gemeindezentrum? Schule bekommt mehr und mehr Vorfahrt. Dieser Tatsache gilt es gerecht zu werden. Ob man die Veränderungen begrüßt oder ablehnt, der Rahmen für unsere pastoralen Tätigkeiten ist damit neu abgesteckt.

Kirchlicherseits müssen wir dabei beidem gerecht werden – der Rolle der Schule, aber auch dem notwendigen Gewicht und Eigenleben der Pfarrgemeinde. Wir sollten sehr wohl darauf achten, dass mit der wachsenden Bedeutung der Schule nicht einfach die Einbindung von Jugendlichen in unsere Pfarreien zu sehr erschwert oder gar verunmöglicht wird. Auch Erstkommunion- und Firmunterricht lassen sich nicht einfach in eine Schule verlagern.

Außerdem sind Jugendverbände und Pfarrgemeinden auch wichtige Orte der Begegnung von Jugendlichen verschiedener Schularten. Die eigene Schule darf Jugendliche nicht gettoisieren. Doch darüber ist in unseren Gremien vor Ort zu reden. Mit viel Augenmaß und Blick auf die vorhandenen Möglich-keiten wird die Zielperspektive zu beraten sein, die unser Bischof in seinem Grundsatzreferat anfragt „wie z.B. auch die Erfordernisse im Blick auf die Schulen und Bildungsarbeit, das Gewicht der Jugendarbeit und der Schulpastoral“1 zu gestalten sind.

Gerade die engere Zusammenarbeit von Jugendpastoral und Schule ist eine wichtige Chance, die auf allen Ebenen genutzt werden kann. Regelmäßige Kontakte zwischen Lehrkräften, Pfarrgemeinderäten und denen, die in der konkreten Jugendarbeit Verantwortung tragen, bündeln Kräfte und schaffen seither ungenutzte Möglichkeiten.

Der Rückzug pastoraler Mitarbeiter/innen aus der Schule, meist gut gemeint und angeblich zugunsten der Gemeinde, ist im gegenwärtigen Prozess das eindeutig falsche Signal. Auf Kinder und Jugendliche, Lehrer/innen und Eltern treffen wir in der Schule ganz automatisch, vor allem auch mit Angeboten der Schulpastoral.²

Wenn möglich, sollten Schüler/innen über den unterrichtlichen Rahmen hinaus auf Religion und Kirche stoßen. Sie müssen viele Möglichkeiten bekommen, in der Entwicklung ihrer ganzen Persönlichkeit gefördert zu werden, auch in den großen Fragen nach dem Sinn und Werten, für die es zu leben lohnt. An manchen unserer Schulen im Bistum engagieren sich nicht nur Hauptamtliche, sondern viele Lehrkräfte ehrenamtlich in der Schulpastoral. Durch Gesprächsangebote, Gottesdienste und einfach ihre Präsenz sind diese Frauen und Männer gerade in den Anspannungen einer stärker leistungsorientierten Schule ein zugewandtes Herz und Ohr für suchende Jugendliche. Missionarische Kirche darf nicht den Rückzug in die eigenen Räume proben, sie sollte sich mit Blick auf die Zukunft gerade dort zeigen, wo unsere Jugendlichen und Kinder sind.

Wir bitten Sie in Ihren gegenwärtigen Gesprächen die Chancen zu bedenken, die durch die Schulen in Ihrem Einzugsgebiet allgemein, durch den Religions-unterricht und durch verstärkte Schulpastoral gegeben sind.
Lebendige Gemeinden – auch in der Schule!

Gerne kommen auch die Mitarbeiter/innen des Dezernates Schulen und Hochschulen mit den Gemeinden ins Gespräch, wenn sie Fragen zum Religionsunterricht, zur Schulpastoral haben oder auch dazu, wie sie Veränderungen in der Bildungslandschaft als pastorale Herausforderung aufgreifen können.

Bischöfliches Ordinariat, Dezernat Schulen und Hochschulen
Bischofsplatz 2, 55116 Mainz
Tel. 06131/253210 (Dr. Andreas Günter) oder
Tel. 06131/253246 (Dr. Brigitte Lob) oder
Tel. 06131/253216 (Doris Gagiannis)

E-Mail:  schulen.hochschulenat-ZeichenBistum-Mainz.de 

Generalvikar Dietmar Giebelmann
Ordinariatsdirektorin Dr. Gertrud Pollak, Dezernentin f. Schulen u. Hochschulen

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