Hanspeter Grünewald,
stellv. Verwaltungsratsvorsitzender (bis Jan. 2006), Pfarrei Bingen-Kempten, Hl. Dreikönige, Pfarrgruppe Bingen-Büdesheim
Perspektive 2010 – Wie wird das Bistum Mainz nach der Umsetzung der Umstrukturierung aussehen?
Die Reformbestrebungen sind umfassend und tiefgreifend. Genau kann wohl niemand sicher sagen, was sich wo und wie ändern wird. Dennoch werden Änderungen auf einigen Arbeitsfeldern deutlich:
- Folglich müssen Gemeinden über die eigene Kirchturmspitze hinaus denken und arbeiten.
- In ländlich strukturierten Räumen sind sicherlich andere Prioritäten zu setzen als in städtisch geprägten Gemeinden.
- Unvorbereitete Gemeinden gehen -obwohl das sicher nicht gewollt ist - möglicherweise unter.
- Die Hauptamtlichen sind nicht mehr nur für „ihre“ Gemeinde zuständig; für die Gläubigen ist dies schon ein gravierender Umstand, der die Menschen ängstigt.
Für mich ist 2010 nicht unbedingt der Zielpunkt. Das Ziel liegt zeitlich schon bei 2007. Bis dahin können wir noch nachdenken, probieren, üben. Bis 2008; dann sollten wir es können. Wichtig für die Suche nach den geeigneten Kandidaten für die PGR- Wahlen, die dann anstehen.
Worüber werden wir uns freuen, mit Blick auf den Weg bis dahin?Worüber werden wir klagen, weil etwas nicht mehr ist?
- Über ein Stück weit mehr Selbständigkeit, neue Aufgabenstellungen.
- Über Begegnungen und neue Formen der Zusammenarbeit.
- Die Reform birgt nicht nur Risiken, sondern bringt auf Möglichkeiten, also freue ich mich auf neue Gestaltungsspielräume.
- Wenn zukünftig die Verwaltungsräte Mitglieder im Seelsorgerat sind ist dies ein wichtiger Schritt zu einer verbesserten Kooperation von Verwaltungs- und Pfarrgemeinderäten.
- Es wäre wünschenswert, wenn die Gemeinden wieder entdecken würden, dass ihre Priester keine Zeremonienmeister sondern Seelsorger sind. Die bedeutet aber auch die Übernahme und das Zugeständnis vermehrter Kompetenz von/für Ehrenamtliche
- Bei einer Zentralisierung Spezialisierung pastoraler Aufgaben ist zu befürchten, dass diese pastoralen Aufgaben nicht mehr im Bewusstsein der einzelnen Ortsgemeinden sind.
- Dieser Umstand geht zu Lasten der Fernstehenden, die hoffentlich nicht die Jugendlichen sein werden.
- Es ist durchaus möglich, dass Immobilien anders als bisher genutzt werden oder werden müssen. Dies kann auch zur völligen Aufgabe von Einrichtungen führen.
Klagen werden wir auch über zu wenig Mut, die Veränderungen zu wollen. Hoffentlich gehen die neuen Pfarrverbünde / Pfarrgruppen nicht den gleichen Weg wie so viele der alten Pfarrverbände und unbedeutend werden.
Was steht für Sie jetzt an zu tun oder zu lassen auf das Jahr 2010 hin?
- Es ist m .E. geboten und an der Zeit, die Gemeinden eingehend über das Kommende zu informieren und nun verstärkt in die Prozesse einzubinden.
- Mit den Nachbarn zusammen nach Synergien suchen.
- Blicke über den Schatten des Kirchturms hinaus wagen.
- Geschwisterliche Konkurrenz üben und wo richtig und vernünftig, Verzicht zugunsten des Ganzen leisten; Vertrauen schaffen.
- In den eignen Gemeindestrukturen nach Möglichkeiten der Einsparung bzw. Erhöhung der Einnahmen suchen. Leider hat unser Tun und Lassen auch unmittelbar mit dem „schnöden Mammon“ zu tun.
